Mini Countryman - Fahrbericht

Mit dem in Graz gebauten Countryman gibt's erstmals einen Mini mit vier Türen und Allradantrieb. Wir waren auf erster Testfahrt mit dem Maxi-Mini.

Als BMW im Jahr 2001 den Kleinwagen-Klassiker Mini wiederbelebte, hatte man sich wohl in den kühnsten Träumen keine solche Erfolgsstory ausgemalt. Auf den Zweitürer folgte das Cabrio, 2007 wurde mit dem Clubman eine etwas größere Variante präsentiert. Familientauglich war aber freilich auch der Clubman nicht, trotz der pfiffigen Doppeltüre auf der rechten Seite. Und so musste man bislang tatenlos zusehen, wie einige potenzielle Kunden der Mini-Familie allein aus Platzgründen den Rücken zukehrten. Es war also nur eine Frage der Zeit, ein weiteres Modell in die Palette aufzunehmen. Mit einer Länge von 4,10 Metern ist der neue Mini übrigens rund 12 Zentimeter kürzer als ein Skoda Yeti, der Tscheche ist zudem 13 Zentimeter höher bei fast identem Radstand.

Dass der Countryman in Österreich - genauer gesagt bei Magna in Graz - gebaut wird, soll natürlich nicht unerwähnt bleiben. Und wer das Modell mit einem der beiden Dieselmotoren aus Steyr ordert, der fährt überhaupt einen waschechten Österreicher. Auch wenn sich einige Traditionalisten (vorwiegend in Großbritannien) nun darüber beschweren, dass der Countryman kein echter Mini mehr sei, wir können nach einer ersten ausführlichen Probefahrt das Gegenteil behaupten. Zunächst einmal muss man zur Kenntnis nehmen, dass sich der jüngste Mini-Spross optisch von seinen Brüdern unterscheidet. Das heißt aber nicht, dass der Countryman nicht als Mini zu erkennen wäre. Die Scheinwerfer sowie die nach unten gezogene Motorhaube schließen eine Verwechslung mit anderen Marken aus, auch das Heck zeigt sich eigenständig.

Groß ist er geworden, der Mini. Falls man dem Countryman etwas vorwerfen kann, dann die Tatsache, dass der Name nicht mehr wirklich passt. Denn erstmals gibt’s vier Türen plus Heckklappe und ein ganz neues Raumgefühl. Bereits für Fahrer und Beifahrer geht’s luftiger zu als gewohnt, das Platzangebot im Fond ist dann kein Vergleich zu den Minis bisheriger Machart. Die Beinfreiheit ist sehr ordentlich, auch die Kopffreiheit zeigt sich über alle Zweifel erhaben. Wenn zwei über 1,90 Meter große Personen hintereinander Platz haben, dann ist das in dieser Fahrzeugklasse alles andere als selbstverständlich.

Der Käufer hat übrigens die Wahl zwischen zwei Einzelsitzen im Fond oder einer durchgängigen Dreier-Sitzbank. Die jeweilige Konfiguration hat ihre Vor- und Nachteile. Während sich die beiden Einzelsitze unabhängig voneinander in Längsrichtung verschieben lassen, ist dies bei der drei Personen Platz bietenden Dreier-Bank nur im Gesamten möglich. Das Kofferraumvolumen ist durchaus ansehnlich: zwischen 350 Liter bei ganz nach hinten geschobenen Fondsitzen über 450 Liter wenn man die Sitze ganz nach vorne schiebt, bis hin zu maximal 1.170 Litern reichen die Möglichkeiten. Wer zum Viersitzer greift, der kann optional die so genannte Center-Rail ordern - eine von vorne nach hinten durchgängige Alu-Schiene mit der Möglichkeit Dinge wie Getränke- oder Brillenhalter darauf anzubringen. Ein besonderer Clou ist in Kombination mit einem iPhone möglich, andere Telefone werden derzeit nicht unterstützt. Mittels Mini-Connect lassen sich tausende Webradio-Sender aus der ganzen Welt auf das Autoradio streamen, so kann man zum Beispiel auch im Ausland den Lieblingssender seiner Heimat empfangen. Nacheil: Durch die permanente Datenverbindung fallen - im Ausland nicht unerhebliche - Kosten an, ist die Verbindungsqualität nicht optimal, bricht der Stream immer wieder ab.

