Der neue Mazda5 - Fahrbericht

Erste Ausfahrt mit dem neuen Mazda5. Der Japaner will mit schickerer Optik neue Kundenkreise erschließen. Startschuss ist im Herbst.

Ob der neue Mazda5 tatsächlich Wellen schlagen wird, muss sich erst noch zeigen. Bereits jetzt klar ist, dass die mit dem japanischen Begriff "Nagare" beschriebene Fließbewegung mit dem neuen Van nun erstmals im Design eines Serien-Mazda Verwendung findet. Mit zwei verschiedenen Benzinmotoren startet der neue Schiebetüren-Kleinbus ab Ende Oktober auf dem österreichischen Markt. Die Preise stehen noch nicht fest, das aktuelle Modell beginnt bei 23.490 Euro.

Mit einem Van vom Schlage eines Mazda5 kann man dank des flexiblen Innenraumsystems eine Menge anstellen. Eines kann man künftig nicht mehr - ihn verwechseln. Das Nagare-Design war bisher nur in ausgefallenen Konzeptstudien und Showcars des japanischen Herstellers zu sehen. Nach Aussagen von Chefdesigner Koji Tabata sollen die fließenden Linien, die vor allem an den Flanken des Kompakt-Vans zu erkennen sind, athletisch und sportlich, aber auch intelligent und attraktiv wirken. "Das ist etwas, wonach man sich umdreht", so Tabata. Auf die Windschlüpfrigkeit wirkte sich das neue Design jedoch nicht messbar aus, der cw-Wert beträgt nach wie vor 0,30. Eine stark akzentuierte Frontpartie unterstützt die optische Präsenz des Siebensitzers ebenso wie die muskulösen vorderen Kotflügel, die an das Coupé Mazda RX-8 erinnern. Ihr Schwung setzt sich fort in drei Blechfalten, die je nach Lackierung und Sonneneinstrahlung unterschiedliche visuelle Effekte entfalten. Acht neue Außenfarben stehen zur Auswahl sowie 16- oder 17-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Die seitlichen Sicken münden in die Schienen, in denen die Schiebetüren laufen. Sie sind das Merkmal, mit dem der Mazda5 gegenüber den Wettbewerbern auch künftig kräftig punkten will. Weder VW Touran, der deutsche Segment-Führer, noch die Konkurrenten Renault Scénic, Toyota Verso oder Citroen Picasso können damit aufwarten. Beim Opel Zafira soll erst die nächste Generation Schiebetüren bekommen. Europaweit haben sich seit 2005 rund 175.000 Kunden für einen Mazda5 entschieden, 15.000 davon in Österreich.

Wie sich das "Nagare"-Design im Innenraum fortsetzt, ist einerseits an der Fahrerorientierung der Instrumente zu sehen, andererseits an der Bestuhlung. Die Sitzpolster werden ausschließlich durch Längsnähte zusammengehalten, was die von der Front zum Heck hin fließende Optik unterstützen soll. Der vordere Passagierraum wirkt dank der neu gestalteten Armaturentafel größer. Die Instrumente sind weiß beleuchtet, und im oberen Bereich der Mittelkonsole befindet sich ein großes Informations-Display. Um besser im Blickfeld des Fahrers zu liegen, wurde es einige Zentimeter nach oben gerückt. Dass Fächer und Ablagen reichlich vorhanden sind, ist bei Mazda gute Sitte. Beibehalten wurde auch das sogenannte Karakuri-Sitzsystem, das die Option von zwei Einzelsitzen in der zweiten Reihe zulässt. Soll die Reihe geschlossen werden, ist ein zusätzliches Polster aus dem Sitz nebenan hervorzuklappen. Die Klapp-Sitzplätze sechs und sieben sind eher für kurze Strecken geeignet, jedoch ist der Zustieg dank der weit öffnenden Schiebetüren recht bequem. In der Polsterfläche und bei der Schulterbreite für die Passagiere der zweiten Reihe erzielt der Mazda5 Bestwerte gegenüber der Konkurrenz.

Noch nicht mithalten kann er beim Motorenangebot. Lediglich zwei Benziner stehen zur Auswahl, der Diesel soll nach Aussagen von Projekt-Manager Hideka Matsuoka "so bald wie möglich" vorgestellt werden. Da der Mazda5 nicht den bekannten 2,2-Liter-Diesel aus dem Mazda 6 bekommen soll, wird das wohl kaum vor 2011 sein. Dann allerdings will der Hersteller mit einem völlig neu entwickelten Selbstzünder aufwarten. Zunächst sei es wichtig gewesen, so Matsuoka, die Start-Stopp-Automatik für den neuen Benziner zu realisieren. Vor allem für Europa ist der Diesel wichtig. Beim Klassenprimus Touran bestellen 50 Prozent der Kunden so einen Motor, beim größeren Sharan sind es sogar drei Viertel aller Käufer. Zunächst werden ein neuer Zweiliter- und ein überarbeiteter 1,8-Liter-Benzinmotor angeboten. Das größere Aggregat leistet 110 kW / 150 PS und soll mit einem Verbrauch von knapp unter sieben Litern je 100 Kilometer auskommen. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 159 Gramm. Beide Motoren bringen ihre Kraft per Sechsganggetriebe an die Vorderräder.

Auf den ersten Testkilometern zeigte der Zweiliter-Motor eine ausgewogene Leistungsentfaltung. Ab dem vierten Gang sind die Übersetzungen lang gewählt, was zur Reduktion der Schallentwicklung beiträgt und den Durst mindert. Die Lenkung ist griffig und direkt, das Ansprechverhalten spontan. Wer das Auto temperamentvoll bewegen will, sollte die Drehzahl im Auge behalten, häufiges Schalten verhilft zu mehr Fahrfreude. Auch der überarbeitete 1,8-Liter-Benziner erfüllt die Schadstoffnorm Euro 5, liegt jedoch trotz kleineren Hubraums mit einem Verbrauch von 7,2 Litern über dem Wert des Neulings. Seine Leistung ist mit 85 kW / 115 PS angegeben. Die 1.395 Kilogramm beziehungsweise 1.410 Kilogramm Leergewicht zeigen an, dass in beiden Ausführungen neue Erkenntnisse des Leichtbaus und der Gewichtsreduktion in die Praxis umgesetzt wurden. Der Mazda5 von 2008 hatte noch 1.525 Kilogramm auf die Waage gebracht.

mid/afb

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