Fahrerlebnis: Mit Jaguar und Land Rover Modellen am Red Bull Ring in Spielberg

Einen Jaguar Sportwagen auf der Rennstrecke bewegen und mit einem Land Rover durchs Gelände pflügen - wir konnten der Versuchung nicht widerstehen.

Der englische Konzern Jaguar/Land Rover baut nicht nur feinste Sportwagen, sondern hat auch eine lange Offroad Tradition. Wir sind der Einladung der Engländer gefolgt und haben uns in die schöne Steiermark begeben, um zu prüfen, wie sportlich und Offroad-tauglich die Modelle von Jaguar und Land Rover wirklich sind.

Am Beginn stand erstmal das "Aufwärmen" und Spüren der Fahrzeuge mit dem Jaguar F-Pace am Programm. Dazu wurden wir ganz standesgemäß zunächst auf die Dynamikfläche des Infield des Red Bull Rings geführt, um auf der bewässerten Kreisbahn erstmal den Unterschied zwischen aus- und eingeschalteter Traktionskontrolle zu "erfahren".

Damit man am eigenen Leib spürt, wie sehr einen bei den modernen Fahrzeugen elektronische Helfer unterstützen, machen solche Übungen auch richtig Sinn. Mit eingeschalteter Traktionskontrolle lässt das Big SUV fast keine Drifts zu. Hingegen ist es mit der ausgeschalteten Elektronik durchaus möglich -  nötiges Feingefühl vorausgesetzt - den über 1,5 Tonnen schweren SUV doch in einen Drift zu bekommen. Die nun herausgefahrenen Erkenntnisse wurden danach auf der sogenannten Schleuderplatte nochmals verfeinert.

Hier fährt man mit etwa 50 km/h geradeaus auf eine Platte, welche im richtigen Moment die Hinterachse entweder nach rechts oder links zum Ausbrechen bringt. Mit eingeschalteter Elektronik ist es ein Leichtes, das Fahrzeug einzufangen, ein kurzes Gegenlenken und der ausbrechenden Hinterachse wird Einhalt geboten. Schwieriger wird es natürlich ohne Elektronik. Zwar kann der geübte Fahrer durchaus das Auto wieder auf den rechten Kurs bringen, es ist nur deutlich anstrengender. Bei aller Freude am Querfahren darf eines niemals vergessen werden: Auch die Elektronik bleibt den Gesetzen der Physik unterworfen. Deshalb sollte sie auch nur als Rettungsanker in der Not gesehen werden.

Als Nächstes ging es dann direkt auf die Rennstrecke, um das eben Erlernte in die Praxis umsetzen zu können. Dafür standen die beiden Limousinen Jaguar XE und XF zur Verfügung. Mit einem Vorausfahrzeug, das die Geschwindigkeit vorgab, ging es auf den Track. Hier konnte man die ausgewogene Balance des Jaguar XE schon nach den ersten Metern direkt spüren. Obwohl er fast so schwer ist wie der F-Pace - er beginnt bei 1435 kg Eigengewicht - lässt er sich durch den niedrigeren Schwerpunkt sehr gut und sicher bewegen. Wir fuhren mit dem XE S, der 380 PS hat und an den Hinterrädern antrieben wird. Eine Konstellation, die wie schon oben beschrieben sehr gut auf der Rennstrecke zu bewegen ist.

Vom XE ging es dann direkt in den größeren XF, ebenfalls mit dem Kürzel "S" und dem 380 PS starken V6 Zylinder mit 3 Litern Hubraum und Turboaufladung. Diesmal zwar mit Allradantrieb, welcher mehr Traktion verspricht, aber auch mit deutlich mehr Gewicht (1760 kg). Hier zeigt der große XF deutliche Schwächen auf der Piste. Selbstverständlich ist dies nicht der Kaufgrund des auf der normalen Straße fahrenden Kunden, aber trotzdem überaus interessant im direkten Vergleich zu sehen, wie sehr sich die beiden Fahrzeuge voneinander im Handling unterscheiden.

