Der neue VW Jetta - Fahrbericht

Mit der neuen Jetta-Generation bietet VW eine interessante Limousine, die zwischen Golf und Passat positioniert ist. Wir konnten schon erste Fahreindrücke sammeln.

Der VW Jetta wurde im Jahr 2010 in den USA präsentiert, wo er das erfolgreichste Auto aus Deutschland ist. Beim Design setzt sich der Jetta nun deutlich vom kleineren Golf ab, - vorbei sind die Zeiten, wo der Jetta nur ein Golf mit Rucksack war. Das Außendesign geht jetzt mehr Richtung Passat, der neue Jetta wirkt aber trotzdem eigenständig und vor allem viel sportlicher als seine Vorgänger.

Mit einer Länge von 464 cm positioniert er sich zwischen Golf und Passat, der auf 2,65 Meter vergrößerte Radstand sorgt dabei im Innenraum für mehr Platz und vor allem mehr Beinfreiheit im Fond. Bei der Gestaltung des Innenraums erkennt man dann aber doch wieder die Verwandtschaft zum Golf, den Jetta-Armaturenträger bekommt man nämlich auch im Golf zu Gesicht.

Trotz dem Plus an Raum und in der Länge ist der neue Jetta der sparsamste aller Zeiten. Als 1,6 TDI BlueMotion verbraucht der 105 PS (77 kW) starke Jetta lediglich 4,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer, dies entspricht einem CO2-Ausstoß von nur 109 g/km. Der gleich starke 1,2 Liter TSI Benzinmotor mit BlueMotion Technologie kommt auf einen Verbrauch von 5,3 Liter Benzin auf 100 km, was 123 g CO2 pro Kilometer entspricht.

Mit der BlueMotion Technologie verfügt der Jetta nicht nur über eine Start/Stopp-Automatik, sondern auch über eine Energie- rückgewinnung. Die Rekuperation hilft, die eingesetzte Energie möglichst ideal zu nutzen. Geht der Fahrer vom Gas oder wird gezielt gebremst, wird die Spannung der Lichtmaschine angehoben und zum Nachladen der Batterie genutzt. Bei einer roten Ampel können dann Klimaanlage und andere Energiefresser alleine von der Batterie bedient werden, ohne dass der Motor die Lichtmaschine zusätzlich antreiben muss. So kann der Verbrauch gesenkt werden, und der Jetta ist damit wesentlich sparsamer als seine Vorgänger.

Wer mehr Leistung möchte, kann zum TDI mit 140 PS (103 kW) greifen, oder im Laufe des Jahres zu den drei anderen TSI-Motoren mit 122 PS (90 kW), 160 PS (118 kW) oder 200 PS (147 kW). Bis auf den 105 PS-TSI sind zudem alle Aggregate auch mit dem DSG-Doppelkupplungsgetriebe kombinierbar.

Auch bei der Ausstattung hat der Kunde die Qual der Wahl, es stehen die drei Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Highline zur Verfügung. Schon in der Basis kommt der Jetta mit sechs Airbags, ABS, ESP, der Klimaanlage Climatic, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern vorne und hinten, Radio RCD210 mit MP3-Wiedergabefunktion und vier Lautsprechern sowie einer Multifunktionsanzeige.

Bereits ab 21.990 Euro wechselt ein so ausgestatteter Jetta 1,2 TSI den Besitzer; für den 1,6 TDI Trendline sind dann 24.240 Euro fällig. Wer sich für die beliebte Mitte entscheidet, der bekommt ab 23.100 Euro unter anderem noch eine Mittelarmlehne vorne, eine 8-Wege-Einstellung der Komfortsitze und vier Leseleuchten.

Das Topmodell Highline startet bei 26.370 Euro und verwöhnt die Passagiere dann noch mit der Klimaanlage Climatronic, dem Radio RCD 310 mit 8 Lautsprechern, einem Multifunktions-Lederlenkrad, 16"-Leichtmetallfelgen, Nebelscheinfern mit Abbiegelicht und einer Scheinwerferreinigungsanlage.

Aber der Jetta kann zusätzlich noch mit jeder Menge technischer Highlights ausgestattet werden. Angefangen vom Navigationssystem, über den schlüssellosen Keyless Access bis zum Light Assistent gibt es alles, was das Autofahrerleben einfacher, komfortabler und sicherer macht.

Bei einer ersten Ausfahrt haben wir die beiden Basis-Triebwerke mit 105 PS (77 kW) getestet, wobei der 1,2 TSI mit manuellem 6-Gang-Getriebe und der 1,6 TDI mit dem 7-Gang-DSG ausgestattet waren.

