Peugeot feiert 200-Jahre-Jubiläum der Marke

Als eines von wenigen Unternehmen ist es Peugeot vergönnt, ein 200-jähriges Jubiläum zu feiern. Man tut es mit einer Fülle von neuen Modellen.

200 Jahre Peugeot? So lange gibt es das Automobil doch noch gar nicht? Korrekt, das Automobil nicht, aber die Marke Peugeot. Am 19. Juni 1810 nämlich begannen die Franzosen mit der industriellen Produktion von Sägeblättern, 1848 kam der Löwe als Markenzeichen ins Spiel, als Symbol für Schnelligkeit, Elastizität und Robustheit. 1886 startete man schließlich mit Fahrrädern und Motorrädern, das erste Fahrrad war das "Grand Bi", ein der damaligen Mode entsprechendes Hochrad. Bereits im 19. Jahrhundert widmete man sich modernen sozialen Errungenschaften, wie Arbeiterwohnungen, Genossenschaften oder Firmenpensionen.

Mit der Automobilproduktion begann Peugeot im Jahr 1891. Lange stritten Historiker, wer denn das erste Automobil auf die Räder gestellt hatte, im Rennen waren auch noch Gottlieb Daimler (Deutschland) und Siegfried Marcus aus Österreich. Heute gilt es jedoch als erwiesen, dass Daimlers Motorkutsche von 1886 das erste Automobil mit Verbrennungsmotor war. In einem Punkt war Peugeot jedenfalls am schnellsten: Bei der Erfindung des Coupé-Cabriolets, also des Stahldach-Cabrios. Den 401 Eclipse gab es nämlich bereits in den 1930er-Jahren. Die Technik war damals aber derart unzuverlässig, dass man den Gedanken wieder fallen ließ. Bekanntlich wurde das Konzept erst 1996 von Mercedes (SLK) wieder aufgegriffen und gehört heute zu den Fixpunkten im automobilen Leben.

Bis jetzt fertigt Peugeot neben Automobilen der eigenen Marke (inzwischen hält man bei 55 Millionen) plus Citroen auch Kaffee-, Salz- und Pfeffermühlen sowie Werkzeuge und Fahrräder, letztere jedoch als Lizenzprodukte. Motorroller gehören ebenfalls nach wie vor zum Portfolio. Dazwischen widmete man sich unter anderem auch der Produktion von Radios (1950er-Jahre), Mixern und Spülmaschinen (1960er-Jahre) und - notgedrungen - auch Waffen (während des Zweiten Weltkrieges). Als neue Idee präsentierte man in der zweiten Jahreshälfte 2009 zunächst in Frankreich "Mu by Peugeot": Ein neuartiges Mobilitätsangebot, bei dem man über ein Prepaid-Konto tage- oder auch stundenweise das komplette Angebot von Peugeot - von Autos über leichte Nutzfahrzeuge und Motorroller bis hin zu Fahrrädern - ausleihen kann. Das Konzept wird nun nach und nach in Europas Hauptstädten eingeführt. Heute zeigt man sich im Alter von 200 Jahren gut aufgestellt wie nie. Neben den europäischen Werken verfügt man über Produktionsstätten in China und Südamerika. Für China gibt es etwa mit dem 408, einem verlängerten 407, ein eigenes Modell, in Brasilien mit dem 207 Hoggar einen Pick-Up.

Auch im Motorsport zeigte Peugeot immer wieder auf: Man denke nur an den legendären 205 Turbo 16, der in den 1980er-Jahren selbst dem mächtigen Audi Quattro keine Chance ließ. Oder den Peugeot 908, der mit Dieselmotor beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans aufzeigte und im Vorjahr unter anderem mit Alexander Wurz am Steuer sogar gewinnen konnte. Ein Sieg, den Wurz am 13. Juni verteidigen will. Obwohl die Fahrzeug-Auslieferung in Europa im ersten Quartal 2010 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2009 "nur" um 8,9 Prozent wuchs, gelang der Marke Peugeot eine Steigerung von satten 26,4 Prozent, der Marktanteil liegt nunmehr bei acht Prozent. Für die Zukunft will man sich unter den Autoherstellern weltweit von Platz zehn auf sieben verbessern, dafür sollen unter anderem 14 neue Modelle zwischen 2010 und 2012 sorgen.

Nicht nur dem Löwen vergönnte man zum Jubiläum ein Redesign im Metallic-Look, auch das Design der Fahrzeuge soll sich in Zukunft wieder ändern. Der Kühlergrill-"Mund" wird in Bälde wieder kleiner, die Scheinwerfer-"Augen" werden weniger mandelförmig. Vorbild dafür: die Designstudie SR1. Dennoch sollen auch zukünftige Modelle auf den ersten Blick als Peugeot erkennbar sein. Ein Vertreter dieser neuen Generation wird der derzeit noch als Studie "5byPeugeot" bekannte 409 sein, der im September auf dem Pariser Autosalon Premiere feiern wird. Er ersetzt in einem Schwung 407 und 607 und wird sich auch größenmäßig zwischen seinen beiden Vorgängern einreihen. Damit verfährt man nach dem Prinzip Alfa Romeo (der 159 ersetzte 200x den 156 und den 164), und besinnt sich seiner Wurzeln: Bei Kleinwagen, Kompaktautos und in der Mittelklasse war und ist Peugeot einfach stärker als in der Oberklasse. Einziges französisches Luxusauto - der Renault Vel Satis ist ja inzwischen ebenfalls Geschichte - bleibt somit der Citroen C6. Nicolas Sarkozy & Co. wollen die "Grand Nation" schließlich würdig repräsentieren.

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