Neuer VW Polo GTI - Fahrbericht

Polo goes Golf, und die Ähnlichkeit ist frappant: Die typischen GTI-Attribute hat Volkswagen jetzt auch dem Polo angedeihen lassen.

Die klassische rote Rahmenlinie am Wabenkühlergrill und ein bissiger Motor: All das hat VW jetzt auch dem Polo spendiert. Der neue Polo GTI zeigt sich als Kleinwagen, der keinen Mangel an Leistung aufweist, aber nicht zu aggressiv wirkt.

Neben der typischen roten Zierleiste am Kühlergrill fällt unter anderem der Frontspoiler auf, der verglichen mit der "normalen" Version etwas größer ist. Auch Schwellerverbreiterungen und der in Wagenfarbe lackierte Heckspoiler verraten den GTI. Auffällig sind außerdem die 17-Zoll-Leichtmetallräder, die rot lackierten Bremssättel und das verchromte Doppelendrohr der Auspuffanlage auf der linken Heckseite. Optional gibt es ein Panorama-Schiebedach sowie Bi-Xenonscheinwerfer.

Passend zur äußeren Erscheinung finden sich im Innenraum Sportsitze mit Stoffbezug im traditionellen (oder: altmodischen?) Karo-Muster der 70er Jahre. Das wirkt nicht auf jeden sportlich; dafür geben die Sitze in zügig durcheilten Kurven den Insassen soliden Halt und bieten gleichzeitig genug Komfort. Der Dachhimmel, die Haltegriffe und die Sonnenblenden sind in Schwarz gehalten.

Einen sportiven Kontrast dazu bilden die Chrom-Applikationen der Drehregler sowie die Pedalerie in Aluminium-Optik. Zur Serienausstattung gehören außerdem unter anderem eine Klimaanlage und Nebelscheinwerfer. Und im Interieur finden wir auch die größten Haken am Polo GTI - nämlich satte vier Kleiderhaken im Fondbereich, sowie zwei Ösen im Kofferraum. Die sollte man bei schwerem Gepäck unbedingt nutzen, denn sonst wirkt die Ladung bei sportlicher Fahrt wie ein Anti-ESP, das das Heck in den Kurven nach außen drängen lässt.

Böse grummelt bereits beim Start der 132 kW / 180 PS starke Benzinmotor, der von einem Turbolader und einem Kompressor unterstützt wird. Der Hubraum von 1,4 Litern ist auf vier Zylinder verteilt, doch akustisch könnte man dahinter eine "Höllenmaschine" vermuten. So klingt es aber nur im Innenraum, wo das Grollen zwar stets präsent ist, aber nicht lästig wird. Von außen belauscht ist der Motor weder zu laut noch klingt er tief böse, sondern vielmehr wie ein etwas potenterer Polo. Direkteinspritzung und Aufladung mit Kompressor und Turbo sorgen für sportliche Leistung, die schon bei der Anfahrt zu spüren ist. Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 benötigt der 1.194 Kilogramm schwere Fronttriebler flotte 6,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 229 km/h erreicht. Damit lassen sich Autobahnpassagen zügig bewältigen und das dankenswerter Weise ohne dass Unebenheiten dem Rücken der Insassen zusetzen würden. Beeindruckend ist auch, wie behende der VW steile Auffahrten meistert. Wie eine Gams erklimmt der Kleine munter Berg um Berg; die serienmäßige Berganfahrhilfe verhindert das Zurückrollen. Richtigen Spaß macht der Fronttriebler vor allem auf der Landstraße; da ist er schon aufgrund seiner Abmessungen auf seinem Terrain und kann dabei dem ein oder anderen größeren Auto mit sportlicher Ausrichtung durchaus die Show stehlen.

Die Kraftübertragung übernimmt serienmäßig ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe samt Sport-Modus und manueller Schaltebene samt Lenkrad-Paddles, das gut zum Motor passt. Zum guten Handling des Polo GTI tragen auch die relativ direkt ausgelegte Lenkung und das um 15 Millimeter tiefergelegte Fahrwerk bei. Trotz hohem Kurventempo bleibt ein solider Kontakt zur Straße immer gewährleistet, und das serienmäßige ESP greift erst spät ins Geschehen ein. Außerdem sorgt die aus dem Golf GTI bekannte elektronische Sperre XDS an der Vorderachse für spürbar mehr Traktion als beim Standard-Polo. Erst in zu übermütig genommenen engen Kehren schiebt der Wagen über die Vorderräder. Auf dem Papier soll sich der GTI mit 5,9 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern begnügen. Sein vergleichbar motorisierter Vorgänger mit dem 1,8-Liter-Turbomotor hat 7,9 Liter Sprit verbraucht. Der Wert ist bei gleichmäßiger Fahrt fast erreichbar. Folgt man aber der Bestimmung eines GTI und lässt den Motor jubeln, wandern mitunter auch deutlich über sieben Liter Treibstoff auf 100 Kilometern durch die Einspritzdüsen Die Markteinführung des neuen Polo GTI erfolgt in Österreich im Sommer 2010. Der Einstieg beginnt mit dem Zweitürer ab 22.950 Euro, der Viertürer ist ab 23.500 Euro erhältlich.

mid/kosi

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