Toyota Landcruiser 300 - Fahrbericht

Die 4. Generation des Toyota Landcruiser legt bei Geländegängigkeit und Onroad-Qualität noch ein Schäuferl nach.

Nur wenige Modellreihen können auf eine dermaßen Lange Tradition zurückblicken wie der Toyota Landcruiser . In den knapp sechs Jahrzehnten seines Daseins hat sich zwar einiges verändert, dass man sich aber mehr denn je auf seine Grundwerte verlassen kann, haben wir bei einer ersten Ausfahrt erfahren. Noch lange bevor der Begriff SUV geprägt wurde, wühlte sich der Landcruiser bereits durch den Gatsch. Hier erkennt man gewisse Parallelen zum Land Rover Defender. Während sich der im Laufe der Jahre aber kaum verändert hat, ist der Sprung der vierten Landcruiser-Generation ein großer. Weniger was die Optik betrifft, hier ist auch das neue Modell sofort als Landcruiser zu erkennen. Wesentlicher sind die hinzugekommenen elektronischen Helferlein. Wir sprechen hier nicht von Komfort-Features, sondern vielmehr von waschechten Offroad-Qualitäten.

Im Driving-Center Pachfurth bewies der Japaner eindrucksvoll, was mit einem modernen Geländewagen alles möglich ist. Das Multi-Terrain-Select-System kennen wir in ähnlicher Form schon von Land Rover, je nach Einsatzgebiet lassen sich hier die richtigen Fahrzeugparameter wie Steine, Schlamm etc. vorwählen.

Zudem warten ein Mittel- und ein Hinterachs-Sperrdifferenzial auf Aktivierung, dann ist sich der Landcruiser auch nicht zu schade, ein steiles Bachbett zu erklimmen. Unterstützung bekommt der Fahrer dabei von mehreren Kameras. Eine davon zeigt das Bild vor dem Fahrzeug inklusive dem Lenkwinkeleinschlag. Besonders bei Kuppen ein äußerst hilfreiches Feature. Im extremen Gelände lernt man auch schnell die Qualitäten der "Crawl-Control" zu schätzen. Aktiviert man diesen Kriechgang, so arbeitet sich der Toyota in fünf wählbaren, extrem niedrigen Geschwindigkeiten - 0,8 - 5 km/h - ohne Betätigung von Gas oder Bremse steile Passagen hinauf oder hinunter. Es ist dies quasi die Weiterentwicklung einer reinen Bergabfahrhilfe.

Gelände hin oder her, in der Praxis ist das Fahrverhalten auf der Straße für den Großteil der Kunden doch wichtiger. Und auch hier haben die Ingenieure kräftig Gehirnschmalz eingesetzt. Dank der dynamischen Fahrwerkskontrolle KDSS ist die Seitenneigung in flotten Kurven verhältnismäßig gering. Im Gelände hingegen, ist dank des Ausgleichssystems die volle Achsverschränkung möglich.

Man merkt dem Landcruiser 300 onroad dennoch an, dass er eigentlich fürs Gelände gebaut wurde, eine gewisse Schwerfälligkeit bleibt jedenfalls bestehen. Mitschuld daran hat freilich auch das Dieseltriebwerk, für das sich stolze 98 Prozent aller Kunden entscheiden werden. Mit seinen 173 PS ist der Dreiliter-Vierzylinder zwar ausreichend motorisiert, Spritzigkeit sucht man aber vergebens. Dafür können sich Verbrauch (8,1 Liter / 100 km) und der CO2-Ausstoß von 214g für ein Fahrzeug dieser Größenordnung durchaus sehen lassen.

Mit 10,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt der Sechszylinder-Benziner rund drei Sekunden schneller. Allerdings schluckt er alle 100 km auch drei Liter mehr. Der Leiterrahmen des Landcruiser 300 ist übrigens vorne so niedrig ausgearbeitet, dass bei einem eventuellen Crash mit einem normalen PKW auch dieser die maximale Aufprallenergie absorbieren kann. Werfen wir noch einen Blick in den Innenraum. Dort geht es je nach Ausstattungsstufe beschaulich rustikal (Terra) bis luxuriös und edel (President) zu.

Mit dem Ambiente steigt freilich auch der Preis, während der dreitürige Landcruiser in Terra-Ausstattung bereits ab 44.941 Euro beim Händler steht, kostet das Topmodell in fünftüriger President-Ausstattung stramme 83.376 Euro. Während draußen 4x4 arbeitet, gibt’s drinnen 7.1 Dolby auf die Ohren, eine elektrisch klappbare dritte Sitzreihe darf dann natürlich ebenso fehlen wie ein großes Navigations-System samt Festplatte oder ein adaptiver Tempomat. Die neuen Toyota Landcruiser 300 stehen ab Jänner 2010 beim Händler.

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