Vorsicht: Autos mit Keyless-Go sind leicht zu stehlen

Es reicht, den Empfänger mehrere Meter vom Schlüssel entfernt zu platzieren.

Mit einem Komfort-Schließsystem ("Keyless-Go") ausgestattete Fahrzeuge erkennen über ein Funksignal, dass man den Schlüssel bei sich trägt. Die Zentralverriegelung öffnet sich, sobald man sich nähert und den Türgriff berührt oder eine Taste am Griff drückt. Meist ist auch für das Starten kein Zündschlüssel mehr notwendig, ein Knopfdruck genügt. Der Nachteil der Bequemlichkeit: Bereits 2017 hat ein Test gezeigt, dass es ein solches System Dieben mitunter sehr leicht macht. Daran hat sich bis dato leider nichts geändert. Der ÖAMTC und seine Partner haben schon über 270 Autos mit "Keyless-Go" getestet - und nur vier Modelle davon ließen sich nicht knacken! "Die meisten Hersteller wollen oder können diese Sicherheitslücke scheinbar nicht schließen", kritisiert ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Fundierte Kenntnisse zum Hacken oder Entschlüsseln von Daten sind nicht notwendig, um ein mit "Keyless-Go" ausgestattetes Auto zu öffnen. Dafür genügt ein frei und legal erhältlicher Reichweiten-Verlängerer. "Im Test hat die 'Verlängerung' des Signals sogar durch Türen und Mauerwerk funktioniert", berichtet Steffan Kerbl. Es reicht, den Empfänger mehrere Meter vom Schlüssel entfernt zu platzieren, um das Signal über hunderte Meter zu verlängern. Dadurch kann ein Dieb das Auto öffnen und den Motor starten, obwohl der Besitzer den Schlüssel z. B. in der Hosentasche hat, während er in einem Café sitzt. Läuft der Motor einmal, bleibt er auch ohne Schlüssel so lange in Betrieb, bis er abgestellt wird oder der Sprit ausgeht. Tankt ein Dieb bei laufendem Motor nach, kann er das Auto auch über weite Strecken bis ins Ausland entführen.

Der ÖAMTC fordert die Hersteller daher auf, die Fahrzeugelektronik nach dem Vorbild verschiedener IT-Bereiche abzusichern. "Aktuell sind Autos mit 'Keyless-Go'-System deutlich leichter zu stehlen als andere Fahrzeuge. Einzig vier Modelle von Jaguar bzw. Land Rover waren in unseren Tests nicht zu knacken", sagt ÖAMTC-Experte Kerbl. Eine weitere Forderung wäre, dass Autobesitzer die Möglichkeit haben, die Funk-Funktion ihrer Schlüssel zu deaktivieren. Eine wirksame Methode, wie der Besitzer Abhilfe schaffen kann, sind spezielle Schlüsseletuis, die die Funkwellen blockieren und damit einen Diebstahl verhindern können. Allerdings muss man so auf die Bequemlichkeit, den Schlüssel zum Öffnen und Starten des Fahrzeuges nur bei sich zu haben, verzichten und ihn stattdessen jedes Mal auspacken.