Mercedes AMG : V12-Biturbo bleibt, Allradantrieb kommt

Auch an AMG ist die Wirtschaftskrise nicht ohne Schrammen vorüber gegangen. Jetzt wird aber wieder hoffnungsvoll in die Zukunft geblickt.

AMG, diese drei Buchstaben stehen für absolute Sportlichkeit und technische Perfektion. Wer einen Mercedes-Benz aus dem AMG- Modellprogramm wählt, der will etwas Besonderes und natürlich kein Auto von der Stange. Die Automobil-Manufaktur durfte über Jahre im Auftrag des Werks Mercedes-Benz Modelle veredeln - mit Erfolg.

Der Konzern hat die wirtschaftliche Lukrativität der AMG-Modelle erkannt und übernahm das kleine Unternehmen. Ab dem 1. Jänner 1999 erfolgte schrittweise die Eingliederung in den Konzern. Heute arbeitet die Mercedes-AMG GmbH als Tochter der Daimler AG und hat in seinen besten Zeiten bis zu 25.000 Autos verkauft.

Aber auch an den AMG-Modellen ist die Wirtschaftskrise 2009 nicht spurlos vorüber gegangen. Der Verkauf der teuren und schnellen AMG-Versionen brach weltweit bis auf knapp 16.000 verkaufte Exemplare ein. Ein Schock für die profitable Edelschmiede, zumal die USA fast 50 Prozent des Absatzvolumens ausmachten.

Das wirtschaftliche Ziel sollte sein, sich von der Stärke eines Markte zu verabschieden und seine Präsenz auf ein breiteres Absatzfeld zu stellen. Der chinesische Markt musste noch wachsen, war noch nicht stark genug. Heute ist er der zweitwichtigste Markt mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtabsatz hinter den USA (30 Prozent). In Europa ist Deutschland mit zehn Prozent der größte Markt und zugleich die Nummer drei weltweit - es folgt Japan (knapp zehn Prozent) auf Platz vier.

Mario Spitzner, verantwortlich für Marketing und Vertrieb bei Mercedes-AMG, ist ein langjähriger Kenner der Branche und hat ein Gespür für seine anspruchsvolle Kundschaft: "Die Produktion muss sich zunehmend nach der Markteinschätzung richten." Mit Brasilien, Südkorea und Indien wachsen drei Märkte heran, die nach Einschätzung von AMG-Manager Spitzner in der Zukunft ausbaufähig sind.

Der oftmals umstrittene V12, "bei Mercedes-Benz wollte man diesen Motor schon aus dem Programm nehmen", verrät ein Verkäufer, erlebt in den AMG-Modellen S 65 und CL 65 einen neuen Frühling. Hier leistet der V12-Biturbo aus 6,0-Liter Hubraum 630 PS (463 kW) und kostet ab 229.075 Euro. Obgleich ihn in der Krise keiner haben wollte, zog die Nachfrage im vergangenen Jahr wieder an. "Besonders in den USA ist unser V12-Biturbo gefragt", versichert Spitzner.

Mit einem kontrollierten Wachstum sieht sich Mercedes-AMG für die nächsten Jahren auf der Überholspur. Die Kundschaft wächst, der Anspruch an die Technik wird sensibler und die Modellpalette wird immer breiter. Und den Wettbewerb mit Audi (quattro GmbH) und BMW (M GmbH) kann AMG gut gerüstet bestreiten - bei beiden Herstellern ist das Angebot deutlich überschaubarer.

Nur in der Kompaktklasse hat AMG derzeit noch kein Angebot. Hier kommen in den nächsten Wochen der Audi RS3 und das BMW 1er M Coupé auf den Markt. Doch auch die Schwaben arbeiten an einer AMG-Version, die auf der neuen A-Klasse basiert - sie startet 2012. Derzeit reicht das AMG-Modellprogramm von der C-, E-, S-Klasse über den SL, CL, CLS, ML bis hin zum G und SLS.

Der neue 5,5-Liter-V8-Biturbo ist das Herz vieler AMG-Modelle, so auch für den neuen ML (Anfang 2012). Dagegen treibt die überarbeitete C-Klasse und das neue C-Klasse Coupé weiterhin den drehmomentstarken 6,3-Liter V8-Saugmotor an. Hier kommt aber als Kraftübertragung nicht mehr die behäbige Wandler-Automatik sondern das moderne MCT 7-Gang-Sportgetriebe zum Einsatz. Und der neue SLK bekommt zum Herbst 2011 einen effizienten V8 mit Zylinderabschaltung. "Wir haben uns etwas technisch Besonderes ausgedacht", macht ein AMG-Ingenieur neugierig.

Auf der IAA im September 2011 feiert die offene Variante des SLS als Roadster mit klassischem Stoffdach seine Premiere, der noch zum Jahresende zur Auslieferung kommen soll. Beschlossene Sache ist auch der Allradantrieb für einige AMG-Versionen wie die E- und S-Klasse. Allerdings muss das hauseigene 4Matic-System noch weiterentwickelt werden, damit es in den leistungsstarken Limousinen eingebaut werden kann. Mit einer Markteinführung ist nicht vor 2013 zu rechnen.

auto-reporter.net/Peter Hartmann

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