Neuer 5er BMW - Fahrbericht

Der neue 5er BMW gefällt mit fescher Optik, hochwertiger Verarbeitung und sparsamen Motoren und ist sich auch für die Rennstrecke nicht zu schade.

Am 20. März 2010 rollt die bereits 6. Generation des 5er BMW zu den Händlern, die Business-Limousine ist eine bayerische Erfolgsgeschichte. Seit dem ersten, 1972 eingeführten 5er BMW haben nicht weniger als 5,5 Millionen Einheiten die Werkshallen verlassen, dementsprechend hoch lag die Latte für Nummer sechs. Wir hatte bereits vor der Markteinführung die Gelegenheit, dem neuen 5er auf den Zahn zu fühlen.

Die Optik überzeugt auf Anhieb. Die markentypische Niere ist dezenter als beim 7er, das Heck harmonischer als beim 5er GT. Vier Zentimeter ist die 6. Generation im Vergleich zum Vorgänger gewachsen, der Radstand hat sogar um acht Zentimeter zugelegt. Wer daraus schließt, dass auch der traditionell knapp geschnittene Fond gewachsen ist, der wird enttäuscht. Die Beinfreiheit in Reihe zwei ist weiter alles andere als üppig. Da die meisten 5er aber ohnedies vermutlich mit maximal zwei Personen besetzt sind, stand dies vermutlich auf dem Lastenheft der Entwickler nicht weit oben. Wer die Fahrt im Fond richtig genießen möchte, der kann ja nun immerhin zum 5er GranTurismo greifen, dort geht’s luftiger zu als im 7er. Falls Sie ein der deutschen Sprache mächtiger Leser aus China sein sollten, haben Sie noch eine Option. Dort wird der 5er auch als Chauffeurstaugliche Langversion angeboten. Interessant: Mit 520 Litern Kofferraumvolumen schlägt der 5er den 7er um 20 Liter. Doch zurück zur Limousine. Das Interieur kennt man in den Grundzügen aus besagtem 5er GT und dem 7er. Das edle Finish bis ins Detail erfreut das Auge, die hochwertigen Materialien warten mit einer Haptik auf, die man auch in der Luxusklasse findet.

In Sachen Bedienkonzept musste BMW vor Jahren einige Schelte für das iDrive einstecken, mittlerweile ist es aber ausgereift und nahezu perfekt, die Bedienung schlägt sowohl jene von Mercedes als auch Audi. Die elektronischen Helferlein hat man sich vom 7er geholt. So stehen im 5er - gegen Aufpreis - ab sofort auch Features wie das Nachtsichtgerät "Night Vision", ein adaptiver Tempomat mit Stop & Go Funktion sowie ein Parkassistent zur Verfügung. Dinge wie ein Fernlichtassistent, Spurwechsel- und Spurverlassenswarnung bis hin zum Internet-Zugang sowie Telematik-Services im Rahmen von BMW Assist dürfen natürlich nicht fehlen.

Bei all den aktiven und passiven Aufpassern, gefahren wird der 5er BMW aber immer noch vom Menschen. Und das ist auch gut so. Schließlich käme man sonst um den Genuss des sportivsten Fahrwerks in der Klasse. Wir haben einige schnelle Runden auf der ehemaligen F1-Rennstrecke von Estoril gedreht, das Ergebnis überzeugt. Der 5er fährt sich beinahe so agil wie ein Dreier. Und dass BMW vollstes Vertrauen in seine Produkte hat, bewies der Umstand, dass wir nicht - wie bei einigen anderen Herstellern üblich - mit speziell für die Rennstrecke präparierten und mit Rennreifen bestückten Autos auf die Piste durften, sondern einfach mit jenem Auto, mit dem man auch zur Rennstrecke gefahren ist. Bremsen und Reifen hatten auch bei forcierter Gangart keinerlei Probleme. Der 530d mit nunmehr 245 PS unter der Haube gab eine ebenso ordentliche Figur ab wie der mit Doppelturbo-Sechszylinder bestückte 535i und 306 PS. Je nach Lust und Laune lässt sich der 5er auf die Bedürfnisse des Fahrers anpassen. Vom eleganten Komfort-Modus über die normale Gangart bis hin zu Sport+, wo sogar leichte Drifts erlaubt sind ehe das ESP eingreift.

Wer die ohnedies schon hervorragende Fahrdynamik weiter optimieren möchte, der sollte zur Integral-Aktivlenkung - auch ein Feature aus dem 7er - greifen. Dabei lenken die Hinterräder mit, bis 60 km/h gegengleich, was zum Beispiel im Stadtverkehr zu mehr Agilität verhilft. Bei höheren Geschwindigkeiten erfolgt der Lenkeinschlag der Hinterräder dann parallel zu jenem der Vorderräder, Spurwechsel auf der Autobahn sind somit noch harmonischer. Die optionale Achtgang-Automatik - serienmäßig gibt’s sechs manuelle Gänge - arbeitet dezent im Hintergrund und sorgt dafür, dass blitzschnell der optimale Gang eingelegt wird. Die Fahrleistungen können sich sehen lassen. Der neue Basisbenziner 523i mit 204 PS benötigt für den Standard-Sprint auf 100 km/h 7,9 Sekunden, beim 520d mit nunmehr 184 PS sind es 8,1 Sekunden. Das Topmodell 550i mit acht Zylindern und 407 PS erreicht 100 km/h nach nur 5,0 Sekunden. Viel flotter wird wohl auch der mit Sicherheit kommende M5 nicht mehr sein können. Bei all der Power hat sich BMW aber auch Gedanken um die Senkung des Verbrauchs und damit der Emissionen gemacht. Die "Efficient Dynamics" Maßnahmen (u.a. Start/Stopp-Automatik, Bremsenergie-Rückgewinnung) greifen auch beim neuen 5er. So wird sich der ab Mitte des Jahres folgende 520d mit fünf Litern auf 100 Kilometern begnügen. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von lediglich 132g/km und markiert den Bestwert in dieser Fahrzeugklasse.

Abschließend noch ein Blick auf die Preise. Mit 44.100 Euro ist der 520d nicht nur der sparsamste sondern zugleich auch günstigste 5er der 6. Generation. Bei den Benzinern beginnt der Einstieg mit dem 523i bei 46.500 Euro, der Automatik-Aufschlag liegt bei rund 2.500 Euro. Für rund 3.200 Euro gibt’s das obligate Österreich-Paket mit Skisack, Durchlademöglichkeit, Park-Distance-Control, Xenon-Scheinwerfern, Klimaautomatik und USB-Audio-Schnittstelle.

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