Polizei darf Winterreifen-Pflicht jederzeit verhängen

Sommerreifen auf Schneefahrbahn sind ein Spiel mit dem Tod

Die situative Winterausrüstungspflicht gilt zwar erst ab 1. November . Allerdings verlangen die derzeitigen Wetterverhältnisse auf vielen Straßen in Österreich Winterreifen bzw. Schneeketten. Zahlreiche Autofahrer sind verunsichert, ob sie nun mit Sommerreifen auf Winterfahrbahn unterwegs sein dürfen oder nicht. "Grundsätzlich soll man, auch wenn die gesetzliche Winterausrüstungspflicht zeitlich bedingt noch nicht gilt und keine Geldstrafe droht, niemals mit Sommerreifen auf schneebedeckten Straßen fahren ", erklärt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. "Außerdem kann die Exekutive jederzeit die Winterausrüstungspflicht bzw. Schneekettenpflicht für bestimmte Strecken verhängen." Dann muss jedenfalls das Auto winterfit gemacht werden.
 
"Wer dann sein Auto ab dem 1. November auf Eis- oder Schneefahrbahn nicht entsprechend ausgerüstet hat, muss zumindest mit einem Organmandat in der Höhe von 35 Euro rechnen. Gefährdet man zusätzlich noch andere Verkehrsteilnehmer, drohen theoretisch sogar bis zu 5.000 Euro Strafe ", sagt die ÖAMTC-Juristin. Passiert ein Unfall mit Sommerreifen auf Winterfahrbahn, muss man - neben den unangenehmen Unfallfolgen - mit weiteren Unannehmlichkeiten rechnen. "Wenn der Autofahrer, der mit Sommerreifen unterwegs gewesen ist, nicht beweisen kann, dass der gleiche Unfall auch mit Winterausrüstung passiert wäre, trifft ihn jedenfalls ein Teilverschulden ", erläutert die ÖAMTC-Expertin. "Im Klartext bedeutet das, dass der Autofahrer der gegen die Winterausrüstungspflicht verstoßen hat, einen Teil seiner Schadenersatz-Ansprüche selbst bezahlen muss."
 
Außerdem räumt die Juristin mit einem Gerücht auf, das sich hartnäckig hält: Die eigene Haftpflichtversicherung muss nach einem Unfall den Schaden am gegnerischen Auto aber in jedem Fall zahlen - egal, ob der Unfall mit oder ohne Winterreifen passiert ist. "Auch die Kaskoversicherung kann sich nur dann der Zahlungspflicht entziehen, wenn mehrere erschwerende Faktoren zusammenkommen: Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn jemand während der Fahrt mit dem Handy telefoniert und viel zu schnell mit Sommerreifen auf einer Winterfahrbahn unterwegs ist. Dann fordert man einen Unfall ja geradezu heraus", sagt die ÖAMTC-Juristin.

Für die eigene Sicherheit - Winterreifen anlegen

Grundsätzlich erfüllen alle, die mit montierten Schneeketten auf Sommerreifen unterwegs sind, die Winterausrüstungspflicht. "Aus fahrdynamischen Gründen ist davon aber dringend abzuraten", sagt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel. Wenn man die Schneeketten auf Vorderreifen montiert, hat die Hinterachse so gut wie keinen Grip , die Vorderachse hingegen viel. "Die Folge daraus kann lebensgefährlich sein. In der Kurve kann das Fahrzeug hinten ausbrechen und ins Schleudern kommen. Wer hier nicht rasch und adäquat reagiert, findet sich im Straßengraben oder Gegenverkehr wieder", so der ÖAMTC-Reifenexperte. Montiert man (beim Hinterradantrieb) die Schneeketten an der Hinterachse ist der Vortrieb gut. In der Kurve fährt man allerdings einfach gerade aus weiter, weil die Vorderreifen keine Lenkkräfte und auch keine Bremskräfte auf die Schneefahrbahn übertragen.
 
Abschließend rät der Clubexperte dringend ab, Sommerreifen auf Winterfahrbahn zu verwenden: "Wie ein ÖAMTC-Test gezeigt hat, ist der Bremsweg von Sommerreifen auf Schneefahrbahn doppelt so lang wie mit Winterreifen. Außerdem können Sommerreifen auf Schneefahrbahn nur ein Viertel der Traktionskraft von Winterreifen auf den Boden bringen."

ÖAMTC

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