Chevrolet Cruze WTCC - der Wolf im Starterfeld der WTCC

Der Chevrolet Cruze ist ein kompaktes Familienfahrzeug, welches sich weltweit mit famosen Verkaufszahlen behaupten kann. Wenn man aber in den Bereich Motorsport blickt, so ist der Cruze in seiner WTCC - Ausführung seit zwei Jahren der absolute König auf den Rennstrecken der  World-Touring-Car-Championship kurz WTCC.

Erstmalig startete die WTCC am Wochenende 19.-20. Mai 2012 in Österreich. Schauplatz der beiden Läufe war die Hochgeschwindigkeitsstrecke des Salzburgringes. Neben dem interessanten Rahmenprogramm mit Wertungsläufen des Histo-Cup, der BMW 325 Challenge und den beiden Läufen der ETCC war natürlich das Hauptinteresse der rund 30.000 Zuseher bei strahlendem Wetter auf die beiden Läufe der Königsklasse des Wochenendes der WTCC gerichtet.

In den Wertungsjahren 2010 und 2011 wurde durch die Chevrolet-Cruze Piloten Ivan MULLER, Rob HUFF und Alain MENU fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Die Endwertung der WTCC-Weltmeisterschaft erbrachte jeweils den Weltmeistertitel für Ivan MULLER und für Chevrolet den WM-Titel in der Herstellerwertung. Natürlich will Chevrolet auch im heurigen Jahr seine beiden WM-Titel verteidigen; nach den bisherigen 6 Renntagen mit insgesamt 12 Wertungsläufen führt Chevrolet überlegen die Herstellerwertung an, und mit ihren 3 Piloten belegen sie in der Fahrerwertung ebenso überlegen die ersten 3 Plätze.

In der WTCC starten Fahrzeuge der Marken Chevrolet-Cruze, Seat-Leon, BMW 320 und Ford-Focus S2000. Zu den wertungsberechtigten Fahrzeugen in der WTCC ist zu sagen, dass alle eingesetzten Fahrzeuge seriennahe und nunmehr, aufgrund neuer FIA-Regularien, mit Einheitsmotoren mit 1,6 Liter ausgerüstet sein müssen. Limitiert ist auch die Verwendung der Einheitsrennreifen der Marke YOKOHAMA. So werden pro Renntag (2 Läufe, Training und Qualifying) pro Fahrzeug 12 neue Trockenrennreifen, sogenannte Slick, zugeteilt. Zusätzlich dürfen aber pro Rennfahrzeug für den Renntag noch 8 Reifen des vorhergegangenen Renntages, zumeist leicht gebrauchte oder ersparte Neureifen, mitverwendet werden. Regenreifen, d.h. Reifen mit Profil, dürfen von den einzelnen Teams wenn erforderlich in unbegrenzter Anzahl eingesetzt werden.

Die FIA versucht natürlich mit ihren Regularien die Chancengleichheit der verschiedenen Rennteams, Werksteams und Privatteams zu wahren. Von der FIA wurde weiter vorgegeben, dass pro Rennsaison lediglich ein Motor verwendet werden darf. Sollte aus technischen Gründen ein Motorenwechsel nötig sein, so wird das Fahrzeug automatisch beim nächsten Renntag, unabhängig seiner Qualifikationszeiten, um 10 Plätze in der Startaufstellung rückversetzt.

Die britische Rennwagenschmiede RML baute für das Chevrolet Werksteam - derzeit werden von Chevrolet in der WTCC nur Werksfahrzeuge und keine Teamfahrzeuge eingesetzt - entsprechende Rennversionen des Chevrolet-Cruze WTCC auf. Motor, Getriebe und Fahrwerke wurden völlig neu konstruiert, und soweit dies von der FIA gestattet ist, auch das normale Fahrzeuggewicht des Cruze von 1.285 kg auf das von der FIA vorgegebene Fahrzeugmindestgewicht von 1.160 kg gesenkt. Der 1,6 Liter Turbo-Benzinmotor mit 16 Ventilen arbeitet mit Direkteinspritzung und erbringt eine Leistung von etwa 310 PS. Diese Kraftentfaltung, in Verbindung mit dem sequentiellen 6-Gang-Getriebe, bringt den Cruze in knapp 4,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die Technikermannschaft von RML, welche die komplette Rennsaison die 3 eingesetzten Chevrolet-Cruze WTCC Fahrzeuge betraut und alle notwendigen Servicearbeiten immer Vorort durchführt, umfasst insgesamt etwa 30 Personen. Im Renneinsatz dürfen pro Fahrzeug allerdings nur 4 Mechaniker, 1 Renningenieur, 1 Dateningenieur und 1 Reifenbeauftragter in der Rennbox im Einsatz sein.

Es ist grundsätzlich von Chevrolet vorgesehen, ihre Rennfahrzeuge Chevrolet-Cruze WTCC auch für den Verkauf freizugeben. Derzeit wird der Kaufpreis mit rund 300.000 brit. Pfund kalkuliert, jedoch wurde bisher kein Rennfahrzeug mit Werkstechnologie an Privatteams verkauft.

Der Renntag der WTCC am Salzburgring begann für Chevrolet wie zumeist mit viel Jubel. Die Qualifying für Lauf eins und Lauf zwei wurden wieder von den Chevrolet-Cruze-Fahrern dominiert und jeweils ein dreifacher Erfolg eingefahren. Lauf 1 erbrachte dann den gleichen Einlauf wie die Startreihenfolge - Huff vor Muller und Menu. Im Lauf 2 wurde die Startaufstellung der besten 10 Fahrzeuge gestürzt, und die drei Chevrolets starteten von den Startplätzen 8, 9 und 10. Der 2. Lauf wird jeweils mit stehendem Start gestartet, was die Heckantriebsfahrzeuge von BMW immer etwas bevorzugt, wogegen im 1. Lauf immer ein fliegender Start durchgeführt wird. Aber ab der vierten von insgesamt 14 zu fahrenden Runden erfolgte bereits der Totalangriff der Chevrolet-Piloten auf die vor ihnen fahrenden Konkurrenten. Fahrzeug um Fahrzeug wurde überholt, und ab Runde 6 führten die drei Chevy wieder das Feld an.

Ein Reifenschaden ließ allerdings zuerst Alan Menu ausscheiden, und der gleiche Defekt brachte in der letzten Runde auch den bis dahin führenden Weltmeister Muller von der Strecke ab. Der dritte Chevi-Pilot, Rob Huff, wollte offensichtlich gegen Ende noch einen Reifendefekt durch langsamere Fahrweise verhindern, wurde jedoch durch dieses Manöver auf den letzten Metern vor dem Ziel noch vom BMW-Fahrer Stefano D‘Aste überholt. So blieb dem Chevrolet-Team im Lauf 2 nur ein zweiter Platz von Huff und ein 8. Platz für den ins Ziel humpelnden Muller übrig.

Im Gesamten hat sich auch am 6. Renntag der WTCC-Serie am Salzburgring einmal mehr die derzeitige fast schon extreme Überlegenheit der Chevrolet-Cruze WTCC-Fahrzeuge gegenüber dem restlichen Starterfeld sehr deutlich gezeigt. Am 3. Juni 2012 wird die Rennserie WTCC mit dem 7. Renntag am Circuito do Estoril in Portugal fortgesetzt.

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