Opel CNG 600 : Erdgasauto mit 600 km Reichweite

Prototyp könnte in 20 Monaten serienreif sein

"Ja, ich beobachte die aktuelle Berichterstattung zum Klimaschutz ", antworteten 94 Prozent der Befragten in einer Studie der ÖAMTC AKADEMIE. Im Lichte der Klimadiskussion nehmen erdgasbetriebene Fahrzeuge einen wichtigen Stellenwert ein. Sie verursachen kaum Feinstaub, und die CO2- und NOx-Ausstöße sind niedrig . Auf EU-Ebene wird deshalb im Straßenverkehr bis 2020 ein Erdgasanteil von zehn Prozent angestrebt. Eines der größten Probleme bisher - die geringen Reichweiten und die damit fehlende Akzeptanz . Grund genug für die Projektpartner MAGNA STEYR, TU Wien, VENTREX, Opel OSV und ÖAMTC AKADEMIE im Rahmen des A3-Technologieprogramms des Verkehrsministeriums ein serientaugliches Erdgasfahrzeug mit über 600 km Reichweite zu entwickeln.

Das präsentierte Prototyp-Fahrzeug CNG (Compressed Natural Gas) 600 ist hinsichtlich Reichweite, Gewicht, Kosten und Effizienz den derzeit am Markt erhältlichen Fahrzeugen deutlich überlegen. Für das CNG-Fahrzeug wurde von der TU Wien ein optimiertes Antriebskonzept für monovalenten , das heißt reinen Erdgasbetrieb erstellt . Das Tanksystem des Fahrzeugs zeichnet sich durch innovative Leichtbau-Verbundwerkstoffe und neue Ventiltechnologien aus. "Die Ventiltechnik ist das technologische und funktionale Bindeglied zwischen den Speichertanks und dem Verbrennungsmotor", erklärt Axel Bernt, Geschäftsführer der Firma VENTREX. Die neue Ventiltechnologie , die nicht nur funktional, sondern auch kostengünstiger als derzeit am Markt  befindliche Produkte ist, soll bereits im kommenden Jahr in der Serienproduktion zum Einsatz kommen.

Außerdem wurden im Prototyp, der auf einem serienmäßigen Opel Zafira CNG basiert, in Österreich produzierte Antriebskomponenten und moderne Energiespartechnologien wie eine Start-Stopp Anlage integriert. Energiesparendes Tagfahrlicht und rollwiderstandsreduzierte Reifen runden das Umweltprofil des Autos ab. Durch alle diese Maßnahmen konnten eine Reichweite von über 600 km sowie ein CO2-Ausstoß von rund 120 g/km erzielt werden. Darüber hinaus handelt es sich um ein kostengünstiges Fahrzeugkonzept, das heutige Ansprüche an Platz, Komfort und Reichweite erfüllt. "Aufgrund der monovalenten Auslegung des Motors (d.h. reiner CNG- oder Biomethan-Betrieb ) werden durch den Wegfall der Benzinantrieb-Bauteile die Mehrkosten der neuen CNG 600-Komponenten im Vergleich zu heutigen CNG Fahrzeugen in etwa kompensiert", erklärt Ernst Pucher von der TU-Wien. "Derzeit erhältliche Erdgas-Modelle dieser Fahrzeugklasse liegen im Anschaffungspreis auf dem Niveau von Dieselantrieben. Die Kraftstoffkosten der CNG Fahrzeuge sind um ein Drittel niedriger ."

Die Zukunft aus Sicht der Hersteller

"Nach einer Konzeptbestätigung kann in einer Entwicklungsphase von ca. 20 Monaten die Serienreife erreicht werden. MAGNA STEYR liefert dabei das komplette Tanksystem und mit dem Kooperationspartner VENTREX die Kraftstoffversorgung 'ready to rail'. Die Integration in das Fahrzeug erfolgt wiederum durch MAGNA STEYR und ist generell für alle Automobilhersteller und alle Fahrzeugsegmente möglich ", so Markus Rudolf von MAGNA STEYR zur möglichen Umsetzung des neuen Antriebskonzeptes.

Auch bei GM geht man davon aus, dass es mit dem Ausbau der Tankstellen-Infrastruktur und dem zunehmenden Umweltbewusstsein der Konsumenten eine Absatz-Steigerung von Erdgasfahrzeugen geben wird. " Neue Tanks mit höheren Reichweiten und ein extrem niedriger CO2-Ausstoß werden den Erdgasfahrzeugen eine Perspektive als Alternative zu Benzinern und Dieselfahrzeugen eröffnen. Trotz aller Innovationen muss aber die Leistbarkeit für den einzelnen Autofahrer gegeben bleiben", ist auch Jürgen Keller von GM Austria überzeugt.

Das wollen die Kunden

In einer Akzeptanzanalyse der ÖAMTC AKADEMIE zeigt sich deutlich, dass die Kunden alternative Antriebe zwar für äußerst wichtig halten, aber viele Bedenken gegen den Kauf sprechen. Von "Alternative Antriebe sind momentan nicht unsere finanzielle Klasse" bis zu "Ich habe noch zu wenig Vertrauen in die Technik" lauten die Einwände. Bei Erdgasantrieben liegen die Bedenken neben der geringen Reichweite vor allem bei einem dünnen Tankstellennetz , höheren Anschaffungskosten , der Endlichkeit von Erdgas und einem befürchteten Sicherheitsrisiko bei Betankung und Betrieb. Billiger als vermutet , variabel in den Kraftstoffen (fossiles und regeneratives Erdgas) und sicher in der Anwendung - diese Argumente der Experten stehen den Kundenängsten gegenüber. "Ein wichtiges Ziel ist die umfassende Information der Kunden und Aufklärung über den Erdgasantrieb", so Christine Zach, Leiterin der ÖAMTC AKADEMIE, in Richtung Industrie und Energieversorger.

Fazit der Projektgruppe: "Dieses Fahrzeug ist einer der Beweise dafür, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist, Mobilität und Umweltschutz in Einklang zu bringen", zeigt sich die Leiterin der ÖAMTC AKADEMIE überzeugt. Wesentlich sind die Rahmenbedingungen wie ein rascher Ausbau der Tankstelleninfrastruktur durch die Energieversorger und in der Folge eine marktgerechte Vielfalt an Fahrzeugmodellen. Ihr abschließender Appell in Richtung Politik: "Es muss eine langfristige Steuerbefreiung für Erd- und Biogas geben. Nur so kann man eine rasche Verbreitung umweltfreundlicher Fahrzeuge erreichen."

Quelle: ÖAMTC

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