General Motors sagt Opel-Verkauf ab

GM nimmt die Sanierung von Opel selbst in Angriff und will mit GAZ ins Russland-Geschäft kommen.

"Das wäre nicht nur schade, sondern ein Problem", so lautete Karl-Peter Forsters Antwort beim Grazer Automobil-Forum vor wenigen Tagen auf die Frage nach der Bedeutung eines möglichen Scheiterns des Verkaufes von Opel an Magna. Der Problemfall ist jetzt eingetreten, und zwar nicht aufgrund eines Einspruches der EU, die ja Bedenken hinsichtlich einer Wettbewerbsverzerrung in Richtung Magna angemeldet hat. Vielmehr hat General Motors selbst sich entschieden, nach monatelangen Verhandlungen den Verkauf abzublasen.

Die Absage kommt fast genau ein Jahr nach dem ersten Hilfsansuchen der Adam Opel AG an den deutschen Staat. Neben der Gruppe Magna/GAZ/Sberbank waren auch die Investmentfirma Ripplewood und Fiat an Opel interessiert. Mit der russischen Firma GAZ will GM jetzt direkt ins Geschäft kommen, die Hoffnung auf das große Geschäft im Wachstumsmarkt Russland hat man also weiterhin. GM-Chef Fritz Henderson nennt das Verbleiben Opels beim Konzern "den stabilsten und am wenigsten kostspieligen Ansatz zur Sicherung der längerfristigen Zukunft von Opel/Vauxhall". In der Zukunft von GM spielt Opel die Rolle des Entwicklungszentrums für Frontantriebs-Plattformen; diese Technologie wollte man nur ungern mit einem Partner wie GAZ teilen. GM werde der deutschen Regierung und anderen Regierungen demnächst seinen Restrukturierungsplan präsentieren und hoffe auf gefällige Kenntnisnahme, wird Henderson in einem Statement des Konzerns zitiert. Ob diese Kenntnisnahme gefällig sein wird, steht zu bezweifeln.

Kranker heilt Kranken

Henderson ist mit dem Plan des Verkaufes der Europa-Tochter an Magna bereits einmal beim nach dem Konkurs neu formierten Aufsichtsrat abgeblitzt. Jetzt nimmt der selbst noch keineswegs gesunde Konzern die Sanierung des langjährigen "Patienten" eigenhändig in Angriff. Aber es gehe rundum aufwärts, sagt Henderson: "Obwohl angespannt, hat die Geschäftslage in Europa sich verbessert. Gleichzeitig hat sich GMs finanzieller Gesundheitszustand innerhalb der letzten Monate deutlich verbessert, das gibt uns Zuversicht, dass der europäische Geschäftszweig erfolgreich restrukturiert werden kann." Henderson bedankt sich artig bei der deutschen Regierung für die geleisteten Anstrengungen, Freunde hat er dort und auch im Opel-Bundesland Hessen wohl keine mehr. Ein staatlicher Kredit in der Höhe von 1,5 Milliarden Euro wird übrigens Ende November fällig.

"Bedeutsame Beiträge"

3 Milliarden Dollar soll der Opel-Umbau kosten. US-Presseberichten zufolge hat das Ende des Konkurses auch das Ende der Zweckbindung der "Bailout"-Gelder aus dem amerikanischen Budget mit sich gebracht. Diese Mittel durften ursprünglich nicht außerhalb der USA verwendet werden. Die Arbeitnehmervertretung von Opel wird mit dieser neuen Entwicklung ebenfalls nicht glücklich sein. Denn die Betriebsräte haben sich ebenso auf Magna festgelegt wie die Regierung. GM werde mit den europäischen Gewerkschaften an der Ausarbeitung eines Planes für "bedeutsame Beiträge" der Arbeitnehmer zur Restrukturierung arbeiten, heißt es im Statement des Konzerns.

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