Strom aus Windenergie wird bei Audi zum umweltfreundlichen e-Gas

Seitdem sich alles ums Elektroauto und Strom dreht, der aus der Steckdose kommt, mischt sich in die E-Debatte mancher Vorbehalt.

Die umweltfreundliche Antriebsenergie Strom muss schließlich erst einmal gewonnen werden. Und wenn an irgendeiner Stelle der Stromerzeugung CO2 entsteht, sind von der gepriesenen Emissionsfreiheit des Elektroantriebs ehrlicherweise Abstriche zu machen. Hinzu kommt, dass auch die Reichweite von E-Autos, die begrenzte Speicherkapazität ihrer Batterien, bislang nicht überzeugen kann. Je mehr Verbraucher an Bord mit Strom betrieben werden sollen oder müssen, desto mehr schrumpft die Reichweite solcher Fahrzeuge.

Solche Erkenntnis erklärt, dass nach Lösungen gesucht wird, wie emissionsfreie Automobilität ohne jede Schattenseite aussehen könnte. Mehr noch: Die Automobilbranche wehrt sich letztlich auch dagegen, dass die Elektromobilität den Verbrennungsmotor aufs Abstellgleis schiebt. Bislang schien es eine Illusion zu sein, dass selbst ein hocheffizienter, in vielen Jahrzehnten technisch gereifter Hightech-Motor ganz ohne CO2-Emissionen auskommt. Das war gestern. Das Blatt hat sich gewendet. Zugunsten des Verbrennungsmotors.

Audi hat zusammen mit dem intensiv forschenden Fraunhofer Institut einen Weg gefunden, wie sich erreichen lässt, dass Autos mit Benzinmotoren zu wahren Saubermännern werden, indem nicht nur sie kein Gramm CO2 emittieren, sondern auch bei der Herstellung ihres speziellen Kraftstoffes kein CO2 entsteht. Und das geht so: Ausgangspunkt dieses erfreulichen Versprechens ist der Wind. Mithilfe der von Windkraftanlagen erzeugten regenerativen Energie spaltet eine Elektrolyse-Anlage zunächst Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff.

Dann wird der Wasserstoff (der sich auch für die Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen nutzen lässt) in einer sogenannten Methanisierungsanlage durch die Reaktion mit Kohlendioxid zu Methan, sprich künstlichem Erdgas. Audi spricht von e-Gas, eine Anspielung auf die e-Modelle der Marke. Solches e-Gas kann ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden. Von ihm können auch CNG-Tankstellen Gebrauch machen (CNG = Compressed Natural Gas).

Auch den in der Herstellungskette von e-Gas benötigten Strom, etwa für den Antrieb von Kompressoren, liefert der Wind. Dieser Tage stellte Audi bei einem internationalen Workshop für Journalisten in Hamburg das Projekt vor. Das Leitmotiv: "Audi balanced mobility". Anhand einer mobilen Pilotanlage im Kleinformat wurden in der Umweltstadt die Herstellungskette von e-Gas und das Betanken eines Audi A3 TCNG demonstriert. Audis Schlussfolgerung: "Der steigende Anteil von e-Gas fördert klimafreundliche Langsteckenmobilität."

Jetzt beteiligt sich Audi am Bau von Offshore-Windrädern in der Nordsee, die Ökostrom erzeugen, der in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Mit Ökostrom will Audi auch seine künftigen elektrisch fahrenden e-tron-Modelle produzieren und auch betreiben.

In Pressetexten, die den Workshop in Hamburg begleiteten, hieß es, Audi wolle "in der Automobilindustrie die Führungsrolle beim nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen übernehmen". Unter dem Begriff "Audi balanced mobility" richte das Unternehmen seine Aktivitäten auf die ganzheitliche CO2-neutrale Mobilität. Ein zentraler Baustein dieser Initiative sei das "Audi e-Gas-Projekt." Mit ihm setze die Marke einen Meilenstein, von dem auch die Energiewirtschaft und die Gesellschaft profitieren können.

"Die CO2-neutrale Mobilität ist unser Ziel", wird Audi-Chef Rupert Stadler zitiert. "Auf dem Weg dorthin nutzen wir konsequent sauberen Strom. Wir produzieren klimafreundliche Kraftstoffe und prägen eine neue Haltung, für die unser ganzes Unternehmen steht. Das ist das Ziel von Audi balanced mobility."

auto-reporter.net/Wolfram Riedel

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