Renault Z.E. Elektroautos - Fahrbericht

Der französische Hersteller Renault setzt in Zukunft ganz auf Elektroautos. auto-motor.at hatte schon Gelegenheit, die ersten Prototypen zu fahren.

Während sich viele Hersteller erst jetzt über alternative Antriebskonzepte den Kopf zu zerbrechen beginnen, hat Renault schon vor Jahren die Weichen Richtung Elektroauto gestellt. Die bei der Renault Z.E. Roadshow präsentierten Prototypen sind daher schon fast seriennahe, der Europa-Verkaufsstart soll bereits im Herbst 2011 anlaufen. In Österreich werden die ersten Autos im Frühjahr 2012 eintreffen. Als erste Modelle gibt es den Kangoo Z.E. und den Fluence Z.E., beide Versionen basieren auf den schon derzeit erhältlichen Serienmodellen. Später sollen die momentan nur als Studien verfügbaren Modelle Twizy Z.E. als agiles Stadtfahrzeug für zwei Personen und der Zoe Z.E. als Alternative in der Kompaktklasse nachgereicht werden.

Vor dem Verkaufsstart müssen jedoch noch einige Hürden genommen werden, um diese neue Technologie auch der breiten Masse zugänglich zu machen. Diese liegen vor allem in der Infrastruktur, wo Renault Österreich gerade dabei ist, Partner zu finden.
Das Vertriebsmodell soll sich nämlich als "all-in-one"-Paket präsentieren, d.h. Auto, Batterien und Energie werden in einem Paket vom Händler angeboten. Erste Modellregionen, wo ein solches System gerade eingeführt wird, gibt es schon. In Deutschland arbeitet Renault mit der RWE zusammen, welche die Ladestationen und den Strom zur Verfügung stellen. Städte und Kommunen sind hier auch mit im Boot, um das Thema "Elektroauto" zu forcieren.

Der Grundpreis des Autos, ohne Batterien, soll dabei nicht höher als der Preis für das gleiche dieselbetriebene Modell liegen - je nach Förderung ist das in einigen Ländern erreichbar. In Frankreich gibt es zum Beispiel eine Förderung in der Höhe von 5.000 Euro, auch für Privatpersonen. In Österreich kann man mit solchen Angeboten leider (vorerst) nicht rechnen, wodurch der Kaufpreis vermutlich etwas höher ausfallen wird. Für die Batterien, die Lademöglichkeit und die Energie soll es dann ein Mietsystem geben, bei dem der Kunde diese Leistungen in einer monatlichen Rate zur Verfügung gestellt bekommt. Der Vorteil bei diesem System ist, dass der Kunde sich wegen der Batterien keine Sorgen machen muss, da diese im Falle eines Leistungsverlusts oder anderer technischer Schwierigkeiten nicht im Besitz des Kunden sind, sondern Angelegenheit des Händlers. So möchte Renault der berechtigten Angst der Kunden bezüglich teurer Batteriewechsel entgegenwirken. Die Gesamtkosten sollen für die Elektroautos jedoch nicht höher ausfallen als für das gleiche Modell mit herkömmlicher Antriebstechnik. Grund sind die (noch) wesentlich niedrigeren Energiekosten, die Reduzierung von Wartungskosten und der Entfall der motorbezogenen Versicherungssteuer.

Hat man einmal das Thema Haltbarkeit der Batterien vom Tisch, kommen von vielen Skeptikern Zweifel an der begrenzten Reichweite von Elektroautos. Zum Start geht man sowohl beim Kangoo Z.E. als auch beim Fluence Z.E. von einer Reichweite von 160 Kilometern aus. Zugegebenermaßen nicht viel, jedoch sollte man bedenken, dass 87 % aller Autofahrer weniger als 60 Kilometer pro Tag zurücklegen und somit potentielle Kunden wären. Für die Ladung der Batterie gibt es zudem drei Möglichkeiten.

  1. Die Standardladung, die über eine herkömmliche 220 Volt-Leitung von zu Hause oder dem Büro erfolgen kann und zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigt.
  2. Die Schnellladung an einer 400 Volt-Ladestation, wo rund 80 % der Batterieleistung schon nach 20 bis 30 Minuten zur Verfügung stehen, oder
  3. Das "Quick-Stop" System, dessen Infrastruktur in einigen europäischen Ländern aufgebaut wird und bei dem der Wechsel der Batterie innerhalb von 3 Minuten vollautomatisch mittels Computersteuerung erfolgt.

Zusätzlich sind die Autos auch mit einem intelligenten Navigationssystem ausgestattet, das bei Zieleingabe schon errechnet, ob die Leistung ausreicht, um ans Ziel zu kommen. Sollte dies nicht der Fall sein, sucht das System automatisch nach einer Schnellladestation, oder einem Quick-Stop-Partner auf bzw. in der Nähe der gewählten Route und schlägt diese Möglichkeit vor.

