Der neue VW Passat - Fahrbericht

Die siebente Generation des VW Passat ist kein völlig neues Auto, aber ein an allen Ecken und Enden in Richtung Hochklassigkeit verändertes.

Seit 1973 gibt es den VW Passat, 15 Millionen Stück wurden bislang ausgeliefert. Somit rollte über die 37 Jahre aufgeteilt alle 1,2 Sekunden ein Passat aus dem Werk. Die ab Ende November erhältliche siebente Generation ist diesmal kein völlig neues Auto, der Passat blieb in seiner Grundstruktur, die sich auch in unveränderten Außenmaßen und Radstand ausdrückt, gleich. Kein Beinbruch, da er so oder so zu den geräumigsten Vertretern der Mittelklasse zählt. Neben reichlich Bewegungsfreiheit für fünf Personen bietet er außerordentlich große Laderäume, bei der Limousine sind es 565 Liter, beim erstmals vom Start weg erhältlichen Kombi "Variant" 603 bis 1731 Liter. Die Fondlehnen lassen sich bei beiden Versionen vom Kofferraum aus vorklappen.

Die sichtbaren Blechteile wurden samt und sonders erneuert, der Passat präsentiert sich nun im aktuellen VW-Design, also deutlich kantiger als zuvor und dank unaufdringlichen, aber bestens positionierten Chrom-Einsatzes auch kräftig aufgewertet. Insgesamt wirkt er fast wie ein etwas zu heiß gewaschener Phaeton. Gezielte Aerodynamik-Feinarbeit senkte den cW-Wert auf 0,26. Eine absolute Novität hat VW im Köcher - eine, bei der man sich fragt, warum da nicht schon früher jemand draufgekommen ist: Beim Passat öffnet der Kofferraumdeckel, wenn man den Fuß zu einer bestimmten Stelle unter dem Fahrzeug hinbewegt (ohne es zu berühren). Ein glasklarer Vorteil, wenn man gerade keine Hand frei hat. Dieses optionale Gimmick ist nur in Verbindung mit dem schlüssellosen Zugangssystem möglich und vorerst nur für die Limousine zu haben. Denn beim Kombi denken die VW-Techniker noch darüber nach, wie sie verhindern können, dass jemand, der nach der charakteristischen Fußbewegung nicht einen Schritt zurücktritt, von der Heckklappe dafür mit einem Kinnhaken bestraft wird.

Weiteres Plus: Der Passat ist als erstes Fahrzeug der Mittelklasse mit nahezu allen aktuellen Fahrerassistenz-Systemen erhältlich. Projektleiter Dirk Nessenius nennt das "Demokratisierung von High-Tech". Etwa der Müdigkeitswarner: Er schließt aus Veränderungen an Lenkmuster und Pedalverwendung im Gegensatz zum Fahrtantritt auf Müdigkeit und mahnt optisch wie akustisch zur Pause. Der Abstandsregel-Tempomat ACC besitzt nun die Zusatzfunktion "Front Assist", die zwischen 30 und 200 km/h auch bei abgeschaltetem Tempomat aktiv ist. Bei kritischem Auffahren gibt es zunächst einen leichten Bremsruck. Reagiert der Fahrer nicht oder ungenügend, leitet das System eine Vollbremsung ein. Ein Unfall wird damit vielleicht nicht immer verhindert, aber jedenfalls abgeschwächt. Dazu gibt es die City-Notbremsfunktion, die unterhalb von 30 km/h ebenfalls selbstständig bremst und dabei auch auf stehende Hindernisse reagiert. Mitte 2011 folgt dann eine kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung, die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote - nach Prüfung der Navi-Software auf Plausibilität - einblendet.

Auch die umfassenden Lichtspiele sind neu: Sowohl beim einfachen Halogenlicht, als auch beim optionalen Xenon-Licht gibt es einen Fernlicht-Assistenten, der selbsttätig abblendet, wenn andere Verkehrsteilnehmer ins Sichtfeld fahren. LED gibt es bei den Rück- und Bremslichtern, den Blinkern und als Tagfahrlicht, nicht aber als Hauptscheinwerfer. Einsatztermin dafür ist noch keiner geplant. Hier überlässt man vorerst den Kollegen von Mercedes den Vortritt. Der bekannte automatische Einparkhelfer "Park Assist" wurde nun auch beim Passat um eine Quereinpark-Funktion erweitert. Nur Gas geben und Bremsen muss man noch selbst. Sogar, wenn man letzteres nicht zeitgerecht auf die Reihe kriegt, ist das noch kein Beinbruch: Dann steigt die City-Notbremsfunktion stellvertretend in die Eisen. Und neuerdings hilft der Park Assist auch beim Längs-Ausparken. Die Innenlautstärke wurde mit neuartigen Folien - serienmäßig zwischen den beiden Glasschichten Frontscheibe, gegen Aufpreis auch in den vorderen Seitenscheiben - gesenkt. Auch eine Frontscheibenheizung ist erhältlich. Die wird mittels speziell bedampfter Folie erwärmt, weshalb die nicht immer unsichtbaren Heizdrähte wegfallen.

Die zehn erhältlichen Motoren blieben grundsätzlich dieselben, dank konsequentem Feinschliff zeigen sie sich aber durch die Bank sparsamer, teilweise bis zu 18 Prozent. Das Leistungsspektrum reicht vom 105 PS TDI bis zum Anfang 2011 nachgereichten 300 PS V6. Ein darüber positioniertes R-Modell ist nicht mehr vorgesehen, dafür sind in Bälde optische "R-Line"-Pakete für sämtliche Motorisierungen erhältlich. Alle Motoren sind aufgeladene Direkteinspritzer, alle verfügen nunmehr über Sechsganggetriebe oder (bis auf den Einstiegsdiesel) die bewährte Doppelkupplungsautomatik DSG, je nach Motor hat sie sechs oder sieben Gänge. Die Dieselmotoren sind mit Start-Stopp-System ausgestattet. Mit dem Allradantrieb 4MOTION sind die 140 bzw. 170 PS starken Dieselvarianten (wahlweise) sowie der V6 (ausschließlich) zu haben. Ein 150 PS starker Motor ist für Erdgasantrieb ausgelegt. Die Ausstattungsvarianten heißen wie bei VW nun einheitlich festgelegt "Trendline", "Comfortline" und "Highline", schon der Einsteiger ist mit ESP, Klimaanlage, elektrischer Parkbremse, Zentralverriegelung und MP3-Audiosystem versehen. Die Preise stehen noch nicht fest, sie sollen im Vergleich zum Vorgänger nicht steigen. Beim Einstiegsmodell, dem122 PS Benziner, zeigt sich VW besonders großzügig: Sein Preis soll bei rund 26.000 Euro liegen, also um fast 1.000 Euro günstiger als beim Vorgänger.