Fahrbericht: BMW X1 und 7er auf Eis und Schnee

BMW feiert 2015 ein Jubiläum, nämlich 35 Jahre Allradantrieb. Ob sich der X1 und der 7er tatsächlich souverän am weißen Untergrund bewegen lassen? Wir sagen nur: Let it snow!

Wir schreiben das Jahr 1985. Nur fünf Jahre nach dem Pionier aus Ingolstadt bringt BMW den ersten allradgetriebenen Dreier 325iX auf den Markt. Heute, 2015, gibt es nur mehr eine Modellreihe - abgesehen von den Motorrädern -, die ausschließlich mit Hinterradantrieb angeboten wird, nämlich der Z4. Alle anderen Limousinen werden auf Wunsch mit dem von BMW so genannten X-Drive Antrieb angeboten. Dass dies auch für die SUV’s gilt, versteht sich fast von selbst. Heute werden fast 60% aller verkauften Bayern mit X-Drive in Österreich gekauft. Der Vierradantrieb ist hier nicht mehr wegzudenken. Wir waren mit den beiden neuesten Modellen, dem feschen X1 und der Technologie-Ikone 7er, im tirolerischen Sölden auf Eis und Schnee unterwegs.

Das kleinste Modell der SUV-Familie ist der X1. In seiner zweiten Generation hat der Premium-Kompakt-SUV noch deutlicher das Gesicht seiner Familienmitglieder übernommen. Wirklich hübsch und kräftig steht der "Kleine" da, kann seinen Vorgänger nicht verleugnen, weiß allerdings durch diverse Retuschen vor allem an der vorderen Front, aber auch im Heckbereich durchaus zu gefallen.

Als Testmodell stand uns der BMW X1 xDrive20d zu Verfügung. Der Zweiliter ist mit 190 Dieselpferdchen sehr gut motorisiert und mit seinem serienmäßigen Vierradantrieb perfekt vorbereitet für eine Fahrt durch den Schnee. Mit voll eingeschaltetem Stabilitätsprogramm DSC ist man auf jeden Fall sicher unterwegs.

Auf Eis und Schnee wird die Motorleistung entsprechend gedrosselt, um immer eine maximale Traktion auf die vier Räder zu bekommen. Der Schlupf wird so auf ein Minimum reduziert, und auch die Seitenführung der Reifen ist dementsprechend gut. Wer etwas mehr Schlupf benötigt, schaltet das DSC-System mittels kurzem Knopfdruck in die mittlere Stellung.

Hier ist schon einiges mehr an Dynamik möglich, das Heck geht bedingt etwas mehr quer, aber die Elektronik ist noch immer aktiv und greift ab einem gewissen Punkt helfend ein. Wer länger als drei Sekunden auf den DSC Knopf drückt, kann die elektronischen Helferlein ganz deaktivieren. Dies sollte aber nur der geübte Fahrer versuchen. Das Allradsystem von BMW ist hecklastig ausgelegt, so wie sich das für eine Sport-Premiummarke gehört.

Wir haben den X1 xDrive 20d auch bei trockenen Straßenverhältnissen schon ausführlich getestet. Hier finden Sie den Testbericht .

Unser zweiter Testproband war das Limousinenflaggschiff der deutschen Marke, der 7er. Er befindet sich mittlerweile in seiner siebenten Generation, der erste 7er wurde 1977 vorgestellt. Der BMW 7er zeigt, was alles im Bereich des Automobilbaus möglich ist. Erstmals wurde zum Beispiel Kohlefaser als Karosseriekomponente eingesetzt. Dieser Werkstoff trägt maßgeblich zur Gewichtsreduzierung bei. Gleichzeitig wurde die Steifigkeit der Karosserie um ein Wesentliches erhöht und dementsprechend der Fahrspaß um ein Vielfaches verbessert.

Neu ist auch unter anderen die Gestensteuerung. Nun kann zum Beispiel durch einfaches Rotieren mit dem Zeigefinger im Uhrzeigersinn die Lautstärke der Audioanlage lauter, entgegen dem Uhrzeigersinn diese wiederum leiser gedreht werden.

Neben der Anzeige der wichtigsten Fahrzeugdaten im Fahrzeugschlüssel kann auch etwa die Standheizung per Knopfdruck aktiviert/deaktiviert werden. Auch das Hin- und Herrangieren des Fahrzeuges, ohne dass sich ein Fahrer im Fahrzeug befindet (!), wird mittels Fernbedienung in Kürze auf Wunsch möglich sein.

Eine Luftfederung, der mehrstufige Fahrerlebnisschalter und eine automatische Heckklappenbetätigung gehören bei den Deutschen schon fast zum guten Ton.

Im ersten Praxistest mit dem 750i xDrive weiß der Antrieb die fast zwei Tonnen durchaus agil zu bewegen. Einen maßgeblichen Teil trägt die Allradlenkung bei. Man meint fast, man sitzt in einem 3er mit etwas breiterem und luxuriöserem Interieur. Doch auch auf Schnee und Eis zeigt sich die Großraumlimousine sehr wendig und gut zu kontrollieren.

Interessant ist, dass man durch die Parkbremse bei winterlichsten Fahrverhältnissen durchaus eine bessere Bremswirkung erzielt. Die relativ einfache Erklärung dazu: Die elektronische Feststellbremse (diese kann man auch während der Fahrt betätigen) überträgt etwa 50% der Bremsleistung an alle Räder. Bei trockener und regennasser Fahrbahn durchaus ein Nachteil, stellt sich die Handbremse bei Schnee und Eis als die deutlich effektiver heraus.

Was man bei normaler Fahrbahn in Anbetracht von Fahrzeugsgröße und -gewicht als agil empfindet, kann man direkt auf die Schneefahrbahn übernehmen. Der Luxusdampfer lenkt präzise wie ein Schweizer Uhrwerk ein und zirkelt wunderschön um die Ecke. Natürlich sind die elektronischen Helferlein stets zur Stelle und greifen, wenn notwendig, bremsend in die Fahrdynamik ein. Wie schon vorher beim X1 lässt der Druck auf den DSC Knopf mehr Unter- und Übersteuern zu, und die Charakteristik verändert sich schon eher Richtung "Funfactor".

Schaltet man das DSC komplett weg, fährt der BMW, wenn erwünscht, im Kreise herum - fast wie ein Ringelspiel. Auch wenn wahrscheinlich keiner der Käufer diese Stufe selbst ausprobiert, es ist doch schön zu wissen, dass man könnte wenn man wollte, oder?

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