Der neue VW Sharan - Fahrbericht

Nach unglaublichen 15 Jahren hat der alte Sharan ausgedient. Das neue Modell wusste bei ersten Testfahrten rundum zu gefallen.

Normalerweise werden Autos rund sechs bis acht Jahre lang gebaut, der VW Sharan war da ein extremer Ausreißer. Die Markteinführung erfolgte im Jahr 1995, somit rollte der Van unglaubliche 15 Jahre lang vom Band. Freilich gab es mehr oder weniger tiefgreifende Facelifts, aber die Grundstruktur blieb gleich. Dementsprechend groß war die Spannung bei der Präsentation des lange erwarteten Nachfolgers. Und der ist alles andere als ein neuerlicher Aufguss.

Die Sonnenblenden sind das einzige Teil, das vom alten Sharan übernommen wurde, warum auch immer. Alles andere ist nicht nur neu, sondern fühl- und spürbar besser und hochwertiger. Das war auch notwendig, denn der schärfste Konkurrent Ford Galaxy hat die Latte bereits vor vier Jahren hoch gelegt und bekam zudem soeben ein Facelift spendiert. Während sich die beiden Autos in den Abmessungen nicht großartig unterscheiden, gibt es dennoch ein Detail, das man als gravierenden Unterschied bezeichnen darf. Der Sharan hat im Gegensatz zum Galaxy Schiebetüren im Fond. VW-Entwicklungsvorstand Dr. Ulrich Hackenberg gab zu, dass diesbezüglich zunächst Skepsis herrschte. Sein Enkel hätte ihn schlussendlich doch von den Vorzügen der Schiebetüren überzeugt. Allerdings wollte man auf Komfort-Features wie Armlehnen oder Flaschenhalter nicht verzichten, bei Schiebetüren eine besondere Herausforderung.

Man hat sie bewältigt, wie wir bei ersten Testfahrten feststellen durften. Das Interieur weiß auf Anhieb zu gefallen, die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf, die Ergonomie ist erwartungsgemäß ohne Fehl und Tadel. Ein kleiner Ausrutscher sind die starren Gurtpeitschen. Vor allem wenn der Sitz bei großen Leuten ganz nach unten gefahren wird, wirkt die Gurtpeitsche wie ein Fremdkörper. Damit hat sich's aber auch schon wieder mit der Kritik, abgesehen davon weiß der Sharan voll und ganz zu gefallen. Faszinierend ist der Park-Assistent, der ab sofort nicht nur längs sondern auch quer einparken kann. Wird der Assistent aktiviert, messen Radarsensoren im vorbeifahren ob die Lücke groß genug ist, danach braucht der Fahrer nur noch den Anweisungen am Display folgen und den Vorwärts- bzw. Rückwärts-Gang einlegen. Das Lenkrad dreht sich wie von Geisterhand, man braucht lediglich Vor- bzw. Zurückschieben. Als besonderer Clou kann das System auch Ausparken. Der dafür nötige Mindestabstand beträgt lediglich 25 Zentimeter vor und hinter dem Fahrzeug. Funktioniert beeindruckend gut, wie wir selbst feststellen durften.

Die Platzverhältnisse sind durchaus üppig, Variabilität wurde zudem groß geschrieben. Der VW Sharan kann als Fünf-. Sechs- oder Siebensitzer geordert werden. Jene Fond-Sitze die man nicht benötigt, lassen sich flach zusammenfalten und verschwinden eben im Fahrzeugboden. Während sich beim Sechs- bzw. Siebensitzer ein ebener Kofferraumboden realisieren lässt, entsteht beim Fünfsitzer eine kleine Ladekante. Um diese auszugleichen arbeitet VW an einem doppelten Ladeboden der später über das Zubehör erhältlich sein wird. Beeindruckend ist das Fassungsvermögen des neuen Sharan. Hinter der aufgeklappten dritten Sitzreihe finden 300 Liter Platz, bis zur 2. Reihe sind es 711 Liter bei Beladung bis zur Fensterlinie. Wer den maximalen Stauraum nutzen möchte, alle Sitze versenkt und den Sharan bis unters Dach vollräumt, der kann sich über ein sattes Volumen von 2.430 Litern freuen.

Und wie fährt sich der Sharan? Zunächst gilt es das für die persönlichen Anforderungen passende Triebwerk zu wählen. Zum Marktstart Mitte September 2010 stehen vorerst zwei Motoren zur Verfügung. Ein 150 PS Turbobenziner sowie der bekannte, 140 PS starke TDI Turbodiesel. Später kommen ein 200 PS starker Turbobenziner sowie ein 170 PS TDI hinzu, alle Triebwerke sind in weiterer Folge auch mit dem formidablen DSG Doppelkupplungsgetriebe zu haben, der 140 PS TDI vom Start weg. Da die Benzinmotoren lediglich rund drei Prozent Marktanteil erreichen werden, haben wir uns bei den Testfahrten auf die beiden Selbstzünder konzentriert. 140 PS schöpft das kleinere der beiden TDI-Aggregate aus zwei Litern Hubraum. Der Sharan beschleunigt in 10,9 Sekunden auf Tempo 100 km/h und liegt damit in etwa gleichauf mit seinem gleich starken Vorgänger.

VW ist es gelungen, trotz eines Längenzuwachses von 22 Zentimetern und rund neun Zentimetern mehr Breite das Gewicht annähernd gleich zu halten, einige Versionen sind sogar leichter als das vergleichbare Vorgänger-Modell. Da sich in der Motorenentwicklung viel getan hat, darf sich der neue Sharan mit dem 140 PS TDI Motor das sparsamste Auto seiner Klasse nennen. 5,5 Liter auf 100 Kilometer (143g CO2 / km) sind tatsächlich beeindruckend, selbst wenn der Wert in der Praxis kaum zu erreichen sein wird. Die hervorragende Geräuschdämmung lässt bei dem Triebwerk subjektiv etwas an Spritzigkeit vermissen, man spürt die Geschwindigkeit nicht so sehr. Selbst Tempo 200 km/h steckt der Sharan auf der deutschen Autobahn locker weg. Spürbar lockerer geht der 170 PS TDI mit dem Sharan um. Besonders in Kombination mit dem DSG Doppelkupplungsgetriebe weiß das Aggregat zu gefallen. In 9,7 Sekunden wird auf 100 km/h beschleunigt, der Verbrauch liegt gerade einmal um zwei Zehntelliter über dem 140 PS TDI und somit bei 5,7 Litern.

Das Fahrwerk ist sehr ausgewogen, wer zum optionalen und adaptiven Fahrwerk DCC greift, hat zudem die Möglichkeit neben einem ausgewogenen Mittelweg auf Sport und Komfort zu wechseln. ESP ist ebenso serienmäßig wie sieben Airbags. Drei Ausstattungslinien - Trendline, Comfortline und Highline - stehen beim neuen Sharan zur Wahl. Bereits die Basis beinhaltet u.a. eine elektronische Parkbremse, vier elektrische Fensterheber, eine manuelle Klimaanlage, ein CD-Radio und eine Zentralverriegelung samt Fernbedienung. Zu den Preisen: Der neue Sharan startet als 1.4 TSI mit 150 PS als Trendline bei 34.500 Euro, der 2.0 TDI ist 1.100 Euro teurer. Der DSG-Aufpreis liegt bei rund 2.400 Euro. Der 4motion Allradantrieb - in Österreich entschied sich jeder fünfte Kunde dafür - lässt allerdings noch rund ein Jahr auf sich warten.

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