Reifendruck-Kontrollsysteme im Test

Höherer Spritverbrauch und schlechteres Fahrverhalten des Autos bei falschem Reifendruck

Wer mit dem falschen Reifendruck fährt, braucht durchschnittlich rund 75 Liter mehr Sprit pro Jahr . Weltweit hochgerechnet sind das vergeudete acht Milliarden Liter Kraftstoff. "Außerdem kann das Fahrverhalten des Autos unkontrollierbar werden", warnt ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke.

Auch ABS und ESP funktionieren nur mit exaktem Luftdruck einwandfrei . "Aber 50 Prozent der Österreicher sind mit falschem Reifendruck unterwegs", sagt Matzke und fordert: "Die Autoindustrie muss, wie in den USA bereits vorgeschrieben, Reifendruckkontrollsysteme serienmäßig einbauen."

ÖAMTC testet Reifendruckkontrollsysteme

Der ÖAMTC hat 14 Reifendruckkontrollsysteme (Serien- und Nachrüstmodelle) in drei Funktionsweisen auf Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit getestet. "Direkt messende Systeme schnitten durchwegs 'gut' ab, zwei sogar 'sehr gut'. Aber auch indirekt messende Systeme und gute Ventilkappensysteme sind ein erster Schritt zu mehr Sicherheit, sollten aber noch um einiges verbessert werden", erklärt Matzke.

Direkt messende Systeme

Diese verfügen über einen Druck- bzw. Druck-Temperatursensor, der im Reifeninneren an der Felge angebracht ist. Per Funk wird der Momentandruck an einen Empfänger im Fahrzeug gesendet. "Dadurch lässt sich auch z.B. der Druckverlust eines einzelnen Rades ('schleichender Patschen') rechtzeitig feststellen", weiß der ÖAMTC-Experte.

"Der Vorteil ist also eine rasche und exakte Anzeige ." Nachteilig ist, dass jedes Rad einen Sensor braucht und der zweite Reifensatz nachgerüstet werden muss. Das kann immerhin bis zu 300 Euro kosten. Getestet wurden in dieser Funktionsweise das Opel Vectra Reifendruck-Kontrollsystem, das Tiremoni Checkair TM-100, das Seehase SmarTire Premium, das Hella TC 400, das Car Guard Systems Wheel Control, das Renault Scenic und das Waeco Magic Control MTPM100. Wobei letzteres als einziges nur ein "befriedigend" ausfasste, weil es viel zu lange braucht, bis es den Luftverlust meldet. Das Tiremoni Checkair TM-100 und das Opel Vectra Reifendruck-Kontrollsystem gingen mit der Bewertung "sehr gut" als eindeutige Testsieger hervor.

Indirekte Messsysteme

Diese vergleichen die Raddrehzahlen mittels Sensoren , die in den meisten Fahrzeugen für ABS und ESP ohnehin eingebaut sind. Bei Druckabfall an einem Rad verringert sich der Abrollumfang des Rades, es wird kleiner. Dadurch steigt die Drehzahl des Rades an und das System erkennt den Druckverlust. "Diese Ausführung ist viel günstiger als direkt messende Systeme .

Allerdings warnt das indirekte Messsystem nur vor einem Druckverlust , ohne exakt anzuzeigen an welchem der vier Räder . Gleichmäßiger Druckverlust an allen vier Rädern wird nicht erkannt", erklärt der ÖAMTC-Experte. Runflatreifen bleiben auch bei völligem Druckverlust am Rad und bringen damit Notlaufeigenschaften auf mindestens 80 km ohne Reifenwechsel. Hier ist zumindest diese indirekte Druckanzeige zwingend vorgeschrieben. Getestet wurde der Mercedes B-Klasse Reifendruckverlust-Warner, der Skoda Fabia Reifendruckverlust-Warner, die Seat Leon Reifenkontrollanzeige, das Kufatec (Nachrüstkit für Golf V) und das Opel Astra DDS. Alle sind durchgehend "befriedigend".

Ventilkappensystem

Das ist eine einfache Anzeige auf den Ventilkappen - preisgünstig und sofort einsetzbar . Der Nachteil ist, dass man über keine Druckanzeige im Auto informiert wird, sondern lediglich den Reifendruck außen am Rad ablesen kann.

Die getesteten Hansen Styling Parts AIR-SAVE-Ventilkappen haben den Test nicht bestanden und wurden mit "mangelhaft" beurteilt. "Kommt es bei diesen Ventilkappen zu einer Beschädigung, kann die Luft entweichen, ohne dass der Fahrer das merkt", warnt der ÖAMTC-Experte. "Außerdem sind sie ein gefundenes Fressen für Diebe, weil die Ventilkappen ohne Spezialschlüssel aufgeschraubt werden können." Besser schlägt sich, mit der Bewertung "ausreichend", die diebstahlsichere Ventilkappe Pirelli K-Pressure Optic. Auch bei Beschädigung der Ventilkappe wurde kein unkontrollierter Luftverlust festgestellt.

Fazit des ÖAMTC-Experten

Direkte Luftkontrollsysteme schneiden am besten ab, sind aber auch teurer als die anderen beiden. Bei indirekten Druckkontrollsystemen über ABS-Signal wird der Druckverlust ohne Angabe des Rades prompt gemeldet, also ein echter Sicherheitsgewinn zu akzeptablen Kosten .

Gute Ventilkappensysteme sind ein sehr preiswerter Einstieg zu mehr Sicherheit, zumal fast niemand die regelmäßige Reifendruckkontrolle durchführt. "Obwohl alle Systeme noch verbessert werden sollten, ist jedes besser als gar kein Reifendruckkontrollsystem", sagt Matzke abschließend. "Denn falscher Reifendruck kann lebensgefährlich sein ."

Quelle: ÖAMTC

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