Beim Gebrauchtwagen-Kauf viele Fragen stellen

Autohändler müssen nicht alle Details von sich aus verraten

"Wer fragt, steigt besser aus", rät der ARBÖ beim Kauf von Gebrauchtwagen. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH) vom 11.11.2004 (2Ob254/04y) müssen Händler die Käufer eines Gebrauchtwagens nicht von sich aus darüber informieren, dass das Fahrzeug vorher als  Fahrschulauto eingesetzt war. Nur wenn die Käufer gezielt nach den Vorbesitzern fragen, sind die Händler zur Auskunft verpflichtet.

Der Fall: Ein Konsument kaufte einen zwei Jahre alten PKW. Beim Verkaufsgespräch wurde die Frage des Vorbesitzers nicht angesprochen. Bei einem Ankaufstest, der leider erst eine Wochen NACH dem Kauf erfolgte, wurden einige Mängel festgestellt: Flüssigkeitsverlust, verschmutzter Luftfilter, ungleiche Stoßdämpfer und Schwitzen beim Motoröl. Der Konsument klagte und berief sich dabei vor allem darauf, dass er keinen Hinweis auf die Tatsache erhalten hatte, dass es sich um ein Fahrschulauto handelte.

Der OGH weist in seinem Urteil darauf hin, dass Händler nicht dazu verpflichtet sind, von sich aus über alle Umstände aufzuklären, die Einfluss auf die Entscheidung des Käufers haben können. Einschränkung: Den Händler trifft keine Aufklärungspflicht, solange die Abnützung nicht "über die Beanspruchung anderer Fahrzeuge hinausgeht". Nur wenn der Kunde ausdrücklich danach fragt, müsse eine entsprechende Auflärung erfolgen. Im gegenständlichen Fall waren die Mängel am PKW nach Ansicht des OGH nicht ungewöhnlich.

Der ARBÖ rät allen Käufern von Gebrauchtwagen dringend, sich VOR dem Kauf einen Ankaufstest durchführen zu lassen . Für ihre Mitglieder führen die Autofahrerclubs solche Ankaufstests für rund 50 Euro (für PKW) durch. Die dabei entdeckten Mängel helfen den Käufern, entweder auf den Kauf zu verzichten oder einen günstigern Kaufpreis zu erzielen. Das Geld für einen Ankaufstest ist somit gut investiert.

ARBÖ-Tipps für den Kauf eines Gebrauchtwagen:

  • Unbedingt Zeit lassen und Angebote bei verschiedenen Verkäufern prüfen. Vorher überlegen, welcher Betrag für das gesuchte Auto ausgegeben werden kann und welche Fahrzeugtypen in Fragen kommen. Nicht vom Verkäufer durch den Hinweis auf andere Interessenten zu einem voreiligen Kaufabschluss verleiten lassen.
  • Beim Kauf des Wagens von einer Privatperson unbedingt einen schriftlichen Kaufvertrag (allerdings keinen x-beliebigen!) abschließen, zum Beispiel einen Musterkaufvertrag (erhältlich beim ARBÖ).
  • Suchen Sie "Ihr Fahrzeug" bei jenen Händlern, die das Zeichen "Automobilfachhändler" führen und die den neuen Musterkaufvertrag verwenden. In diesem ist der Anspruch auf einen Ankaufstest beschrieben, denn dann haben Sie zusätzlich die Sicherheit, dass sich dieser Händler bei Schwierigkeiten dem Schiedsspruch der zuständigen Innung unterwerfen wird.
  • Besonders kritisch sollten Sie bei Fahrzeugen mit Einzelgenehmigung sein. Überprüfen Sie, ob das Fahrzeug nicht als Gebrauchtwagen importiert wurde und daher älter ist, als es dem Datum der Erstzulassung in Österreich entsprechen würde.
  • Ist der Verkäufer nicht bereit, das Fahrzeug einem Ankaufstest zu unterziehen, so ist Vorsicht geboten! Möglicherweise hat das Fahrzeug Mängel, die nur ein Fachmann erkennen kann. Darauf bestehen, die Fahrzeugpapiere (Typenschein bzw. Einzelgenehmigung) vor Vertragsabschluß überprüfen zu dürfen. Das Datum der Erstzulassung und die Zahl der Vorbesitzer lässt sich damit kontrollieren.
  • Für die Anmeldung eines Gebrauchtwagens ist auch das letzte Gutachten über die Pickerl-Überprüfung (Wiederkehrende Begutachtung nach § 57a Kraftfahrgesetz) notwendig. Damit hat der Gebrauchtwagenkäufer jedoch keinen dauerhaften Zustandsbericht des Fahrzeuges in Händen. Beispielsweise könnten zwischenzeitlich die Reifen getauscht worden sein.

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