Bei den ersten Testfahrten stand das Topmodell, der Mini Countryman Cooper S 4All zur Verfügung. Cooper S gibt Hinweis auf den 1,6 Liter Turbobenziner mit 184 PS, 4All verrät den Allradantrieb. Es wäre nicht fair, den gleichen unbändigen Fahrspaß wie im Mini Cooper S zu erwarten, denn neben dem höheren Aufbau, sind natürlich auch das gestiegene Gewicht sowie der Allradantrieb nicht spurlos am Countryman vorbeigegangen. 7,6 bzw. 7,9 Sekunden beim Cooper S Allrad auf Tempo 100 km/h können sich jedenfalls durchaus sehen lassen. Der Fahrspaß ist für ein Auto dieser Klasse jedenfalls sehr groß. Dazu trägt neben dem potenten Motor das knackige Fahrwerk ebenso bei wie die direkte Lenkung. Wer die Sport-Taste drückt, kommt zudem in den Genuss einer heiseren Akustik und eines direkter ansprechenden Gaspedals. Was die Fahrdynamik betrifft, so kann der Countryman zwar nicht mehr ganz mit dem minitypischen Gokart-Feeling aufwarten, zeigt sich aber dennoch agil, straff abgestimmt und mit direkter Lenkung ausgestattet.

Auch wenn der Countryman in Verbindung mit den jeweils stärksten Benzin- und Dieselmotoren optional über Allradantrieb verfügt, zum echten Geländewagen macht ihn das aufgrund der relativ geringen Bodenfreiheit noch lange nicht. Der größte Vorteil ist vermutlich in schneereichen Wintern auszumachen, auch auf unbefestigen Wegen kann der Mini sein Potenzial ausspielen. Im Normalbetrieb wird die Antriebskraft auch auf die Vorderräder weitergeleitet, im Bedarfsfall gehen dank eines elektromagnetisch gesteurten Mitteldifferenzials am Hinterachsgetriebe bis zu 50 Prozent auf die hinteren Räder, im Extremfall sogar bis zu 100 Prozent. Leider konnten wir bis dato nur das Topmodell mit Allradantrieb fahren. Wie sich der Countryman mit dem 98 PS Basis-Benziner und Frontantrieb fährt, lässt sich derzeit nur vermuten. Man muss aber kein Prophet sein um zu erahnen, dass diese Kombination nicht allzu spritzig sein dürfte. Ebenfalls im Programm der Cooper mit 120 PS sowie die beiden Dieselmotoren mit 90 bzw. 111 PS. Sparsam zeigen sich alle Triebwerke nicht zuletzt aufgrund zahlreicher "Minimalism"-Maßnahmen wie Start-/Stopp-Automatik. Die Benziner genehmigen sich zwischen 6,0 und 6,1 Liter auf 100 km, die beiden Diesel sind mit 4,4 Litern noch genügsamer.

Aller Voraussicht nach wird die potenzielle Kundschaft auch nicht von eher hohen Preisen abgeschreckt. Zwar klingt der Basispreis von 20.990 Euro auf den ersten Blick sehr human, mit moderater Zusatzaustattung erreicht man aber schnell 23.000 Euro, wohlgemerkt für den 98 PS Benziner. Und wer seinen Mini abseits der elf Farb- und sechs Felgenkonfiguration weiter individualisieren möchte - die Erfahrung zeigt, dass das sehr viele Kunden wollen - der muss tiefer und tiefer in die Tasche greifen. Ein voll ausgestatteter Countryman Cooper S 4All durchbricht jedenfalls ohne große Probleme die 40.000 Euro Schallmauer. Somit zeigt sich der Countryman gleich in mehrfacher Hinsicht alles andere als Mini.

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