Der neue Nissan Micra - Fahrbericht

Die 4. Generation des Kleinwagen-Bestsellers zeigt sich optisch konservativer, günstiger als der Vorgänger und dabei deutlich sparsamer. Wir waren auf erster Testfahrt.

Als 1982 der erste Nissan Micra das Licht der Autowelt erblickte, war noch nicht abzuschätzen was für ein Erfolg sich da anbahnen sollte. Nicht weniger als 5,65 Millionen Kunden entschieden sich bis dato für den japanischen Kleinwagen, die vierte Generation steht nun in den Startlöchern. Das Design des noch aktuellen Modells hat stark polarisiert und vor allem Frauen angelockt. Micra Nummer vier versteht sich nicht nur als echtes Weltauto, er soll auch viel breitere Kundenschichten erobern. Nissan hat das Design des Micra daher bewusst entschärft, dadurch blieb leider auch etwas Pfiffigkeit auf der Strecke. Am ehesten ist es noch die seitliche Linienführung, die an frühere Modelle erinnert, Front und Heck sollen ab sofort von China über Indien bis nach Europa Anklang finden, kein leichter Spagat. Vorteil des im Vergleich zum Vorgänger wesentlich konservativeren Designs: Auch ältere Kundenschichten sollen sich so mit dem Micra anfreunden, das gelang in den letzten Jahren nicht ganz so gut. Da das Design aber ohnedies immer ein subjektiver Eindruck sein wird, widmen wir uns anderen Merkmalen des neuen Nissan Micra.

Wie zum Beispiel der völlig neuen Plattform auf die der Japaner aufbaut. Neben dem Micra soll darauf auch eine kompakte Stufenheck- limousine sowie ein Microvan entstehen, jährlich will Nissan in Summe nicht weniger als eine Million Fahrzeuge auf dieser Plattform aufbauen. Bei den Außenabmessungen zeigt sich der Micra zwar leicht gewachsen - plus 61mm in der Länge, plus 20mm beim Radstand - dennoch entwächst er seinem angestammten Segment nicht. Gerade die Stadt zeigt sich als ideales Revier für den Japaner. Beim Wendekreis ist er Klassenbester, dementsprechend handlich erweist er sich im Verkehrsgewühl in der City, wie wir bei ersten Testfahrten feststellen konnten.

Im urbanen Gebiet zeigt sich auch das zum Start einzige Triebwerk des Micra gut aufgehoben. Der 1,2 Liter Dreizylinder Benziner ist der zweite von Nissan nach der Downsizing-Strategie entwickelte Motor nach dem 1,6er im Juke. 80 PS, ein Durchschnittsverbrauch von fünf Litern und ein CO2-Ausstoß von nur 115g / km sollen einen in der Produktion deutlich teureren Dieselmotor überflüssig machen. Optional lässt sich auch eine stufenlose CVT-Automatik ordern, abermals ein Vorteil in der Stadt. Allerdings reizt das Getriebe den Spargedanken etwas zu sehr aus. Das extrem niedertourige Fahren verursacht Vibrationen, zweihundert Umdrehungen mehr würden das Problem beim Dahingleiten in der Stadt beheben. Mitte 2011 wird ein zweites Triebwerk nachgereicht. Es basiert auf dem 1,2 Liter Dreizylinder, ist aber zusätzlich mit einem Kompressor ausgestattet. Damit steigt die Leistung auf 98 PS, bei gleichzeitig noch niedrigerem Verbrauch und CO2-Ausstoß. Serienmäßig verfügt dieser Motor auch über eine Start-/Stopp-Automatik. Zur Sparsamkeit trägt auch das gesunkene Gewicht des neuen Micra bei. Im Vergleich zur dritten Generation konnten stolze 70 Kilogramm eingespart werden. Da der neue Micra über mehr Ausstattung verfügt, bleiben netto immer noch 35 kg Gewichtsersparnis übrig.

Großes Lob verdient Nissan bei der serienmäßigen Sicherheitsausstattung. Alle Modelle verfügen über sechs Airbags und ESP. Das Interieur zeigt sich wie das Exterieur eher konservativ gezeichnet. Auch wenn viel Hartplastik zum Einsatz kommt, an der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Empfehlenswert ist es, das Interieur im zweifarbigen Look zu nehmen, es wirkt dadurch deutlich hochwertiger. Die Platzverhältnisse sind tadellos, spürbar auf kleinere Personen sind Sitzfläche und Kopfstütze ausgerichtet. Das Lenkrad ist zwar nur höhenverstellbar, trotzdem finden auch größere Fahrer eine gute Sitzposition. Der Kofferraum fasst standardmäßig 265 Liter, klappt man beide Teile der Rücksitzbank nach vorne, entsteht ein bis zu 1.132 Liter großes Gepäckabteil.

Zwei besondere Gimmicks hat Nissan dem Micra spendiert. So gratuliert das Auto seinem Fahrer - so man das Datum eingegeben hat - zum Geburtstag. Während dieses Feature serienmäßig ist, kostet der Parkguide außer im Topmodell Aufpreis. Dieses System misst im Vorbeifahren die Größe einer Parklücke und lässt den Fahrer wissen, ob diese groß genug für den Micra ist. Im Gegensatz zu echten Parkassistenten endet aber hier die Unterstützung, das Einparken bleibt nach wie vor dem Fahrer selbst überlassen. Der dafür fällige Aufpreis von 500 Euro fällt allerdings relativ hoch aus. Vor allem im Vergleich mit dem wirklich guten Touchscreen-Navi samt Bluetooth-Freisprecheinrichtung, das ebenfalls für fünf Hunderter zu haben ist.

Womit wir bei den Preisen angelangt wären. Und hier gibt’s eine echte Überraschung, ist das neue Modell doch im Vergleich zum Vorgänger je nach Ausstattung zwischen rund 700 und 1.650 Euro günstiger. Das Basismodell "Visia" (u.a. elektr. Fensterheber vorne, Zentralverriegelung mit Fernbedienung) startet somit bei 10.690 Euro. Das Volumensmodell "Accenta" bietet für 12.790 Euro bereits Annehmlichkeiten wie Klimaautomatik, CD-Radio, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Tempomat, Lederlenkrad und einiges mehr, das ausschließlich für diese Ausstattung verfügbare CVT-Getriebe kostet faire 1.100 Euro Aufpreis. 15.490 Euro sind für das Topmodell "Tekna" fällig, dort sind dann auch Dinge wie Navi, Parkguide, Regensensor, Panorama Glasdach, Leichtmetallfelgen und Nebelscheinwerfer serienmäßig. Der Verkaufsstart erfolgt Ende November 2010.

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