Indien ist für Autokonzerne einer der größten Zukunftsmärkte

Umsatz pro Fahrzeug auf dem Subkontinent jedoch deutlich geringer als bei uns

Um die Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise, die vor allem den Autosektor hart getroffen hat, schneller zu bewältigen, führt kein Weg am Zukunftsmarkt Indien vorbei. "In Deutschland fahren tausend Menschen rund 500 Autos, in Indien sind es erst elf Fahrzeuge pro tausend Menschen ", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann im Rahmen des diese Woche stattgefundenen Indien-Tags auf der IAA in Frankfurt. Wissmann forderte in diesem Zusammenhang eine verstärkte wirtschaftliche Kooperation in Form einer Freihandelszone zwischen der EU und Indien.

Indien selbst hat ebenfalls ambitionierte Ziele. Indiens Botschafter in Deutschland, Sudhir Vyas, verwies auf den Plan Indiens, dass der Asienstaat bis 2016 von Platz elf der weltweit größten Autohersteller auf Platz sieben aufrücken wolle. Die Unternehmensberatung Deloitte geht davon aus, dass im Jahr 2020 nur noch zehn Hersteller 90 Prozent des Weltmarktes abdecken, derzeit sind es doppelt so viele. Laut Deloitte-Experte Hans Rudolf Röhm wird sich die Branchenkonsolidierung weiter fortsetzen und sparten- und länderübergreifende Kooperationen werden eine wichtigere Rolle spielen. Der weltweite Automarkt wird demnach in den kommenden zehn Jahren von rund 50 auf 70 Mio. Autos wachsen. Doch diese Fahrzeuge werden klein und energieeffizient sein und vornehmlich in Asien produziert.

Betroffen sind dadurch natürlich auch Autozulieferer wie etwa Bosch. "Wir dürfen nicht vergessen, dass bei solchen Autos der Umsatz pro Fahrzeug deutlich geringer ist. Während Bosch zum Beispiel in Europa pro Fahrzeug durchschnittlich auf 750 Euro Umsatz kommt, sind es in Indien, wenn wir gut sind, 200 bis 300 Euro. Das versuchen wir natürlich zu steigern, aber man muss eben nicht nur auf die reinen Stückzahlen sehen, sondern auch die Struktur der Fahrzeugproduktion im Blick haben", so Bernd Bohr, Geschäftsführung von Bosch und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik, im Gespräch mit dem Manager Magazin.

Die Autohersteller reagieren bereits mit strategischen Entscheidungen auf die Entwicklungen. So sind etwa die Gespräche über einen Einstieg von Volkswagen bei dem japanischen Kleinwagen- und Motorradhersteller Suzuki weit fortgeschritten, sagte ein hochrangiger Suzuki-Manager am Rande der IAA gegenüber der Automobilwoche. Volkswagen wollte diesen Bericht bis jetzt nicht kommentieren. VW bekäme jedenfalls über Suzuki ein solides Standbein in Indien und Südostasien. Außerdem spekulieren Medien bereits über ein Motorrad unter der Marke VW, während Suzuki Zugriff auf eine Vielzahl von Technologien aus Wolfsburg erhielte.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte auf der IAA zuvor die Spekulationen über einen Einstieg bei Suzuki selbst angeheizt. "Zwölf ist eine schöne Zahl", sagte Piech auf die Frage, wie viele Marken der VW-Konzern haben sollte. Derzeit hält VW bei elf Marken.

Wenig kompatibel ist das Indien-Engagement der weltweiten Autohersteller mit den Ambitionen, alternative Antriebsarten wie Elektromotoren in den Vordergrund zu rücken. "Märkte wie Indien werden im Wesentlichen verbrennungsmotorisch bleiben, zumindest deutlich länger als die etablierten Regionen. Die Kaufkraft, um solche Zukunftstechnik zu finanzieren, ist dort einfach nicht vorhanden", erklärt Bosch-Geschäftsführer Bohr.

pte

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