Motorensymposium in Wien diskutierte Zukunft der Elektroautos

Beim 32. Internationalen Wiener Motorensymposium haben 1.000 Experten aus aller Welt über die Zukunft der Motoren in unseren Autos diskutiert.

An dem vom österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK) unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Lenz veranstalteten 32. Internationalen Wiener Motorensymposium in der Wiener Hofburg nahmen letzte Woche 1000 Motorenexperten aus aller Welt teil. Es handelt sich um den weltweit größten derartigen Kongress. In mehr als 40 Vorträgen gaben die Experten einen Überblick über den Stand der Technik und diskutierten Zukunftsszenarien der Mobilität.

Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der weiteren Entwicklung der Elektromobilität, die ein zentrales Thema der Veranstaltung war. Das reine E-Fahrzeug eignet sich im Alltag nach Ansicht der Universitätsprofessoren Dr. Christian Beidl, TU Darmstadt, und Dr. Günter Hohenberg, IVD Graz, nur für begrenzte Anwendungen. "Der Kunde ist grundsätzlich mit höheren Kosten und potenziell geringerem Nutzwert konfrontiert", zogen die Wissenschaftler Freitag Vormittag in einem gemeinsamen Vortrag vor dem Internationalen Wiener Motorensymposium ein Fazit zum Thema "Elektrofahrzeug". Naheliegend sei es deshalb, den Weg zur E-Mobilität über eine verbrennungsmotorische Unterstützung, den so genannten Range Extender, zu erleichtern: "Die Kombination von E-Motor und Verbrennungsmotor ist als 'Enabler' der E-Mobilität zumindest heute sinnvoll."

Nach Prognosen wird der Markt für Fahrzeuge mit elektrischer Reichweite und verbrennungsmotorischer Unterstützung im Jahr 2020 drei- bis viermal so groß sein wie der für rein batterieelektrische Fahrzeuge. Aufgrund des größeren Marktpotenzials und des für den Nutzer problemloseren Betriebs ist durch Fahrzeuge mit Range Extender mit einer deutlich höheren Zahl elektrischer Fahrten bzw. Elektrokilometer zu rechnen. Prof. Beidl: "Wenn ein Fahrzeug eine elektrische Reichweite von 50 Kilometer hat, werden 70 Prozent der Fahrten elektrisch durchgeführt. Kunden können ohne Reichweitenangst die Vorteile des elektrischen Fahrens gezielt nutzen."

Den Erfolg der Elektromobilität wird nach Meinung von Prof. Beidl letztlich der Kunde bestimmen. "Ein wesentlicher Erfolgs- faktor kann also darin bestehen, dass man die Kunden mit Range-Extender-Lösungen in ihrer bisherigen Erfahrungswelt abholt", regte der Wissen- schaftler an und forderte von den Politikern verlässliche und technisch sinnvolle Rahmenbedingungen.

Ganz anders sieht dabei die Lage in China, dem am schnellsten wachsenden Automobilmarkt der Welt, aus. Hier setzt die Regierung ganz auf das Thema Elektromobilität und man plant, bis 2020 fünf Millionen Elektroautos auf Chinas Straßen zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Politiker nicht nur auf Förderungen für Elektroautos. Während herkömmliche Fahrzeuge in China mit regionalen Zulassungs- oder Nutzungseinschränkungen belegt sind, unterliegen Elektroautos derzeit keinen Beschränkungen.

Dass die Elektromobilität nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zeigt auch die Tatsache, dass man sich noch nicht bewusst ist, welche Probleme bei einer großflächigen Verbreitung von Elektroautos im Bereich des Strombedarfs noch auf die Menschen zukommen. Bleibt zum Beispiel China bei seinem Strommix, bei dem derzeit die Elektroautos hochgerechnet pro Kilometer zwischen 140 und 180 g CO2 ausstoßen, dann hätte man mit diesen Autos eine wesentlich schlechtere Energiebilanz als mit den meisten derzeit erhältlichen Autos mit Verbrennungsmotor.

Manche Verfechter der E-Mobilität argumentieren zwar mit der Knappheit der Erdölreserven, aber auch die Vorräte der Metalle der Seltenen Erden, die zur Herstellung von Akkus benötigt werden, sind enden wollend, und vor allem hauptsächlich nur in China vorhanden, womit auch hier eine Abhängigkeit vom Reich der Mitte entsteht. Es bleibt also auch trotz dem Bekenntnis zu alternativen Antriebsquellen die Frage, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird und somit genug Gesprächsstoff für das 33. Internationale Wiener Motorensymposium.

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