Verkehrsunfall : Opfer künftig finanziell besser gestellt

Mindestdeckungssumme für KFZ-Haftpflichtversicherung wird mit 1. Juni erhöht

Heute, Montag, endet die Begutachtungsfrist zur Umsetzung der 5. EU-Kfz-Haftpflichtversicherungs-Richtlinie. Damit werden ab 1. Juni 2007 in Österreich für alle Kfz-Haftpflichtversicherungs-Verträge die gesetzlichen Mindestdeckungssummen erhöht : Von derzeit drei Millionen auf fünf Millionen Euro für Personen- und eine Million Euro für Sachschäden . "Das bringt eine wesentliche Verbesserung für Opfer von Verkehrsunfällen", sagt ÖAMTC-Juristin Verena Hirtler. Ziel des Clubs ist es, eine gesetzliche Mindestdeckung von zumindest zehn Millionen Euro zu erreichen. Was zunächst nach riesigen Summen klingt, kann nach Großschäden oder Massenunfällen, wie z.B. dem Tauern Tunnel-Inferno, rasch erschöpft sein. "Eine Million Euro sind bei derartigen Mega-Ereignissen für Sachschäden schnell verbraucht. Schwerstverletzte Unfallopfer benötigen oft eine lebenslange Dauerpflege - das kann im Monat bis zu 50.000 Euro kosten. Bei einem jungen Verkehrsopfer sind die fünf Millionen Euro spätestens nach zehn Jahren erschöpft. Daher fordert der Club eine Anhebung der Mindestdeckung auf mindestens zehn Millionen Euro. Aber auch für den Unfallverursacher ist es wichtig, das Risiko zu minimieren, mit dem eigenen Vermögen für Schäden zu haften", sagt die ÖAMTC-Juristin.

Die vom ÖAMTC geforderte Pauschalsumme von zumindest zehn Millionen Euro würde Österreich an den nord- und westeuropäischen Standard heranbringen. So betragen die Mindestdeckungssummen z.B. in Dänemark rund 15 Millionen Euro, in Schweden 32 Millionen Euro. Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland und Norwegen haben hinsichtlich der Personenschäden unlimitierte Summen vorgesehen. In Belgien und Luxemburg ist generell für Personen- und Sachschäden ein unbegrenzter Versicherungsschutz garantiert. Durch die EU-Richtlinie müssen auch in Ländern mit derzeit niedrigerem Standard (insbesondere in den neuen östlichen EU-Mitgliedstaaten) ab 2012 zumindest sechs Millionen Euro gelten.

Die Befürchtung, dass durch höhere Versicherungsdeckungssummen auch die Prämien steigen könnten , ist laut Club-Experten unbegründet. "Maximal zehn Fälle pro Jahr übersteigen die derzeitigen Deckungssummen von drei Millionen Euro", weiß die ÖAMTC-Juristin.

Verbesserung für Opfer nach Unfällen mit Fahrerflucht

Nach Unfällen mit Fahrerflucht werden Sachschäden künftig zumindest dann ersetzt, wenn auch Personen schwer verletzt oder getötet worden sind. "Ein Selbstbehalt bleibt aber", erläutert Hirtler. Bei Parkschäden jedoch, wo sich der Verursacher aus dem Staub gemacht hat, wird es auch künftig keinen Schadenersatz von der Versicherung geben. "Wegen möglichem Versicherungsbetrug werden solche Schäden nach wie vor nicht bezahlt", sagt die Club-Juristin.

Die dritte wichtige Neuerung betrifft Unfälle mit Kraftfahrzeugen, die keiner Versicherungspflicht unterliegen , nämlich landwirtschaftliche Fahrzeuge wie z.B. Erntemaschinen oder auch Gabelstapler auf Firmengeländen. Während Unfallopfer bisher oft leer ausgingen sind, werden solche Schäden künftig vom Garantiefonds , in den alle Versicherungsgesellschaften einzahlen, ersetzt.

Quelle: ÖAMTC

Kommentare

Markenwelt