Neue Technik: Mehr Rückschritt als Fortschritt?

Kommentar. Die Entwicklung geht in der Autoindustrie rasant voran, manchmal bedeuten neue Funktionen aber leider auch einen Rückschritt und keinen Fortschritt, wie wir meinen.

Der technische Fortschritt zählt wohl zu den größten Errungenschaften unserer Zeit. Seit Henry Ford die Fließbandfertigung des Autos erfunden hat, ist viel Zeit vergangen, und die Hersteller haben seither immer versucht, das Auto so optimal wie möglich weiter zu entwickeln.

Viele technische Highlights sind seit damals in den Automobilbau eingeflossen und haben das Leben des Autofahrers nicht nur sicherer, sondern auch einfacher gemacht.

Leider müssen wir in letzter Zeit aber bei unseren Tests immer mehr feststellen, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die Techniker über das Ziel hinausgeschossen haben.

Nicht alles was technisch möglich ist, macht nämlich auch Sinn. In erster Linie sollte die Technik Abläufe vereinfachen, schneller und bequemer machen. Man sollte sich also bei jeder Entwicklung die Frage stellen, ob die neue Funktionen auch tatsächlich etwas vereinfachen, schneller und bequemer machen.

Viele Hersteller stellen sich diese Fragen jedoch nicht und verbauen neue Features in Autos, die das Leben nur komplizierter, langsamer und gefährlicher machen.

Anhand von nur zwei Beispielen möchten wir aufzeigen, wie kompliziert nun Dinge sind, die früher so simpel und schnell waren.

Seit vielen Jahrzehnten gibt es in den Autos einen Tageskilometerzähler, den viele Menschen auch regelmäßig nutzen. Manche Hersteller hatten sogar schon in den 1980er-Jahren zwei Tageskilometerzähler an Bord, um auch hier mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Um den Tageskilometerzähler zurückzusetzen, reichte früher ein einfacher Druck auf eine Taste oder einen Knopf, und die Aufgabe war in rund 0,3 Sekunden erledigt. Dann sind Bordcomputer modern geworden, und der Tageskilometerzähler musste über diese resettet werden. Ein bisschen komplizierter, aber immer noch O.K. – Viele neue Autos haben diese Funktion jetzt aber nur noch über den Touchscreen aufrufbar, wie etwa auch der brandneue VW ID.7 .

Hier muss man jetzt als erstes alle Apps aufrufen, dann auf „Fahrzeug“ klicken, dann auf „Innen“ klicken, dann auf „Cockpit“ klicken und erst dann kann man die Fahrdaten zurücksetzen.

Eine Aufgabe, die früher in 0,3 Sekunden erledigt war, benötigt jetzt gut 10 Mal so lange. Zumindest wird diese Funktion nicht notwendigerweise während der Fahrt benötigt, womit das Ganze ja zumindest noch nicht auf die Sicherheit Einfluss nimmt.

Anders verhält es sich nämlich bei der Verstellung des Luftstroms der Lüftungsdüsen. Bislang konnte man diese nämlich ebenfalls völlig intuitiv während der Fahrt mit nur einem Handgriff verstellen und musste dafür nicht einmal den Blick von der Fahrbahn neigen.

In einigen neuen Autos, wie eben auch im VW ID.7, ist dies aber nicht mehr so einfach möglich. Man muss über den Touchscreen das Klima-Menü aufrufen und kann erst dort den Luftstrom via Fingertipp auf den jeweiligen Auslass verändern.

Dies lenkt drastisch vom Verkehrsgeschehen ab, und es stellt sich damit wirklich die Frage: Wo bitte ist hier der Fortschritt zu finden?

Es zeigen diese zwei Beispiele leider sehr deutlich, dass nicht jeder Firlefanz im täglichen Leben auch eine Erleichterung bringt, sondern ganz im Gegenteil früher simpel gelöste Dinge nur unnötig verkompliziert.

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber zumindest vieles noch einfacher und auch reparaturfreundlicher als heute. Fällt der Touchscreen aus, geht in einem modernen Auto gar nichts mehr, nicht mal mehr der Luftstrom der Lüftungsdüsen kann verstellt werden.

Für uns eindeutig ein Rückschritt und kein Fortschritt!