Verkehrsregeln auch bei starkem Schneefall gültig ?

Was gilt, wenn Bodenmarkierung oder Verkehrszeichen unlesbar sind?

Die Liste der Tücken, die der Schneefall den Kraftfahrern beschert, ist lang. Schneeverwehte Verkehrsschilder geben Rätsel auf. Dort, wo am Vortag noch eine Bodenmarkierung war, wird heute oft kreuz und quer gefahren. "Aber auch im Schneechaos gelten Regeln im Straßenverkehr", warnt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Er hat wichtige Fragen gelistet, die Autofahrer heute bewegen:

Was muss ich tun, wenn ein Verkehrszeichen derart verweht ist, dass der Inhalt nicht mehr erkennbar ist?

"Ungültig ist etwa ein nicht identifizierbares rundes Verkehrszeichen. Darunter könnte ein Linksabbiege-Verbot sein", führt Hoffer ein Beispiel an. In einem solchen Fall sollte man etwa auf die Parkordnung achten, damit es nicht passiert, dass man womöglich gegen eine Einbahn fährt. Anders ist es bei einem Verkehrszeichen, dessen äußere Form eindeutig erkennbar ist. Bei "Vorrang geben" oder "Halt" spielt es keine Rolle, ob die Schilder mit Schnee zugeweht sind: Sie müssen trotzdem beachtet werden.

Wie verhalte ich mich, wenn die Bodenmarkierungen zugeschneit sind?

Sind die Richtungspfeile auf der Fahrbahn nicht sichtbar, gelten die allgemeinen Fahrregeln. "Auf jedem Fahrstreifen darf man geradeaus fahren, auf dem zunächst rechts gelegenen Streifen ist auch das Rechtsabbiegen erlaubt. Auf der neben der Fahrbahnmitte gelegenen, in Einbahnen auf der äußerst linken Fahrspur, darf nach links abgebogen werden", erläutert Hoffer. Ortskundige, die wissen, wie die Richtungspfeile normalerweise verlaufen (wenn z.B. auf der zweiten Spur das Rechtsabbiegen erlaubt ist), dürfen sich nicht darauf verlassen, dass das auch die anderen wissen: Die Verkehrsteilnehmer verhalten sich anders als gewohnt. "Auch Haltelinien vor Kreuzungen und Ampeln sind nicht sichtbar: Jedenfalls muss vor einer Stoptafel angehalten werden", sagt Hoffer. "Dann langsam in die Kreuzung vortasten und erst bei guter Sicht auf den Querverkehr die Fahrt fortsetzen."

Schnee auf dem Schutzweg bedeutet keinesfalls "Bahn frei" für die Kraftfahrer. Auch wenn die Markierung nicht erkennbar ist, muss aufgrund des Verkehrszeichens "Kennzeichnung eines Schutzweges" der Fußgänger-Übergang beachtet werden. Den Fußgängern empfiehlt Hoffer aber dringend, nur dann den Schutzweg zu betreten, wenn Fahrzeuge noch weit genug entfernt sind, um - auch auf rutschigem Untergrund - rechtzeitig anhalten zu können.

Wo darf ich im Schneechaos parken?

Wenn keine Gehsteig-Abschrägung erkennbar ist, darf man sein Auto nicht einfach ungeniert in einer Hauseinfahrt abstellen. "Ist z.B. ein 'Einfahrt freihalten' -Schild vorhanden, muss man davon ausgehen, dass sich unter der Schneedecke eine Gehsteig-Abschrägung befindet", erklärt der Rechtsexperte des Clubs.

Wenn die Kurzparkzonen-Regelung nicht extra aufgehoben worden ist, gelten Kurzparkzonen trotz Schneefalls. Die blaue Bodenmarkierung braucht nicht sichtbar sein, sie muss nicht einmal vorhanden sein. Kurzparkzonen sind ausschließlich durch Verkehrszeichen verordnet. Der ÖAMTC-Jurist erhofft sich allerdings, dass die Überwachung der Kurzparkzonen bei starkem Schneefall von Städten und Orten kulant gehandhabt bzw. die Überwachung der Kurzparkzone vorübergehend ausgesetzt wird.

Übrigens: Wer sein Auto in der Kurzparkzone abstellt, muss bei Schneefall nicht ständig die Scheibe putzen , damit Kurzparkschein oder Parkuhr gut sichtbar sind. "Dem Aufsichtsorgan kann durchaus zugemutet werden, den Schnee von der Windschutzscheibe zu wischen, um ins Wageninnere schauen zu können", sagt Hoffer.

Zu guter Letzt geht es auch um faires Miteinander: Auch wenn das Herz noch so an ihm hängt - der mühsam freigeschaufelte Parkplatz darf nicht mit Leitern, Brettern oder ähnlichem besetzt werden, wenn man wegfährt. Lt. Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das Reservieren öffentlicher Flächen verboten . Andere Autofahrer sind berechtigt, diese Gegenstände von der Fahrbahn zu entfernen und ihr Fahrzeug dort abzustellen. Verboten ist auch, z.B. den Beifahrer oder eine andere Person auf einen freien Parkplatz zu stellen, um diesen für ein Fahrzeug freizuhalten. Lt. StVO ist ein dauerndes Verweilen eines Fußgängers auf der Fahrbahn nämlich nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Quelle: ÖAMTC