Danach ging es zurück ins Fahrerlager, wo die nächste Challenge wartete: Die sogenannten "Smart Cones". Dabei leuchteten immer Tore blau auf, die dann auf grün wechselten sobald man das vorhergehende grüne Tor passiert hatte. Dabei war es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten, wo denn das nächste Tor blau und anschließend grün aufleuchtete. Diese Übung fördert sowohl die Konzentration als auch die Koordination, wobei es egal ist, in welcher Richtung das Tor durchfahren wird. Sehr interessant, spaßig und anstrengend zugleich. Der Computer wählt die Strecke innerhalb von 20 Möglichkeiten rein zufällig aus, wobei alle Strecken dieselbe Gesamtlänge haben, aber nie die gleiche Strecke hintereinander befahren wird. Gewertet wurden Fehler, Zeit, Streckenlänge und die Genauigkeit der Fahrt.

Nach dem Geschicklichkeitstest war das Bewegen des F-Type auf dem Ring die nächste Herausforderung. Hier kam der F-Type R zum Einsatz. Der fünf Liter V8 leistet 550 PS. Genug um auf der langen Strecke wirklich großen Spaß zu haben. Aber auch der neue Vierzylindermotor mit 300 PS und zwei Litern Hubraum war vor Ort und konnte auf der Straße rund um Spielberg für eine kurze Spritztour gefahren werden. Zurück zur Strecke: Mit den Coupés machte es wirklich sehr viel Spaß, die Tipps des Tages nochmals zu perfektionieren und die richtige Ideallinie auf jeder Runde zu verbessern. Wer nach dieser Schilderung Lust bekommen hat, die aktuellen Jaguar-Modelle so wie wir bei einem Fahrevent zu bewegen, kann sich unter "Jaguar - The Art of Performance Tour " anmelden.

Aber für uns war der Tag noch nicht zu Ende. Um 12 Uhr traf man sich in der Bull’s Lane zum Mittagessen, wo natürlich auch über die Erfahrungen mit den einzelnen Modellen gefachsimpelt wurde. Danach ging es im wahrsten Sinne des Wortes steil bergauf. Das Projekt Spielberg hat vier Stück Land Rover Defender im Fuhrpark, um die Mutter aller Allradfahrzeuge nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch in dem am nördlichen Ende des Ringes gebauten Offroad Gelände erleben zu können. Ab diesem Herbst stehen dafür zusätzlich auch Land Rover Discovery’s zur Verfügung. Damit wird nicht nur das Offroad-Erlebnis mit den klassischen, sondern auch mit den modernen Fahrzeugen ermöglicht.

Zuerst fährt man hintereinander einen vorgegebenen Kurs ab, der Ab- und Auffahrten, Schrägfahrten und Verschränkungsfahren beinhaltet. Doch dies stellt nur einen kleinen Prolog dar. Nach kurzer Fahrt über Bundesstraßen geht es in das 550 Hektar große "Spielgelände", das sich letztendlich als riesengroßes Waldstück herausstellt. Gefahren wird über Stock und Stein, durch kleine Bäche und Wasser-Durchfahrten. Start der "Expedition" durch den "steirischen Dschungel" ist auf ungefähr 800 Metern Seehöhe, den höchsten Punkt erreicht man auf 1600 Metern.

Die Fahrt durch den Offroad-Spielplatz dauerte etwa drei bis vier Stunden und war jeden Meter wert. Die Offroad-Aktivitäten können jederzeit auf der Homepage des "Projekts Spielberg" gebucht werden und sind für jeden zu empfehlen, der schon immer davon geträumt hat, die legendäre "Camel Trophy" mit zu machen. Die Offroad-Fahrten werden in verschiedenen "Fahrerlebnissen" angeboten.

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