Opel Astra Sports Tourer - Fahrbericht

Opel stellt mit dem Astra Sports Tourer einen feschen und agilen Kompaktkombi auf die Räder. Wir waren auf erster Testfahrt.

Die Zeiten als ein Kombi automatisch als langweiliger Lieferwagen abgestempelt wurde, sind längst vorbei. Vor einigen Jahren galt das Hauptaugenmerk dem Nutzwert, das Auto mit dem größten Laderaum eroberte die Herzen von Familien ebenso wie jene von Fuhrparkmanagern. Mittlerweile hat sich das Bild geändert, zwar hat das Kofferraumvolumen nach wie vor klarerweise einen sehr hohen Stellenwert, aber wenn die Optik vorteilhafter ausfällt, dann verzichten die Autohersteller auch gerne auf den ein oder anderen Liter Stauraum. So geschehen auch beim neuen Opel Astra Caravan. Pardon, Sports Tourer. Caravan war gestern und klingt zu altbacken für die schicken Kombis, die Opel derzeit auf die Räder stellt. Wir hatten bereits die Möglichkeit, dem Rüsselsheimer genauer auf den Zahn zu fühlen und erste Testkilometer abzuspulen.

Die erste Überraschung gibt’s noch vor dem Einsteigen. Groß ist er geworden, fast scheint der neue Astra Kombi dem Kompaktsegment entwachsen. Der Blick auf die technischen Daten macht klar, wir haben uns nicht getäuscht. Satte 18,3 Zentimeter hat der Sports Tourer gegenüber dem letzten Caravan zugelegt. Wer sich nun über einen vermeintlich gewachsenen Laderaum freut, der wird aber enttäuscht. Konnte der Vorgänger mit Volumina zwischen 505 und 1.540 Litern aufwarten, liegt der neue Sports Tourer mit Werten zwischen 500 und 1.550 Litern auf ähnlichem Niveau. Das Ladevolumen anzuheben, hätte Opel aber in einen noch größeren Konflikt gebracht, als er mit dem Opel Insignia Sports Tourer ohnedies schon besteht. Denn der liegt mit einem Maximalvolumen von 1.530 Litern bereits jetzt hinter dem Astra, einzig der Basiswert von 540 Litern liegt etwas über dem vermeintlich kleineren Bruder. Opel hat das Ladeabteil dafür im Stile der Premium-Kombis ausgekleidet, sprich weicher Teppichboden auch an den Seitenteilen, die bündig abschließen und damit hinter den Radhäusern auch den ein oder anderen Liter Kofferraumvolumen kosten.

Aber Schönheit muss bekanntlich ein wenig leiden, seine Qualitäten als Kombi verliert der Opel aber trotzdem nicht. Zudem erfreut er mit einfacher Bedienung. Angefangen bei der wahlweise nach oben oder ganz nach vorne schwenkenden Laderaum-Rollo über praktische Griffe zum Schließen des Kofferraums bis hin zu per Knopfdruck nach vorne klappenden Rückenlehnen reicht das Angebot. Stichwort Rückenlehnen: Wer einen annähernd flachen Kofferraumboden möchte, der muss zuerst die Sitzflächen nach vorne klappen, ehe die Lehnen umgelegt werden. Bleiben wir gleich im Fond. Das Platzangebot ist durchschnittlich, vor allem hinter größeren Fahrern bleibt nicht mehr allzuviel Beinfreiheit. Fahrer und Beifahrer haben aber keinen Grund zu meckern. Zum einen hat es Opel nun endlich geschafft, die Sitzhöhe für große Fahrer zu senken, so dass man nicht am sondern im Auto sitzt. Besonderes Lob verdienen die Sportsitze, die nicht nur mit einer ausziehbaren Schenkelauflage aufwarten, sondern ob ihrer Qualität auch das Gütesiegel der "Aktion gesunder Rücken" tragen dürfen.

Bei den ersten Testfahrten standen uns zwei Motorisierungen zur Verfügung, der 160 PS starke Zweiliter Turbodiesel sowie der 140 PS 1,4 Turbobenziner. Beginnen wir mit dem Selbstzünder, dem stärksten von insgesamt vier Diesel-Triebwerken. Dass dieser Motor den Astra gut auf Trab hält, verwundert wenig, nicht zuletzt dank eines Drehmoments von 350 Nm ist auch der Durchzug sehr gut. Und auch der Verbrauch hält sich mit 5,1 Litern in Grenzen. Dennoch, in dieser Klasse werden die meisten Kunden wohl den kleineren Dieselmotoren den Vorzug geben. Den Anfang macht der bereits aus dem Meriva bekannte 1,3 Liter CTDi mit 95 PS (4,1 Liter / 100 km), der allerdings den sportlichen Genen des Sports Tourer nicht ganz gerecht werden dürfte. Dazwischen liegen zwei 1.600er mit 110 und 125 PS. Auch den von uns gefahrenen 1,4 Liter Turbobenziner mit 140 PS kennt man aus dem Meriva. Er harmoniert auch sehr gut mit dem Astra Kombi. Wer es flotter angeht, wird mit den vom Werk prognostizierten 6,1 Litern allerdings sicher nicht das Auslangen finden. Basisbenziner ist der 1,4 Liter mit 100 PS darüber gibt’s einen 1,6er mit 115 PS, einen 1,4 Turbo mit 120 PS, den erwähnten Motor mit 140 PS sowie als vorläufiges Topmodell den 1,6 Turbo mit 180 PS.

Egal welche Motorisierung, überzeugen kann das Fahrwerk des Astra, erst recht wenn er mit dem optionale IDS-plus-Fahrwerk ausgestattet ist. Im Normalbetrieb zeigt sich die Federung ausgeglichen und dennoch agil, wer die Sport-Taste drückt, bekommt das mit einer direkteren Kennlinie des Gaspedals, rot hinterlegten Armaturen sowie einer strafferen Federung quittiert. Der Tour-Button soll vor allem bei unebenen Straßen den Komfort erhöhen. Zwar zeigt sich das Fahrwerk sanfter, allerdings muss dabei auch ein gewisses Nachschwingen des Aufbaus in Kauf genommen werden, unserer Meinung nach fast ein bisschen zuviel der Gemütlichkeit. Gegenüber seinem ewigen Rivalen, dem Golf Variant, muss sich der neue Opel Astra Sports Tourer jedenfalls nicht verstecken. Was die Fahrdynamik betrifft, so hängt er den Wolfsburger ebenso ab wie beim optischen Auftritt. Die Linienführung des Opel erfreut das Auge aus vielen Blickwinkeln, mindestens 18-Zoll große Räder sind dabei aber ein Muss.

Die Preisliste beginnt bei 17.290 Euro für den 1,4 Liter Benziner und endet beim 2,0 Turbodiesel Automatik in Cosmo-Topausstattung für 26.490 Euro. Dabei handelt es sich um die so genannten "Eco-Preise", die bis zu 3.400 Euro unter den jeweiligen Listenpreisen liegen und bis auf weiteres ihre Gültigkeit haben. Unterm Strich ein äußerst fair kalkuliertes Angebot, das selbst eingefleischte Fans anderer Marken zu einem Umstieg bewegen könnte. Eine nähere Betrachtung samt Probefahrt hat sich der Astra Sports Tourer auf jeden Fall verdient.

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