Der neue Saab 9-5 : Fahrbericht

Ab sofort ist der neue Saab 9-5 auch in Österreich erhältlich. Auto-Motor.at konnte schon erste Fahreindrücke sammeln.

Saab hatte die letzten Jahre eine große Durststrecke hinter sich zu bringen. Die Meldungen, ob Saab von GM verkauft wird, doch behalten wird, oder in die Insolvenz schlittert, wechselten öfters als das Wetter im April. Großes Aufatmen gab es dann nicht nur bei den Saab-Mitarbeitern, sondern bei allen Saab-Fans, als Anfang 2010 der Verkauf der schwedischen Marke an den Sportwagenhersteller Spyker fixiert wurde. Seit diesem Zeitpunkt war dann auch die Weiterführung der Marke und vor allem die Einführung des neuen Saab 9-5 gesichert.

So mancher Konkurrent hätte vermutlich eine andere Lösung lieber gesehen, denn schon bei den ersten Präsentationen merkte man, dass der neue 9-5 ein großer Wurf ist. Die Optik weckt Erinnerungen an alte Saab-Tage und an Kampfflugzeuge, beides jedoch perfekt vereint. Man erkennt auf den ersten Blick, dass es sich um einen Saab handelt - und zwar um einen waschechten Saab. Auch wenn unter dem Blechkleid und bei den elektronischen Hilfssystemen noch so manches aus dem GM-Regal kommen mag, sowohl außen wie auch im Innenraum ist der neue 9-5 eindeutig ein Saab, und nichts erinnert an eine Verwandtschaft mit einem GM-Produkt.

Die geschwungen Linien der Außenhaut lassen wohl nicht nur Saab-Fans das Herz höher schlagen, der Wagen wirkt von jeder Perspektive stimmig. Der Innenraum bietet dann eine tolle Mischung aus komfortabler Limousine und Flugzeugcockpit, wo man aber auch auf den ersten Blick erkennt, dass man in einem Saab sitzt. Zwar gibt es beim schlüssellosen Zugangs- und Startsystem kein Zündschloss, der Start/Stopp-Knopf liegt jedoch wie gewohnt hinter dem Schaltknauf auf der Mittelkonsole. Die Instrumente sind komplett neu, und doch ist auch hier sofort die Saab-Handschrift erkennbar. Der große Tacho hat nun in der Mitte einen Bordcomputer, der einem auch mit Hilfe der Straßenschilderkennung die Geschwindigkeitslimits und Überholverbote einblendet, ein Tool das sehr praktisch ist und bei unserer ersten Testfahrt einwandfrei funktioniert hat. Neu hingegen ist das Head-up-Display, das je nach Wunsch verschiedene Informationen ins Sichtfeld des Fahrers projeziert. Angefangen von Geschwindigkeit und Drehzahlmesser bis hin zu Navigationsinformationen ist alles über das Display abrufbar.

Bei den Motoren hat der Kunde vorab die Wahl zwischen einem 2,0 Liter Turbo Benzinmotor mit 220 PS (162 kW), der auch mit Allradantrieb erhältlich ist, dem 2,8 Liter V6 Turbo mit 300 PS (221 kW), der ausschließlich mit Allradantrieb und 6-Gang-Automatik angeboten wird, und einem 2,0 Liter TiD Diesel mit 160 PS (118 kW).

Wir haben für eine erste Ausfahrt den Diesel mit Automatik und das Topmodell, den 2,8 V6 Turbo, gewählt. Schon der 160 PS Diesel kann mit einem Drehmoment von 350 NM bei 1,750 U/Min aufwarten. Hier merkt man keine Spur von Turboloch oder Anfahrschwäche, der Saab hängt schon bei niedrigen Drehzahlen gut am Gas und beschleunigt die mindestens 1.750 kg schwere Limousine in 10,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 209 km/h, und der Verbrauch im Schnitt bei 6,8 Liter. Noch mehr Fahrspaß gibt es natürlich im 300 PS starken V6 Turbo. Schon beim kleinsten Druck auf das Gaspedal zieht die Nadel der Turboanzeige hoch und man wird richtig in die äußerst angenehmen Ledersitze gepresst.

Dank Allradantrieb ist auch das Fahrverhalten vorzüglich, und die Leistung kann hier auch gut auf die Straße gebracht werden. Der Fahrer hat zudem noch die Möglichkeit, Fahrwerk, Lenkung und Schaltung mittels Drehknopf in der Mittelkonsole zu individualisieren. Man kann zwischen Sport-, Intelligent- und Comfort-Modus wählen, wobei im Sport-Modus auch individuelle Anpassungen möglich sind. Die serienmäßige 6-Gang-Automatik schaltet butterweich und hat auch immer sehr schnell den passenden Gang parat. Gerade auf Landstraßen und bei Überholvorgängen ist das sehr angenehm. Der 2,8 Liter Turbomotor beschleunigt den 9-5 in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, und erst bei 250 km/h ist der Vorwärtsdrang beendet. Dass man in einer 5 Meter langen Limousine unterwegs ist, würde man beim Fahren nicht merken, so leichtfüßig lässt sich der Saab 9-5 bewegen. Erst wenn man sich das Platzangebot näher betrachtet, merkt man die Fahrzeuggröße. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Reihe gibt es genug Platz, und mit 515 Liter ist auch das Kofferraumvolumen ordentlich bemessen.

Das alles hat natürlich seinen Preis. Die günstigste Variante, einen Saab 9-5 zu fahren, ist der 2,0 TiD mit 160 PS und manueller Schaltung in der Linear-Ausstattung, für den genau 39.000 Euro einkalkuliert werden müssen. Mit dabei sind dann, neben den obligatorischen Sicherheitsfeatures, schon eine 2-Zonen Klimaautomatik, ein Radio mit CD-Player und Premium-Sound-System und der Bordcomputer. Bei der Vector-Ausstattungslinie kommen dann noch serienmäßig 17 Zoll Leichtmetallräder, ein Tempomat und eine Stoff-Leder Kombination bei den Sitzen hinzu. Hier sollte man dann 41.150 Euro zum Saab-Händler seines Vertrauens mitnehmen. Für das Topmodell, den 2,8 Liter V6 in Aero-Ausstattung, sind 63.180 Euro fällig, hier sind dann aber unter anderem schon Bi-Xenon-Scheinwerfer, Ledersitze, Sportfahrwerk und 19 Zoll Aluräder mit dabei.

Im Vergleich zur Konkurrenz aus Deutschland immer noch sehr faire Preise, und auch in puncto Verarbeitungsqualität und Materialanmutung muss sich der Saab nicht verstecken. Saab-Fans mussten 13 Jahre auf einen neuen 9-5 warten, wenn man aber das Endprodukt jetzt sieht, muss man sagen, dass es sich ausgezahlt hat, zu warten und man nun den wohl besten Saab aller Zeiten kaufen kann.

           

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