Hört sich ja alles sehr gut an, nur wie fährt sich denn nun so ein Elektroauto? Blicken wir dazu vorerst einmal auf das technische Datenblatt: Für den Kangoo Z.E. haben wir eine Leistung von 44 kW (60 PS) bei 10.500(!) U/Minute und ein maximales Drehmoment von 226 NM. Dieses steht jedoch sofort beim Start zur Verfügung. Beim 4,74 Meter langen Fluence beträgt die Leistung 70 kW (95 PS) bei 11.000 U/Minute und ebenfalls 226 NM Drehmoment. Beide Modelle haben aber noch eine rund 250 Kilo schwere Batterie an Bord, die beim Kangoo in Unterflurbauweise unter dem Ladeboden steckt und beim Fluence einen Teil des Kofferraums ausfüllt. Damit das Volumen des Kofferraums nicht beeinträchtig wird, ist die Elektroversion des Fluence um 13 cm länger als die Version mit Verbrennungsmotor! Beim Fluence kommen gewichtsmäßig noch rund 40 Kilo für die Schutzhülle der Batterie hinzu, welche im Falle eines Unfalls die Sicherheit gewährleisten soll, immerhin möchte man auch mit diesem Auto die 5 Sterne im NCAP Crashtest erreichen. Alle, die jetzt schon milde zu lächeln beginnen und fürchten, lahme Enten fahren zu müssen, sollten sich nicht täuschen! Durch die hohe Energieeffizienz des Elektroantriebs von rund 90 Prozent hat man einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als mit einem herkömmlichen Antrieb, der eine Energieeffizienz von nur rund 25 Prozent aufweisen kann.

Also drehen wir mal schnell den Zündschlüssel des Fluence Z.E. um und probieren, wie die Leistung in der Praxis zu bewerten ist. Das einzige, worauf nun zu achten ist, ist ein grünes Leuchtsymbol in den Armaturen, welches zeigt, dass das System bereit ist - denn selbst der laufruhigste 12 Zylinder-Motor dieser Welt kann nicht einmal annähernd so leise und ruhig starten wie der Elektromotor, und nur durch das Licht merkt man, ob der Motor läuft oder nicht. Dann kann man schon den Automatikwählhebel auf "D" stellen, und der Fluence zieht beim kleinsten Druck auf das Gaspedal lautlos weg, als ob man in einem Sportwagen unterwegs wäre. Mit einer Leichtigkeit und ohne merkbare Kraftanstrengung geht der Tachozeiger schnell Richtung 100 km/h. Wirklich beeindruckend sind die Laufruhe und die absolute Ruhe und Leichtigkeit, mit der sich der Fluence fahren lässt. Gerade im Stadtbetrieb, für den diese Autos vor allem ausgelegt sind, ist man so komfortabel wie in einer Luxuslimousine unterwegs. Man erschreckt richtig wenn man den Blinker betätigt, da das Blink-Geräusch die totale Ruhe, die bei 50 km/h im Innenraum herrscht, vehement durchbricht. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 135 km/h erreicht, dann wird der Fluence elektronisch abgeregelt.

Der Kangoo Z.E. ist auf den ersten Metern genauso flink unterwegs, hier merkt man durch die geringere Leistung aber ab 60 km/h schon eine höhere Anstrengung als beim Fluence Z.E. Es ist auf jeden Fall ein sehr beeindruckendes Erlebnis, die beiden Elektrofahrzeuge zu bewegen, und es hat auch einen gewissen Suchtfaktor. Man muss auch bedenken, dass sich die Entwicklung der Elektromotoren, und vor allem auch der Batterien, noch in einer Anfangsphase befindet, und der Status Quo noch weit von in Zukunft Möglichem entfernt ist. Nehmen wir nur den Dieselmotor als Beispiel: Dieser hat Jahrzehnte als rauer Lastesel sein Dasein gefristet, bis er im PKW Beachtung gefunden hat. Und da hatte man dann voller Stolz 75 PS, die nagelnd um die Wette gezittert haben. 20 Jahre später haben wir nun Dieselmotoren mit über 250 PS Leistung und einer Laufruhe, die Benzinmotoren schon oft nahe kommt. Wenn die Batterien kleiner werden und gleichzeitig die Reichweite zunimmt, wird es noch viel mehr Gründe für ein Elektroauto geben. Aber selbst bis zum Start im Jahr 2012 kann man noch mit einigen Änderungen und Verbesserungen rechnen, da die Technologie laufend erweitert wird. Das Fahren mit einem Elektroauto ist auf jeden Fall überzeugend und wohl die angenehmste Möglichkeit von A nach B zu kommen, seit es Autos gibt - solange B nicht weiter als 160 km von A entfernt ist.

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