Hybrid-LKW : Großer Flottentest in London

Größter Feldversuch für Hybrid-LKW in Europa: Zehn Mitsubishi Fuso Canter mit doppeltem Antrieb sind seit August 2008 in London im Einsatz.

Die zehn 7,5-Tonner zusammen haben bis jetzt mehr als 265.000 Kilometer im städtisch geprägten Verteilerverkehr abgespult. Die Mehrzahl der Canter ist dabei für Paketdienste unterwegs. Aber auch ein Lebensmittel-Diskonter oder Straßenbau-Unternehmen gehören zu den Teilnehmern des Testprogramms.

Wie der Projektleiter Fumio Akikawa betont, haben die zehn Lkw während der ersten Halbzeit im Kundenversuch bisher rund 5.000 Liter Dieseltreibstoff mit einem Äquivalent von 13 Tonnen CO2 eingespart; das entspricht einer Einsparung im Vergleich zu einem herkömmlichen Canter von mindestens zehn Prozent, in manchen Einsätzen bis zu 15 Prozent. In absoluten Zahlen verbrauchen die Hybrid-Canter im täglichen Einsatz rund 17 Liter je 100 Kilometer.

In Japan gibt's das schon

In Japan hat der Canter Eco Hybrid bereits Serienstandard und ist in knapp tausend Exemplaren auf der Straße. Die Einsparungseffekte im japanischen Verkehrsgeschehen geben die Techniker des Herstellers mit zehn bis 30 Prozent an. Im Gegensatz zu London rollen die Nutzfahrzeuge in Japan durchschnittlich langsamer und mit weniger Gewicht über die Straßen. Während die Hybrid-Canter in London als 7,5-Tonner unterwegs sind, werden in Japan überwiegend 5,5 und 6,5 Tonnen Gesamtgewicht gefahren. Der Verlust an Nutzlast durch die Hybrid-Komponenten Elektromotor, Lithium-Ionen-Akkus und Regelelektronik ist mit 165 Kilogramm vergleichsweise gering. Sein gesamtes Energievolumen bezieht der elektrische Antriebsteil ausschließlich aus der Rückgewinnung von Bremsenergie.

Betriebsalltag

Im typischen Stop-and-Go-Verkehr der 14-Millionen-Metropole London reicht das aus, um den Canter beim Anfahren mit dem E-Motor zu unterstützen und damit Diesel einzusparen. Bis zu einer Geschwindigkeit von 7 km/h treibt allein der zwischen der Motor- und Getriebeeinheit sitzende E-Motor den Leicht-Lkw an. Darüber tritt automatisch und weitgehend ruckfrei der Verbrennungsmotor in Aktion. Im Schubbetrieb liegt die Quote der Bremsenergie-Rückgewinnung bei etwa 50 Prozent. Ist zusätzlich der Motorbremshebel aktiviert, wird die gesamte Bremsleistung in elektrische Energie umgewandelt und zu einem Großteil gespeichert. Mit der Zuverlässigkeit der Hybrid-Komponenten können die Beteiligten zufrieden sein: Während der ersten 18 Monate traten keinerlei Defekte auf, weder im mechanischen noch im elektrischen Teil des Antriebsstranges. Die vorhandenen Servicemöglichkeiten für die teilnehmenden Firmen wurden bisher kein einziges Mal in Anspruch genommen.

Hybrid-Zukunft

Ziel der Entwickler ist für die Zukunft ein noch genauer an den Einsatz angepasster Antriebsstrang. Für die Einsätze in den von höheren Geschwindigkeiten und Lasten geprägten europäischen Metropolen ist im Rahmen der nächsten Canter-Generation ein stärkerer E-Motor geplant. Eine Start-Stop-Funktion soll für weitere Verbrauchseinsparungen von rund drei bis vier Prozent sorgen. Wegen der kontinuierlich fallenden Preise für Lithium-Ionen-Batterien und der Standardisierung der Antriebstechnik hoffen die Entwickler auf kostenneutrale und damit bezahlbare Hybrid-Lkw der leichten Klasse in wenigen Jahren.

mid/rod

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