Ausfahrt mit dem Bentley Continental Supersports

Unterwegs im schnellsten Bentley aller Zeiten: 630 PS, 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Bio-Ethanol-tauglich und somit sogar ein bisserl grün.

Nicht weniger als 85 Jahre ist es her, dass erstmals ein Bentley mit dem Namen Supersports auf die Straßen rollte. Stattliche 85 PS waren eine Ansage, zu einer Zeit, wo es die meisten Autos noch auf keine 20 Pferdestärken brachten. Und so ist es auch kein Wunder, dass auch der Urenkel mit beeindruckenden Daten aufwarten kann. 630 PS und ein Drehmoment von unglaublichen 800 Nm sind die Eckdaten des doppelt aufgeladenen W12-Aggregates. Gegenüber dem alles andere als langweiligen Bentley Continental Speed ist das zwar ein Leistungszuwachs von nur 20 PS, allerdings hat der Supersports zusätzlich 110 kg abgespeckt. Das ergibt ein nochmals besseres Leistungsgewicht und Beschleunigungswerte, die einem schon beim Studieren des Datenblattes Freudentränen in die Augen treiben.

Der Klassiker von 0 auf 100 km/h ist nach 3,9 Sekunden Geschichte! Bitte nicht vergessen, der Supersports hat zwar eine Weight-Watchers-Kur hinter sich, bringt aber immer noch stramme 2.240 kg auf die Waage. Um die schier unbändige Kraft auch auf die Straße zu bringen, verrichtet der Allradantrieb serienmäßig seinen Dienst. Zu 60 Prozent hecklastig orientiert, schließlich soll der Fahrspaß nicht zu kurz kommen. ZF hat die Automatik für den Supersports überarbeitet und die Schaltzeiten des 6-Gang-Getriebes noch einmal halbiert. Zudem lässt sich beim manuellen Herunterschalten mit den Schaltwippen auch ein Gang überspringen, untermalt vom tiefen Grollen des Zwölfenders.

Unsere Testroute führte unter anderem über klassische Motorrad-Strecken wie die Kalte Kuchl. Der Fahrspaß war beeindruckend, der Bentley liegt unglaublich satt auf der Straße und vermittelt bei forcierter Gangart echtes Sportwagenfeeling, woran auch die direktere Lenkung ihren Anteil hat. Und trotzdem muss man nicht auf den Bentley-typischen Komfort verzichten, knallhart wird der Brite zu seinen maximal zwei Insassen nie. Die Rücksitzbank - Sie haben es bereits geahnt - zählt zu den 110 Kilogramm Ballast die abgeworfen wurden. Überraschend: Auch die elektrische Sitzverstellung musste dran glauben. Die Sitze selbst stammen aus dem Bugatti Veyron und sind aus Karbon, womit wieder ein paar Kilogramm eingespart wären.

Genau genommen hätte man das Navigations-System auch gleich weglassen können. Denn die Grafik ist von gestern, die Bedienung von vorgestern, das kann der "etwas" günstigere Konzernbestseller VW Golf deutlich besser… Apropos günstig. Davon kann bei einem Bentley nie die Rede sein, beim schnellsten aller Zeiten schon gar nicht. Der Grundpreis liegt bei 196.149,43 Euro, netto. Nachdem das Finanzamt seinen Teil zum Kaufpreis addiert hat, muss man 279.880 Euro (Cabrio 294.880 Euro) auf den Tisch des Händlers legen. Doch damit nicht genug. In der Preisliste finden sich Extras wie eine Satin-Lackierung für schlappe 27.400 Euro, ein Premium-Audio-System für 8.200 Euro oder die Option auf vier Sitze zurückzubauen - für 6.100 Euro.

Serienmäßig sind indes die Keramikbremsen im Ausmaß einer Servierplatte. Und das ist auch gut so, schließlich will der Bentley Continental Supersports auch aus seinem maximalen Tempo von 329 km/h wieder zuverlässig gestoppt werden. Was die Rakete verbraucht? Nun, darüber spricht man in Kreisen jenseits der 600 PS wohl kaum. Wer es nicht übertreibt, kommt aber mit unter 20 Litern durch. Erfreulich: Die gesamte Continental-Palette lässt sich mit Bio-Ethanol betreiben, auf gleichem Leistungsniveau. Das etwas andere British-Racing-Green.

Kommentare