BMW 5er Touring - Fahrbericht

Der neue 5er Touring zeigt sich bei der ersten Ausfahrt nicht nur fesch, sondern auch praktisch, agil und besonders sparsam im Verbrauch.

Bereits Anfang der 70er Jahre experimentierte BMW mit praktischen Touring-Modellen. Allerdings würde man heute unter den damaligen Modellen touring 1600, touring 1800 und touring 2000 eher Shooting-Breaks verstehen, hatte der Urvater aller Münchner Kombis doch lediglich zwei Türen. Und auch der Verkaufserfolg hielt sich in Grenzen, in nur vierjähriger Bauzeit liefen nur knapp 26.000 Exemplare vom Band. Bis zum Jahr 1988 war das Thema Touring auf Eis gelegt, dann stellten die Bayern erstmals eine Kombi-Version des 3er BMW vor, der Beginn einer Erfolgsstory. Die logische Folge war, auch der dritten Generation des 5er Ende 1991 ein Kombimodell zur Seite zu stellen, mit dem neuen Modell ist man bei der mittlerweile vierten 5er-Touring-Generation angelangt.

Wir hatte bereits die Möglichkeit, dem praktischen Kombi-Derivat der erfolgreich gestarteten Limousine bei einer ersten Testfahrt auf den Zahn zu fühlen. Bis zur B-Säule ist der Touring mit der Limousine ident, auch der Radstand ist exakt gleich. Die Designer haben jedenfalls ganze Arbeit geleistet, nie war der 5er Touring schöner und dynamischer. Zwar schwingt bei einem BMW immer auch der Lifestyle-Gedanke mit, der 5er zeigt aber eindrucksvoll, dass man dabei auf Praxisnutzen keinesfalls verzichten muss. Zwischen 560 und 1.670 Liter fasst der Laderaum, durchaus beeindruckende Werte. Für besondere Flexibilität und zugleich eine Alleinstellung im Segment hat man der klassischen 60:40 Teilung der Fond-Sitzlehnen den Rücken zugekehrt und zu einer dreigeteilten Variante im Verhältnis 40:20:40 gewechselt.

Somit können auch dann noch vier Personen befördert werden, wenn in der mittleren Durchladeluke Dinge wie ein Snowboard oder ein Surfbrett transportiert werden. Seit dem ersten 5er Touring ist die separat zu öffnende Heckscheibe fixer Bestandteil. Im neuen Modell fährt nun gleichzeitig die Laderaumabdeckung nach oben - beim Schließen des Fensters bzw. der Heckklappe auch wieder nach unten - und erlaubt eine einfache Beladung bei geschlossener Heckklappe. Mit einer speziellen Halterung lassen sich sogar zwei Mountainbikes mit abgenommenem Vorderrad im 5er Touring transportieren. Im Anschauungsobjekt haben die beiden BMW-Räder den vorhandenen Platz nahezu perfekt ausgenutzt, ob das auch für Räder anderer Marken gilt, bleibt abzuwarten. Der Innenraum ist aus der Limousine bekannt und überzeugt auch beim Touring mit hervorragender Verarbeitungsqualität und besonders edlem Finish.

Dem Dreiliter-Turbodiesel konnten wir im Test der 530d Limousine bereits ausgiebig auf den Zahn fühlen, im Touring sammelten wir nun erste Kilometer mit dem Basisdiesel 520d. Dabei muss man beim im oberösterreichischen Steyr entwickelten und gebauten Selbstzünder auf so gut wie nichts verzichten, im Gegenteil. Der Vierzylinder leistet mittlerweile 184 PS und liegt damit fast exakt auf dem Leistungsniveau der im Vorvorgänger erstmals vorgstellten Dreiliter-Sechszylinder Diesel. Das Drehmoment von 380 Nm muss sich ebenso wenig verstecken wie die Beschleunigung in nur 8,3 Sekunden auf 100 km/h. Mehr Leistung braucht in Wahrheit kein Mensch, der Einstiegsdiesel macht den 530d eigentlich überflüssig.

Beim Verbrauch weiß der Vierzylinder ebenfalls zu überraschen, die Werksangabe liegt bei 5,1 Litern auf 100 km und 135g CO2 / km. Bei unserer Ausfahrt wies der Bordcomputer Werte zwischen 6,5 und sieben Litern aus, absolut beachtlich. Der handgeschaltete 520d ist übrigens mit Start-/Stopp-Automatik ausgerüstet, bei den Modellen mit Automatikgetriebe ist diese Technik noch nicht verfügbar. Fahrdynamisch liegt der Touring auf dem Level der Limousine, knackig abgestimmt ohne jemals wirklich hart zu den Bandscheiben der Insassen zu sein - im 5er fühlt man sich auf der kurvigen Landstraße ebenso zuhause wie auf der Autobahn. Optional stehen Features wie eine Sportautomatik, dynamische Dämpfercontrol oder Integral-Aktivlenkung für eine nochmals erhöhte Fahrdynamik zur Verfügung.

Bei all den positiven Eindrücken, einen Haken gibt’s dennoch und den offenbart der Blick in die Preisliste. Mit einem Einstiegspreis von 46.950 Euro ist der neue 5er Touring alles andere als ein Sonderangebot. Und wer sich das ein oder andere Extra in der langen Optionsliste gönnt, der durchbricht die 50.000 Euro Schallmauer in Windeseile. Aber da steht der Bayer seinen Konkurrenten mit vier Ringen oder dem Stern ja um nichts nach.

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