Peugeot RCZ - Fahrbericht

Er schaut gut aus, ist mit Preisen ab 28.400 Euro erschwinglich und er wird in Österreich gebaut. Die erste Testfahrt mit dem RCZ verlief vielversprechend.

Komplettes Neuland betritt Peugeot nun mit dem Coupé RCZ . Der erste reinrassige Sportwagen im Programm der Franzosen setzt auf flinke Turbomotoren in Kombination mit kompakten Abmessungen und fordert so Wettbewerber wie Audi TT oder VW Scirocco heraus. Die Preisliste für den ab Ende April erhältlichen 2+2-Sitzer startet bei 28.400 Euro, gebaut wird der schicke Löwe bei Magna in Graz, womit man auch als Österreicher durchaus stolz auf dieses Auto sein kann. Das neue Sportcoupé wurde von Magna Steyr in einem Entwicklungszeitraum von rund zwei Jahren zur Serienreife geführt und wird seit Beginn 2010 am Standort Graz produziert. Ziel ist es, die Stückzahlen bis 2011 auf 20.000 Fahrzeuge zu steigern.

Seine Existenz verdankt der etwas untypische Peugeot einer Design-Studie, die 2007 auf der IAA für Furore sorgte. So ein emotionales Modell wie das dort gezeigte geduckte Coupé mit dem auffälligen Doppelkuppeldach war von den Franzosen lange nicht mehr zu sehen gewesen. Die schnell beschlossene Serienversion setzte die Gestaltungselemente dann konsequent um: Die Front trägt das große Haifischmaul der Marke, die Passagiere nehmen unter zwei höckerartigen Dachwölbungen Platz, das Heck läuft hinter der C-Säule noch ein ganzes Stück weiter, bis es in einem ausfahrbaren Spoiler endet. Der darunter liegende Kofferraum ist mit 321 Litern Fassungsvermögen ausreichend groß. Auffälligstes Stilmerkmal sind jedoch die im Alu-Look gehaltenen Bögen der Dachholme, die für ein hohes Wiedererkennungspotenzial der Seitenansicht sorgen. Sie sind zwar eigenständig, zeigen aber auch Parallelen zum Profil des Audi TT. Im Innenraum setzt sich die Qualitätssteigerung der neueren Modelle der Marke fort. Authentisch wirkendes Kunstleder, gegen Aufpreis echtes Leder, Klavierlack und Chromapplikationen für die Instrumente sorgen für einen hochwertigen Eindruck. Das Raumangebot für Fahrer und Beifahrer ist recht luftig. Die Fondpassagiere haben es allerdings ziemlich eng, Erwachsenen sind die beiden Plätze kaum zuzumuten.

Auch motorseitig gibt es Premieren. Standesgemäß feiert im RCZ die neue Top-Leistungsstufe des Vierzylinder-Turbobenziners der Löwenmarke Premiere. Der 1,6-Liter-Motor entstammt der Kooperation mit dem BMW-Konzern und kommt in dem Sportwagen auf 147 kW / 200 PS, allerdings erst ab Sommer 2010. Wie seine schwächeren Verwandten, die bereits aus diversen Peugeot- und Mini-Modellen bekannt sind, überzeugt das Triebwerk in der aktuell höchsten Ausbaustufe durch Spritzigkeit, gleichmäßiger Leistungsentfaltung und hoher Drehfreude. Lediglich im untersten Drehzahlbereich gibt sich der kleinvolumige Motor etwas zu zurückhaltend. Zu einer richtigen Rakete wird der ab 32.200 Euro erhältliche Fronttriebler aber trotzdem nicht, der Spurt von null auf 100 dauert 7,6 Sekunden. Ein Audi TT mit ähnlichen PS-Werten ist knapp eine Sekunde schneller, auch der VW Scirocco bleibt unter sieben Sekunden. Dafür hat der Peugeot beim Normverbrauch mit 7,0 Litern die Nase wieder deutlich vorn.

Einstiegsmotor ist eine etwas schwächere Version des Motors mit 115 kW / 156 PS, die 3.800 Euro preiswerter ist und 6,9 Liter Super verbraucht. Auf der Dieselseite gibt es zudem einen neuen 2,0-Liter-Motor mit 120 kW / 163 PS, der mit bulligem Drehmoment überzeugt und laut Werksangabe nur 5,4 Liter auf 100 km verbraucht. Kostenpunkt: 30.900 Euro.

Kompromisslos sportlich will der kompakte Zweitürer aber auch nicht sein. Zwar überzeugt der 200-PS-Benziner mit agilem und straffem Fahrwerk, knackiger Schaltung und sportlichem Sound, die anderen Motorversionen sind jedoch etwas komfortabler abgestimmt und nur gegen Aufpreis mit dem in der Top-Version serienmäßigen Sportpaket zu haben. Insgesamt gibt sich der RCZ beim Fahrverhalten sicher und unkompliziert, auch die stärkste Ausführung zeigt kaum Antriebseinflüsse in der Lenkung oder Traktionsprobleme. Eine elektronische Differentialsperre, wie sie bei Wettberwerbern zu haben ist, gibt es nicht und sie scheint auch nicht nötig.

Preislich liegt der Peugeot fast exakt auf dem Niveau des VW Scirocco, die Ausstattung ist dafür bereits in der Basisversion umfangreich und bietet unter anderem Klimaautomatik, 18-Zoll-Felgen, CD-Radio und Parksensoren fürs Heck. Unterm Strich ist der neue Peugeot ein interessantes Nischenangebot. Er vereint ungewöhnliches Design, sportliche Fahrleistungen und einen guten Schuss Alltagstauglichkeit. Vor allem seine Karosserie gibt ihm Charakter. Denn im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern ist das Sportangebot von Peugeot in der Kompaktklasse kein optisch an eine Steilhecklimousine angelehntes Coupé, sondern ein eigenständiger Sportwagen.

mid/hh

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