Renault Wind - Fahrbericht

Der auf dem Twingo basierende Renault Wind gefällt mit pfiffigem Verdeckmechanismus. Echtes Cabriofeeling vermittelt der Franzose aber nur bedingt.

Mit dem offenen Zweisitzer Wind verdoppelt Renault sein Angebot an Klappdach-Modellen. Besonderheit des in zwei Motor- varianten ab 16.990 Euro angebotenen Freiluft-Minis: Durch Öffnen des Dachs gibt es keinen Verlust an Kofferraum.

Wenn ein Auto die Erwartungen nicht erfüllt, die sein Name weckt, ist es oft schädlich für das Produkt. Beim neuen Renault-Roadster ist das anders. Er heißt zwar "Wind", doch selbst bei offenem Verdeck merkt man kaum etwas davon. Auf Zugluft-Probleme müssen sich die Insassen also nicht einstellen, wenn das Auto ab Anfang September auf dem österreichischen Markt zu haben ist. Heftige Konkurrenz muss der vom Twingo abgeleitete Oben-Ohne-Flitzer dabei nicht mehr fürchten: Viele Wettbewerber wie der Nissan Micra CC, der Mitsubishi Colt CZC und der Opel Tigra Twintop haben sich unlängst mangels Akzeptanz vom Markt verabschiedet. Der Wind, den Renault mit seinem neuen Modell entfesselt, beweist also Mut. Zu einem Erfolgsfaktor könnte aber die innovative Dachkonstruktion werden. Sie verhindert, was auch bei Klappdach-Cabrios der Mittelklasse immer wieder die Freude am Offenfahren dämpft: Die zwei- oder dreiteiligen Hauben kosten beim Verstauen unter dem Heckdeckel eine Menge Kofferraum. Nicht so beim Wind. Der Trick liegt in einem doppelten Boden, denn das Gepäckabteil hat praktisch zwei Abdeckungen. Die Dachabdeckung liegt in Ruhestellung auf dem Kofferraumdeckel. Sie ist in Wagenfarbe lackiert und hinten angeschlagen. Zum Öffnen schwingt sie zunächst senkrecht nach oben.

Dann klappt das ebenfalls hinten angeschlagene Dachsegment auf einer Achse in Höhe der B-Säule um 180 Grad nach hinten, bis es mit der Oberseite nach unten auf der Heckklappe ruht. Schließlich senkt sich die Dachabdeckung wieder in die Ausgangslage. Soll das Auto bei geöffnetem Dach mit Gepäck beladen werden, zeigt sich der Nachteil des Systems, denn drei Abdeckungen müssen gleichzeitig nach oben bewegt werden. Das ist entsprechend mühselig und fordert die Gasdruckdämpfer gewaltig. Versöhnlich stimmt allerdings der Blick auf rund 270 Liter Stauraum - das ist etwa doppelt so viel wie der Klassenstandard. Die Bewegung des Dachteils erfolgt elektrisch, es muss zuvor jedoch manuell eine Verriegelung betätigt werden. Der ganze Vorgang dauert nur zwölf Sekunden, was rekordverdächtig ist. Allerdings funktioniert das Öffnen bzw. Schließen nur im Stand.

Entsprechend seiner überschaubaren Gesamtlänge von 3,83 Metern ist der Wind mit zwei handlichen Motoren ausgestattet. Die beiden Vierzylinder-Benziner haben 1,2 Liter und 1,6 Liter Hubraum, wovon der kleinere mittels Turbolader 74 kW / 101 PS leistet. Für ein gerade 1.200 Kilogramm leichtes Fahrzeug scheint das ausreichend, doch wer in der Beschwingtheit des sonnenverwöhnten Fahrerlebnisses das Runterschalten vergisst, wird an der nächsten Anhöhe mit der kompletten Abwesenheit von Drehmoment bestraft. Es empfiehlt sich also, den Drehzahlmesser stets im Auge zu behalten und möglichst ein Abfallen der Kurbelwellen-Umdrehungen zu vermeiden. Denn die komplette Zugkraft von 152 Newtonmetern wird erst bei 3.500 Touren freigesetzt.

Dass die drehzahlorientierte Fahrweise guten Verbrauchswerten nicht förderlich ist, versteht sich von selbst. Die vom Hersteller postulierten 6,3 Liter sind so nicht erreichbar. Das 1,6-Liter-Triebwerk kommt ohne künstlichen Druck aus und gibt 98 kW / 133 PS ab. Ein Dieselmotor oder eine Automatik-Schaltung sind nicht vorgesehen. Für beide Motoren ist zum Marktstart ein Fünfgang-Schaltgetriebe verfügbar, das sich auf den ersten Testkilometern zwar als leichtgängig, aber auch etwas unpräzise und teigig zeigte. Das gleiche gilt für die Lenkung. Dank Servounterstüzung ist der notwendige Kraftaufwand gering, doch kann es vorkommen, dass im zügig durchfahrenen Serpentinenkurs die eine oder andere Lenkkorrektur erforderlich wird. Ein wenig mehr Direktheit und Rückmeldung von der Straße könnte hier nicht schaden. Eine Längsverstellung der Lenksäule fehlt leider.

Während der Fahrt bleiben die Strömungs- und Zugluftverhältnisse im Innenraum auf einem angenehmen Niveau. Selbst bei versenkten Seitenscheiben ist die Fahrt im Landstraßentempo durchaus ein Genuss, das niedrige Geräuschniveau lässt eine entspannte Unterhaltung der Passagiere zu. Die Platzverhältnisse im Innenraum sind ausreichend, aber nicht üppig. Vier Airbags schützen die Insassen im Falles eines Aufpralls. Bereits in der Wind-Grundausstattung sind zudem Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrische Fensterheber und elektrisch einstellbare Außenspiegel an Bord. Hinzu kommt das MP3-taugliche 2x20-Watt-CD-Radio mit Lenkradbedienung und Sitzbezüge in Stoff-/Leder-Optik. Die gehobene Ausstattung "Edition" bietet zusätzlich eine Klimaautomatik, dazu kommen Regen- und Lichtsensor. Die Lederpolsterung dieser Ausstattungsoption wird durch eine Sitzheizung ergänzt. Schade: ESP bleibt serienmäßig der Top-Version vorbehalten, im Basismodell sind dafür 385 Euro extra zu berappen.

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