Neue Cadillac Modelle für Europa - erste Testfahrten

Cadillac versucht mit einer umfangreichen Modellpalette einen Neustart in Europa. Bei ersten Testfahrten konnten nicht alle Modelle überzeugen.

Ein gestrauchelter Riese übt sich in Bescheidenheit: Getragen von derzeit nur einem Händler (Fa. Puhr) startet die GM-Marke Cadillac ihren Neuanfang in Österreich mit großvolumigen Motoren für einen kleinen Kundenkreis. Das scheint gewagt, werden doch noch nicht einmal für die mit der deutschen Premium-Mittelklasse konkurrierenden Modelle CTS (Limousine), CTW (Kombi) und CTC (Coupé) Dieselmotoren angeboten. Die Erwartungen, dass Cadillac dem bisherigen Diesel-Modell BLS einen neuen Selbstzünder folgen lässt, werden nicht erfüllt. Die Vielfalt findet an anderer Stelle statt. Alle drei Modelle gibt es mit manuellem oder automatischem Getriebe sowie mit Heck- oder Allradantrieb. Die V6-Motoren schöpfen wahlweise aus drei oder aus 3,6 Liter Hubraum und verfügen über eine moderne Direkteinspritzung.

Natürlich darf auch ein V8-Aggregat nicht fehlen. Es hat mehr als doppelt so viel Hubraum wie das Einsteigermodell und wird obendrein noch von einem Kompressor aufgeladen. Die Leistung von 415 kW / 564 PS braucht keinen Vergleich mit Spitzenmodellen wie der Mercedes-Benz E-Klasse oder der 5er-Reihe von BMW zu scheuen. Der große Motor im CTC-V 6.2 V8 Supercharged reagiert beim Anfahren spontan auf Gasbefehle, schiebt mit 735 Nm gewaltig nach vorn, baut die dazu passende grimmig-sportliche Klangkulisse auf und ist in der Fahrwerkabstimmung hart genug, um auch deftige Lenkbewegungen gelassen zu verkraften. Statt der üblichen Lenkradpaddel für die manuelle Bedienung sportlicher Automatikgetriebe gibt es hier an der Rückseite der Lenkradspeichen Drucktasten, die aber ebenso komfortabel zu handhaben sind. Wer die maximal mögliche Geschwindigkeit von 308 km/h erreichen will, muss sich für die kürzer übersetzte Handschaltung entscheiden, die Automatik beendet bei 282 km/h den Vortrieb.

Seine dynamischen Qualitäten geben dem CTC-V im Kampf um zahlungskräftige Kunden eine solide Außenseiterchance. Auch für das Kombimodell ist eine V-Variante vorgesehen, die allerdings zunächst in den USA eingeführt wird. So kompakt und griffig, so souverän in Längs- und Querbeschleunigung wünschte man sich die schwächer motorisierten Varianten auch. Sie können nicht wie der V8 mit dem Magnetic-Ride-Fahrwerk punkten, einer amerikanischen Entwicklung, die seit einigen Jahren auch Audi für seine sportlichen Modelle nutzt. Fehlende Souveränität macht sich nicht nur in schnellen Kurven bemerkbar, wo die indirekte Lenkung zu häufigem Nachkorrigieren zwingt, sondern auch im Motorengeräusch, wo der Klang bereits ab etwa 2.500 Touren mühevoll wirkt. Die 203 kW / 276 PS und 229 kW / 311 PS leistenden V6-Motoren sind nicht nur leistungsmäßig, sondern auch im Fahrerlebnis dicht beieinander.

Cadillac sieht sich in Europa als Nischenanbieter für Kunden mit ausgeprägtem Hang zur amerikanischen Lebensart. Von ihr findet der Kunde allerhand in den verschiedenen Modellen wieder. Wie schon beim Zweisitzer XLR werden die Türen von innen mittels eines elektromagnetischen Druckknopfes entriegelt. Die Klimaanlage entwickelt kräftige Böen, so wie Insassen in Kalifornien oder Texas es als angenehm empfinden. Das Mobiliar vermittelt einen hochwertigen Eindruck, die perforierten Bezüge erlauben zusätzlich zur Beheizung auch eine Belüftung. Nur sitzt man mehr auf den Lederpolstern als in ihnen. Demzufolge ist auch der Seitenhalt der vorderen Sessel nicht berauschend. Als Amerikaner reist man bevorzugt mit kleinem Gepäck - 385 Liter Kofferraum sind nach europäischen Maßstäben für eine Mittelklasse-Limousine der 60.000-Euro-Klasse aber wenig. Beim Rangieren fällt auf, dass die Sicht nach hinten im Coupé besser ist als im Kombi, jedoch büßt der Zweitürer diese Praxis-Pluspunkte schnell wieder ein. Vor der Nutzung der Rücksitzbank, die für Personen über 1,80 Meter ohnehin nicht zu empfehlen ist, sind noch zwei ärgerliche Fußangeln zu überwinden. Der untere Befestigungspunkt des vorderen Sicherheitsgurtes ist direkt am Sitz angebracht, so dass sich beim Vorrücken desselben der Gurt wie ein Absperrband vor die Zustiegsöffnung spannt.

Zusätzlich zu den drei CT-Versionen und dem Flaggschiff Escalade - auch als Hybrid-Version - bietet Cadillac ab sofort auch das Crossover-Modell SRX an. Als Alternative zu M-Klasse oder Q5 weiß dieser Fünftürer vor allem durch ein spannendes Design zu beeindrucken. Für Clay Dean, Designchef von Cadillac, ist die expressive Formgebung auch Mittel zum Zweck: Der SRX sei ein "Fahrzeug für den stilbewussten Kunden", es komme "nicht von ungefähr, dass der SRX schon im Stillstand ein Gefühl von Dynamik und Selbstbewusstsein vermittelt." Ein strukturierter Kühlergrill und die für Cadillac typischen vertikalen Leuchten münden bei diesem Allradler in einer eigenständigen, unverkennbaren Frontpartie. Geliefert wird der SRX mit einem 197 kW / 268 PS starken Dreiliter-Benziner. Der Verkauf hat noch gar nicht richtig begonnen, da wird bei Cadillac schon von Erweiterung des Angebots gesprochen. Der glücklose BLS, der eigentlich ein verkleideter Saab war, soll einen Nachfolger bekommen. Ganz amerikanisch mit Heckantrieb und auch mit einer V8-Variante.