Genfer Autosalon : Studien & Supersportler

Von völlig emissionsfrei bis politisch inkorrekt, und jedenfalls äußerst fesch: extravagante Luxusautos und Studien waren die Highlights in Genf.

Wer geglaubt hat, dass der klassische Sportwagen im beginnenden Öko-Zeitalter ausgedient hat, der durfte sich am Genfer Autosalon 2010 eines Besseren belehren lassen - zumindest optisch. Einige Hersteller nutzen Sport und Luxus als Aufputz für alternative Antriebe; Karossiers träumen mit dramatischen Studien von der Guten Neuen Zeit; und Nobelmarken liefern sich nach wie vor ein PS-Rennen.

Die Marke Alfa Romeo inspiriert die Phantasie mehrerer Couturiers. Pininfarina denkt mit der Roadster-Studie 2uettottanta darüber nach, wie ein künftiger Alfa Spider aussehen könnte. Das Erfolgsmodell aus Mailand geht in diesem Konzept zurück zu den Anfängen als simpler, leichter Sportwagen mit einem turobogeladenen 1.750 ccm-Motor - eine Reverenz an den Spider 1750 Veloce des Jahres 1968. Weit weniger simpel ist das Ergebnis der Überlegungen von Bertone zum Thema Alfa Romeo. Der Pandion basiert auf dem 8C und ist an dramatischem Auftritt kaum zu überbieten. Dies beinhaltet zwei geradezu außerirdische Flügeltüren und ein beinahe organisch anmutendes Innenleben.

Schon wieder retro-futuristisch geht es auf der Ausstellungsfläche der Studios von Franco Sbarro zu. Der Schweizer und seine Designschule Espera sind immer für Diskussionen gut, das gilt auch für den Weltraum-Keil namens Autobau. Ein Über-Sportwagen alter Schule nach dem quasi-olympischen Motto "flacher, breiter, tiefer" mit V12 und angeblichen 500 PS hinter den Fahrersitzen - mehr ist dazu nicht zu sagen, die Bilder sprechen für sich! Auch "Mehrtürer" bekommen zumindest als Studien Coupé-hafte Eleganz verordnet, so beispielsweise der Sofia von IDEA. Verschiedene Antriebsformen sind bei diesem über fünf Meter langen Styling-Konzept möglich, neben einem V8-Benzinmotor mit ca. 400 PS denkt man auch über Hybrid-Power nach.

Wenn Konzerne träumen

Auch die Großserien-hersteller lassen ihren Stylisten manchmal freie Hand, zum Beispiel bei Hyundai: Der i-flow versteckt seinen viertürigen Charakter hinter sehnigem Styling; seine Antriebseinheit ist eine vergleichsweise schlanke Hybrid-Kombination mit 1,7 Liter-Dieselmotor. Einen Vorgeschmack auf die spanischen Autos der Zukunft gibt es bei Seat in Form des mit 3,7 Metern Außenlänge sehr kompakt geratenen Dreitürers IBE. Das nur 1,80 Meter hohe Fahrzeug hat einen E-Motor mit 102 PS an Bord.

Eine der größten Überraschungen der Show war der 918 Spyder von Porsche. Die Studie, die (hoffentlich) einen Ausblick auf künftige Designs der Marke gibt, wird von einem Hybridantrieb bewegt. Ein 500 PS starker V8-Motor samt zwei Elektromotoren sollen dem Hybrid-Roadster zu adäquaten Fahrleistungen verhelfen. Citroen zeigt mit dem Survolt eine Elektro-Studie im Zeichen der neuen Exklusiv-Linie DS. Das grimmige Sportcoupé platziert sich zwischen dem friedfertigen Konzeptauto Revolte und dem martialischen GTIbyCITROEN mit Verbrennungsmotor.

Gut & teuer

Die traditionsreiche Marke Hispano Suiza (dieses Mal ohne den früher üblichen Bindestrich) gibt wieder einmal ein Comeback. Der dramatisch gezeichnete Mittelmotor-Bolide erinnert auf den zweiten Blick allerdings doch sehr an den Audi R8. Unter der Außenhaut arbeitet ein Kompressor-aufgeladener V10-Motor. Der Preis wird mit über 900.000 Dollar angegeben... An diesem Ende des Segmentes ringen bereits einige Luxusmarken um die Gunst und das Vermögen des schmalen Käuferkreises. So auch Koenigsegg, wo man sich nach den Saab-Ambitionen wieder aufs Kerngeschäft konzentriert. Der Ayera ist die verbesserte Version des CCX mit einer Leistung von 910 PS.

Weniger Power, dafür auch immer weniger Gewicht: Der Gallardo LP570-4 Superleggera ist quasi der "Lamborghini light". Bei einer Leistung von 561 PS aus dem bekannten 5,2 Liter-V10-Motor wiegt dieser 1.340 Kilo und damit weniger als z.B. ein Porsche Boxster. Ebenfalls auf ein Audi-Aggregat vertraut die Firma Gumpert, der Apollo Sport bringt noch mehr Leistung mit, nämlich 750 PS.

Und Horacio Pagani zeigt die vermutlich letzten Inkarnationen seines Zonda; der Nachfolger ist bereits in Arbeit und wird gerüchteweise C9 heißen - und womöglich "Fangio". Am Genfer Autosalon zu sehen war ein Einzelstück des Zonda namens Tricolore als Hommage an die italienischen Flieger-Asse der "Frecce Tricolori". Aber Achtung, es ist bereits verkauft. Erhältlich ist der Zonda Roadster Cinque, die offene Fassung der etwas (aber wirklich nur etwas) gezähmten Variante des nicht straßentauglichen Zonda R. Preislich spricht man von 1,3 Millionen Euro. Netto!

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