Citroën C4 - Fahrbericht

Der C4, der neue Golfschläger von Citroën, wuchs gegenüber seinem Vorgänger beträchtlich, an Gewicht legte er jedoch kein Gramm zu.

Optisch ist der neue C4 auf den ersten Blick als Citroën und auf den zweiten als C4 erkennbar. Die Formensprache seines Vorgängers wurde nicht verleugnet, Unterschiede gibt es lediglich im Detail - wie etwa die Motorhaubenform im rundum gezogenen Audi-A1-Stil. Wie in der Kompaktklasse derzeit en vogue, legte auch Citroën bei den Außenmaßen ein Schäuferl nach: 4,33 Meter Länge (plus fünf Zentimeter), 1,79 Meter Breite (plus zwei) und 1,49 Meter Höhe (plus drei) lauten die neuen Dimensionen, die sich selbstverständlich auch im Innenraum positiv bemerkbar machen. Besonderes Wachstum legte der Laderaum an den Tag: je nach Position der Fondlehnen bis zu 408 Liter Grundvolumen lautet sein Gardemaß, satte 58 Liter mehr als beim Vorgänger. Damit braucht man sich in der Kompaktklasse vor niemandem zu verstecken, zumal das Ladeabteil auch schön kubisch geraten ist und über eine niedrige Ladekante verfügt.

Trotz seiner neuen Größe hat der C4 nicht an Gewicht zugenommen. Dieses Kunststück gelang unter anderem mit dem Einsatz hochfester Stähle, deren Dicke trotz verbesserter Crash-Eigenschaften reduziert werden konnte und dank effektiverem Dämmmaterial, das ebenso gewichtsmäßig abspecken konnte. Hätte man die gewichtsreduzierenden Maßnahmen nicht ergriffen, der neue C4 hätte um rund 90 Kilogramm an Gewicht zugelegt. Auch wurde Recycling-Material in bisher ungewohnter Menge eingesetzt: rund 10 Prozent der Kunststoffe des C4 starten in ihr zweites Leben. Die meisten an Stellen, wo man sie nicht sieht. Doch die Wiederverwertungsqualität ist inzwischen so hoch, dass man sich auch über sichtbare Recyclingstoffe drübertraute. Rund fünf Prozent der Polymere sind wiederum aus natürlichen Stoffen, wie Zellulose- und Textilfasern.

In Summe wirken die Materialien hochwertig, am Armaturenträger kommen ein haptisch angenehmer genarbter Kunststoff sowie Chrom und Aluminium zum Einsatz. Enge Spaltmaße unterstreichen den positiven Qualitätseindruck. Motorvarianten gibt es sechs: drei Benziner mit 95, 120 und 155 PS sowie drei Diesel mit 90, 110 und 150 PS. Die beiden Stärksten sind auch mit einem automatisierten Schaltgetriebe zu haben, dem Citroen wohl auch aus Kostengründen weiterhin den Vorzug gegenüber einer Doppelkupplungs-Automatik gibt. Ansonsten wurde an technischen Schmankerln nicht gespart: So kommt im 110 PS starken Diesel ein sehr schnelles Start-Stopp-System - nur in Verbindung mit dem automatisierten Schaltgetriebe - zum Einsatz, das den Motor beim Bremsen bereits unter acht km/h abwürgt, und ihn, sobald der Fuß das Bremspedal verlässt, nach nur 0,4 Sekunden wieder anspringen lässt. Praktisch: eine 220-Volt-Steckdose im Mittelfach, Geschwindigkeitsregler und -begrenzer, konfigurierbare Klimatisier-Intensität sowie - als witziges Detail - fünf wählbare Farben der Instrumenten-Hinterleuchtung.

Als Extras erhältlich sind neuerdings ein Toter-Winkel-Warner, Vordersitze mit Massage-Funktion sowie eTouch - ein System der Fahrzeugortung, dass im Pannen- und im Crashfall auf Knopfdruck aktiviert werden kann und derzeit in zehn europäischen Ländern zu haben ist. Nicht mehr dabei ist hingegen die starre Lenkradnabe, die beim alten C4 als Revolution angepriesen wurde. Schließlich erlaubte sie eine optimierte Airbag-Form. Allerdings kostete sie Gewicht - drei Kilogramm, um genau zu sein. Das passte nicht in den Abspeckplan. Auch muss Citroën-Österreich-Chef Klaus Oberhammer zugeben, "dass unsere Kunden die Lenkradnabe nicht unbedingt vehement gefordert haben".

In der Praxis fährt sich der C4 sehr erwachsen: Er ist komfortabel, aber bei weitem nicht weich abgestimmt, die elektro-hydraulische Lenkung ist präzise, das Geräuschniveau angenehm niedrig. Typisch: die recht bissig ansprechenden Bremsen. Der neue C4 ist ab Jänner 2011 in den drei Ausstattungsniveaus "Attraction" (mit sechs Airbags, ESP, Klimaanlage, Berganfahrhilfe, Geschwindigkeitsregler und -begrenzer sowie kühlbarem Handschuhfach), "Seduction" (zusätzlich Bordcomputer, Alufelgen, Nebelscheinwerfer, E-Fensterheber hinten etc.) und "Exclusive" (nochmals zusätzlich Klimaautomatik, Lederlenkrad, Sitheizung vorne, anklappbare E-Außenspiegel, Bluetooth, E-Parkbremse und elektronische Einparkhilfe) erhältlich. Exakte Preise sind noch nicht bekannt. Nur soviel: Das Einstiegsmodell mit 90-PS-Benziner wird laut Pressesprecherin Nora Wilhelm "weniger als 18.000 Euro" kosten.