Im Innenraum merkt man den Zugewinn beim Radstand sehr deutlich, selbst in der zweiten Reihe ist für groß Gewachsene noch viel Platz, und das, obwohl der Jetta über einen fast Coupe-haften Dachabschluss verfügt. Trotz der großen Ähnlichkeit zum Golf ist der Jetta-Innenraum nicht ganz gleich. So verfügt der Jetta nur über eine fixe Mittelarmlehne vorne, im Golf kann diese auch in Höhe und Länge verstellt werden.

An solch kleinen Details merkt man, dass der Jetta vor allem für den amerikanischen und osteuropäischen Markt konzipiert ist, wo solche Dinge nicht so wichtig sind. Immerhin ist der Marktanteil der kompakten Limousinen in Österreich mit nur 2,6 % auch sehr gering.

Bei Sitzkomfort, Geräuschdämmung und Federung ist der Jetta aber wieder ganz auf den europäischen Geschmack abgestimmt. Beide Triebwerke sind von der Geräuschentwicklung im Innenraum kaum wahrnehmbar, der TSI läuft aber noch eine Spur ruhiger als der TDI. Dafür hat der TDI bei der Spritzigkeit die Nase vorne, vor allem in Kombination mit dem 7-Gang-DSG-Getriebe kann der Diesel-Jetta auf ganzer Linie überzeugen.

Die Schaltvorgänge gehen so schnell und sanft vonstatten, dass man sie kaum merkt. Zudem hat der Jetta mit DSG auch immer sofort den passenden Gang parat, egal ob man über bergige Straßen fährt oder jemanden überholen möchte. Man hat das Gefühl, der Jetta kann die Gedanken des Fahrers lesen, um so schnell auf dessen Wünsche reagieren zu können. Der TSI ist dank der doppelten Aufladung auch sehr flott zu bewegen, aber gerade bei Steigungen fehlt es dem TSI an Drehmoment, und man muss fleißig schalten, um die gebotene Leistung auch zu spüren.

Beim Sprint von 0 auf 100 km/h hat der TSI mit 10,9 Sekunden die Nase vor dem TDI mit 11,7 Sekunden, dafür kann der TDI mit einem Drehmoment von 250 Nm im Bereich von 1.500 bis 2.500 U/Min punkten, während sich der TSI mit 175 Nm zufrieden geben muss. Diese stehen zwar zwischen 1.500 und 4.000 U/Min zur Verfügung, trotzdem fühlt sich der TDI beim Zwischenspurt spritziger an. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h sind dann beide Versionen gleich schnell unterwegs.

Den vom Werk angegebenen Verbrauch konnten wir auf der recht kurzen, dafür umso bergigeren Testfahrt nicht erreichen, aber der Diesel war auch bei unserem Test um einen Liter sparsamer als der Benziner, mit dem wir im Schnitt auf 6,4 Liter Verbrauch gekommen sind.

Sehr ausgewogen ist bei beiden Modellen die Federung. Bodenwellen werden gekonnt weggefiltert, und die Straßenlage wird auch sportlich orientierten Fahrern gefallen.

Mit den sehr komfortablen Sitzen, die über einen großen Verstellbereich verfügen, fühlt man sich auch auf Langstrecken gut aufgehoben. Für diese ist der Jetta auch dank seiner 510 Liter Kofferraumvolumen bestens geeignet. Wer damit nicht das Auslangen findet, muss zu einem Van greifen.

Weitere Motorisierungen werden im Laufe des Jahres noch folgen, sogar eine Hybrid-Version ist geplant. Diese wird ab 2012 in Nordamerika angeboten, ein Jahr später könnte der Jetta-Hybrid auch in Europa zu haben sein. Unter der Motorhaube werkt dann ein 1,4 Liter TSI mit 110 kW (150 PS), der von einem 20 kW Elektromotor unterstützt werden wird. Mit dem serienmäßigen DSG-Getriebe wird der Jetta-Hybrid dann sowohl für viel Fahrspaß, als auch für geringen Verbrauch sorgen.

Bis dahin haben die Kunden die Qual der Wahl zwischen TSI- und TDI-Motoren, wobei erwartet wird, dass 80 % der Kunden zum Diesel greifen. Ab Februar ist der Jetta beim Händler und wir empfehlen, auch einen Blick auf den TSI zu werfen, der vor allem bei der Laufruhe punkten kann und im Verbrauch schon fast so sparsam ist, wie der TDI.

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