Vormerksystem : Kindersicherheit ist häufigstes Delikt

Hohe Akzeptanz : Zwei Drittel halten das Vormerksystem für sinnvoll

Ein Jahr ist es her, dass die Diskussion rund um Sein oder Nicht-Sein eines Punkteführerscheins in der Einführung des so genannten "Vormerksystems" mündete. 13 besonders schwer wiegende Delikte wurden in den Katalog aufgenommen, wer zwei davon begeht, muss eine besondere, abgestimmte Maßnahme absolvieren. Geschätzte 18.000 Übertretungen gegen Delikte des Vormerkkatalogs wurden von der Exekutive bis zum 31. Mai 2006 registriert. "Was sich aus den uns vorliegenden Zahlen ablesen lässt, ist, dass die richtige Sicherung von Kindern im Fahrzeug für viele einen erschreckend niedrigen Stellenwert hat ", berichtet Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). "Alleine in Wien betreffen mehr als 60 Prozent der 3.810 Vormerkungen die mangelhafte Kindersicherung."  Erwartungsgemäß mischt auch die Alkoholisierung zwischen 0,5 und 0,8 Promille auf der Liste der Vergehen ganz oben mit. Laut Thann werde aber gerade dadurch auch der Sinn des Systems deutlich. "Die Leute sollen nicht in erster Linie bestraft sondern zu einer Verhaltensänderung animiert werden. Es ist keine Lapalie, ein Kind ungesichert zu transportieren, denn bei einem Unfall hat es so die geringsten Überlebenschancen. Und eine Alkohol-Fahrt ist genau so wenig ein Kavaliersdelikt, da meistens Unschuldige  zum Handkuss kommen." Dem KfV war das einjährige Jubiläum die Frage wert, wie es denn nach 12 Monaten um das Wissen der Österreicher zum Vormerksystem bestellt ist.

Insgesamt wurden in ganz Österreich mehr als 900 Führerscheinbesitzer zwischen 17 und 84 Jahren befragt, rund 77 Prozent davon wussten, dass es das Vormerksystem gibt. Gegenüber einer KfV-Umfrage im letzten Jahr ist das eine Steigerung von 13 Prozentpunkten. Das Wissen um die Existenz des Vormerksystems ist vor allem unter den "Middle Agern" von 35 bis 44 Jahren gefestigt: rund 87 Prozent wussten Bescheid, während ab 65 Jahren nur mehr 60 Prozent eine positive Antwort geben konnten. Jeder Neunte der Befragten gab an, dass sich sein Verhalten im Straßenverkehr durch die österreichische Form der "Knöllchen" geändert habe, wobei hier vor allem die 25- bis 34-Jährigen sowie die 45- bis 54-Jährigen an der Spitze stehen.

Jene Personen, denen das Vormerksystem ein Begriff war, wurden auch gefragt, wie sinnvoll sie dieses Instrument zur Erfassung von Hochrisikolenkern finden. Beinahe zwei Drittel der Befragten halten es für "sehr sinnvoll" , der Rest unterteilt sich in "weniger sinnvoll" (29 %) und "überhaupt nicht sinnvoll" (11 %). Mit zunehmendem Alter steigt auch die Zustimmung: Während nur 45 Prozent der 17- bis 24-Jährigen dem System Positives abgewinnen können, unterstützten rund 77 Prozent der über 65-Jährigen den "Punkteführerschein". Allgemein sind die Befürworter des Vormerksystems eher unter den Frauen zu finden.

Im April 2005 konnte gerade einmal jeder sechste Befragte zumindest drei Delikte des Vormerkkatalogs nennen . Innerhalb eines Jahres hat sich das Wissen erfreulicherweise erweitert. Der Großteil der Befragten konnte zwischen drei und vier Delikten nennen, jedem Zehnten waren immerhin fünf Delikte bekannt (im April 2005 schaffte das nur eine Person). Das Problem "Kindersicherung" machte sich aber auch bei der Frage nach den einzelnen Delikten bemerkbar. Nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten brachte dieses Delikt mit dem Vormerksystem in Verbindung. Weitaus bekannter sind hingegen der Rotlichtverstoß (54 %), die Gefährdung von Fußgängern am Schutzweg (50 %) und der zu geringe Sicherheitsabstand (45 %). So wie auch schon bei der ersten Befragung wurde von vielen die überhöhte Geschwindigkeit in den Deliktkatalog eingereiht. Während vor einem Jahr so gut wie keiner der Befragten wusste, was nach der zweiten Vormerkung passiert , zeigten sich die nun Interviewten wesentlich informierter. Rund 70 Prozent sagten richtig, dass sie eine besondere, abgestimmte Maßnahme absolvieren müssen. Immerhin 21 Prozent waren der Meinung, dass ihnen der Führerschein entzogen wird.

73 Prozent der befragten Vormerksystem-Kenner waren der Meinung, dass mit dem derzeitigen Deliktkatalog bereits die wichtigsten Vergehen im Straßenverkehr geahndet werden. Es wurde aber auch die Frage gestellt, ob der Katalog um Telefonieren am Steuer, Geschwindigkeitsübertretungen oder die Gurtanlegepflicht erweitert werden sollte . Obwohl das weibliche Geschlecht Klatsch und Tratsch beim Autofahren nicht abgeneigt ist, fand jede zweite Frau, dass Telefonieren am Steuer ein Vormerkdelikt sein sollte (Männer: 42 %). Allerdings entspricht das nicht dem Wunsch der 17- bis 24-Jährigen, die keinen Grund sehen, dieses Delikt aufzunehmen. Auch beim Thema Geschwindigkeit sträubt sich die Jugend: Nicht einmal ein Viertel der Befragten in dieser Altersgruppe kann dem Gedanken etwas abgewinnen, für zu viel Tempo eine Vormerkung zu kassieren. Insgesamt stimmten 41 Prozent der Befragten für die Aufnahme von Geschwindigkeitsverstößen. Mehr als die Hälfte der Befragten sprach sich für die Gurtanlegepflicht als Vormerkdelikt aus.

Quelle: KfV

Delikte und Strafen im Rahmen des Vormerksystem ...

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