Verkehrszeichen in Österreich auf dem Prüfstand

Projekt Gonzales soll zu Entrümpelung des Schilderwaldes in Österreich beitragen

"Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Freilandstraße. Es kommt eine Tafel mit dem Tempolimit von 70 km/h. Etwas später kommt eine Ortstafel. Wie schnell dürfen Sie danach fahren?" - Jeder Zweite vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) befragte Lenker gab auf diese Frage eine falsche Antwort. Sie hätten in diesem Fall auf 50 km/h heruntergebremst, obwohl eigentlich noch immer 70 km/h erlaubt sind. Genau hier setzt das Projekt "Gonzales" an.

Ein interdisziplinäres Expertenteam unter Führung des KfV stellte im Rahmen von "Gonzales" Verkehrszeichen für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Prüfstand und kam zu zwei Ergebnissen: Der Schilderwald auf Österreichs Straßen ist oft kontraproduktiv. Viele Verkehrsteilnehmer sind überfordert, Regelungen nicht klar verständlich. Außerdem kann die österreichische Straßenverkehrsordnung (StVO), die das Aufstellen der Verkehrszeichen regelt, noch nicht vollständig mit der modernen Informationstechnologie (Verkehrstelematik) mithalten. Diese würde es beispielsweise ermöglichen, dass dem Fahrer das jeweils gültige Geschwindigkeitslimit auf einem Display angezeigt wird. Eine Übertretung kann durch ein Ton- oder Lichtsignal oder als erhöhter Widerstand des Gaspedals angezeigt werden. Die 45 Jahre alte StVO weist jedoch noch einige Graubereiche und Widersprüchlichkeiten auf, durch die eine digitale Erfassung von Geschwindigkeitsbegrenzungen erschwert wird. Ein technisches System braucht schließlich eindeutige Zu- und Anweisungen. "Verkehrszeichen müssen klar und nachvollziehbar angeordnet sein, denn KfZ-Lenker haben im Straßenverkehr wichtigere Aufgaben, als über die gerade gültige Geschwindigkeit zu grübeln ", erläutert Armin Kaltenegger, Institutsleiter des KfV. "Außerdem schlagen wir mit der Entrümpelung des Schilderwaldes zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Fahrer werden von unnötigem 'Ballast' befreit und Österreich wird fit für den Einsatz neuer telematischer Verkehrssicherheitsmaßnahmen."

Prinzipien für eine sinnvolle Beschilderung

Im Rahmen von Gonzales wurden Prinzipien festgehalten, die zu einer Minimierung der Beschilderung führen würden, ohne dass allzu große Änderungen in der StVO notwendig wären. Allen voran gehört dazu eine eindeutige Klassifizierung aller Straßen. Demnach liegt eine Straße entweder im Ortsgebiet oder im Freiland, wobei der Begriff Freiland in der StVO neu definiert werden müsste. Beide Begriffe schließen einander aus. Jedem Gebiet wird eine bestimmte Geschwindigkeit zugeordnet. Das oben angeführte Beispiel wäre damit Geschichte, denn eine Ortstafel wäre dann ein Verkehrszeichen, das besagt: Hier sind nur noch 50 km/h erlaubt. "Was kompliziert klingt, wird von vielen Fahrern aus intuitiver Unwissenheit bereits praktiziert. Kaum einer weiß, dass eine Ortstafel nicht automatisch ein Tempolimit von 50 km/h bedeutet. Die Beschilderung sollte an die Logik des Menschen angepasst werden , verständlich und leicht vermittelbar sein", urteilt Kaltenegger. Um das zu erreichen, wurden für "Gonzales" auch wahrnehmungs- und kognitionspsychologische Erkenntnisse herangezogen. Ein Ergebnis war das Prinzip der positiven Beschilderung . Dieses besagt, dass einem Verkehrsteilnehmer nicht angezeigt wird, was nicht mehr gilt, sondern welches neue Tempolimit nun zu beachten ist. "So kann die Akzeptanz von Schildern erhöht werden", meint Kaltenegger.

Quelle: KfV