Führerschein aus der Slowakei , Tschechien oder Ungarn

ÖAMTC warnt vor Zusatzkosten und Ärger mit Behörden

Ist der begehrte rosa Schein in Österreich nicht unter rund 1.400 Euro zu haben, locken manche Fahrschulen in den östlichen EU-Nachbarländern mit Schnäppchenpreisen ab 200 Euro . Findige Fahrschulbesitzer haben sich sogar darauf spezialisiert, EU-Ausländern spezielle Kurse anzubieten. Wie leicht oder schwer einem der Führerschein-Import gemacht wird, das zeigt ein Mystery-Shopping des ÖAMTC bei 32 Fahrschulen in Tschechien, Ungarn und der Slowakei.

Tschechien : Die neun kontaktierten tschechischen Fahrschulen stehen Führerschein-Werbern aus Österreich recht positiv gegenüber. Bis auf ein Unternehmen betonen alle, dass ein Aufenthaltsnachweis nicht notwendig ist. Verlangt wird nur eine Bestätigung vom Amtsarzt. Bei der Prüfung muss allerdings ein beeideter Dolmetscher anwesend sein. Paket-Lösungen mit Kursen in deutscher Sprache werden etwa in Prag angeboten, andere Fahrschulen stellen Dolmetscher bereit. Die Preise für den B-Führerschein bewegen sich zwischen 187 Euro und 263 Euro. --> Achtung: ab 2005 nur mehr bei ständigem Wohnsitz in Tschechien möglich.

Ungarn : Bei 14 Fahrschulen hat der ÖAMTC angefragt, spezielle Führerschein-Kurse für Ausländer wurden nicht angeboten. Die Fahrschulen in Ungarn halten sich strikt an die sechsmonatige Aufenthaltsfrist bzw. wird der Führerschein erst nach 185 in Ungarn verbrachten Tagen ausgehändigt. Der Preis für einen in Ungarn gemachten Führerschein beläuft sich bei den getesteten Fahrschulen zwischen 283 und 567 Euro - je nachdem ob die Kosten für Fahrstunden, Erste-Hilfe-Kurs und die Prüfungsgebühren schon im Angebot enthalten sind.

Slowakei : Ohne Aufenthaltsgenehmigung kann man in der Slowakei keinen Führerschein machen. Die neun vom ÖAMTC kontaktierten slowakischen Fahrschulen halten sich korrekt an die Bestimmungen. Kein einziges Unternehmen macht für ausländische Führerschein-Werber Ausnahmen oder bietet "Packages" an. Die meisten erachten die Aufenthaltsgenehmigung aber nur für die Dauer des Kurses notwendig. Die Kosten für den B-Führerschein belaufen sich auf 225 Euro bis 323 Euro. Eine ärztliche Bestätigung wird jedenfalls verlangt, einen Dolmetscher muss man selber organisieren und bezahlen.

"Auf den ersten Blick sind die Fahrschulpreise in Tschechien, Ungarn und der Slowakei tatsächlich unglaublich, weil sie so gering sind. Aber der Billig-Führerschein hat gleich mehrere Haken", warnt ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka.

Nach EU-Recht besteht für den Erwerb der Lenkberechtigung zwar die Vorraussetzung, dass der Führerschein-Anwärter für zumindest 185 Tage in dem Land, das den Führerschein ausstellt, den ordentlichen Wohnsitz hatte, aber: Nach tschechischem Recht ist die 185-Tage-Regelung derzeit noch nicht umgesetzt. Und der europäische Gerichtshof hat im April dieses Jahres bekräftigt, dass EU-Staaten grundsätzlich alle EU-Führerscheine anerkennen müssen - unabhängig davon, in welchem Land der Führerschein-Besitzer gerade wohnt. "Ein Umschreiben in einen nationalen Führerschein ist nicht notwendig. Die Erwartung, schnell und günstig zur begehrten Lenkberechtigung zu kommen, wird zusätzlich im Internet und in Inseraten genährt", berichtet Zelenka. Bei genauer Betrachtung offenbaren sich etliche Fallen , hat die ÖAMTC-Juristin festgestellt:

Kein Schlupfloch beim Führerschein-Entzug. Wenn jemandem in Österreich der Führerschein entzogen wurde, könnte er sich seine Lenkberechtigung nun im Ausland holen. Außer die Führerschein-Behörde im Nachbarland erkundigt sich vorweg, ob der Betreffende schon einen Führerschein hat beziehungsweise ob er ihn mittlerweile wieder eingebüßt hat. Aber selbst wenn das nicht geschieht und das Dokument ausgestellt wird, besteht kein Grund zur Freude: "Die Entziehung der österreichischen Lenkberechtigung gilt auch für den neu erworbenen Auslands-Führerschein, er ist also praktisch wertlos", erläutert Zelenka.

Unterschätzte Zusatzkosten. Nicht außer Acht lassen darf man jene Kosten, die auf die Führerschein-Aspiranten für Leistungen zukommen, die nicht in den maßgeschneiderten Paketlösungen enthalten sind. Vom beeideten Dolmetscher bei der Prüfung über Verwaltungsgebühren und Anreisekosten reicht die Palette der zusätzlichen Rechnungsposten.

Irreführende Inserate. Von Offerten, die den "Euro-Führerschein" oder einen "internationalen Führerschein" anpreisen, sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Ob in Tschechien, Ungarn oder der Slowakei - in jedem Fall erwirbt man einfach einen nationalen Führerschein, der innerhalb der EU von allen Staaten anerkannt wird.

Gravierende Bedenken in punkto Sicherheit. "Österreich hat mit der Mehrphasen-Fahrausbildung einen entscheidenden Verkehrssicherheitsvorteil. Führerschein-Werber sollten darauf keinesfalls verzichten", sagt die Club-Juristin. Die Mehrphasen-Fahrausbildung sieht seit Jänner 2003 nach der Führerschein-Prüfung neben zwei Perfektionsfahrten auch ein Fahrsicherheitstraining vor. Zelenka: "Wer das versäumt, bringt sich außerdem um die Erfahrung, dass Sicherheit auch Spaß machen kann."

Sicheres, unfallfreies Fahren braucht eine fundierte Fahrausbildung und nicht einen im Schnellverfahren in fremder Umgebung durchgezogenen Führerschein-Kurs: "Allein wenn man bedenkt, welche Unannehmlichkeiten, möglicherweise auch mit Behörden, ein importierter Billig-Führerschein bringt, kann der Rat nur lauten: Hände weg", zieht die ÖAMTC-Expertin Bilanz. In den kommenden Monaten sei ohnehin mit dem Ende des Führerschein-Tourismus zu rechnen.

Quelle: ÖAMTC