Volvo arbeitet an System zur Vermeidung von Wild-Unfällen

Volvo macht den nächsten Schritt bei der Entwicklung aktiver Assistenzsysteme und gibt erste Informationen über ein neues Sicherheitssystem, das Unfälle mit Wildtieren gänzlich vermeiden oder zumindest die Unfallfolgen deutlich reduzieren soll.

Das ambitionierte Entwicklungsprojekt ist Teil der umfangreichen Volvo "Vision 2020", die sich zum Ziel gesetzt hat, die Volvo-Sicherheitsstandards weiter zu perfektionieren, um ernsthafte Verletzungen in Verbindung mit einem Fahrzeug zukünftig möglichst ausschließen zu können. Das neue Sicherheitssystem basiert auf der innovativen Fußgängererkennung des Herstellers mit automatischer Notbremsfunktion, die 2010 erstmals im Volvo S60 eingeführt wurde. Die Serienreife für den Einsatz in allen Volvo-Modellen soll bereits in den kommenden Jahren erreicht werden.

Das neue System arbeitet sowohl am Tag als auch in der Nacht. Untersuchungen haben ergeben, dass sich die meisten Wild-Unfälle zwischen der Abenddämmerung und dem Morgengrauen sowie in den trüben Wintermonaten ereignen. Die Infrarotkamera beobachtet permanent die Verkehrssituation vor der Fahrzeugfront. Wird ein Tier innerhalb einer vom System festgelegten kritischen Gefahrenzone erfasst, ertönt umgehend ein akustisches Warnsignal. Falls der Fahrer darauf nicht reagiert, wird die automatische Notbremsfunktion aktiviert.

Eine Software zu programmieren, die verschiedene Tierarten und -größen verlässlich erkennt, gehört zu den größten Herausforderungen, vor denen die Volvo Experten stehen. Ein Forschungsteam besuchte beispielsweise einen Tierpark, um das artentypische Verhalten verschiedener Wildtiere zu studieren. In diesem Fall waren es Elche, Rot- und Damwild, die besonders häufig an Kollisionen beteiligt sind. Die so gewonnenen Erkenntnisse und Evaluierungen fließen umgehend in die Systementwicklung mit ein. Deshalb wird die erste Entwicklungsstufe der innovativen Technik zunächst auf große Tiere ausgerichtet sein.

Die Risiken und Schäden bei Wild-Unfällen sind enorm. Viele Autofahrer fürchten bei Fahrten in der Abenddämmerung und bei Nacht die Gefahrensituation, die durch plötzlich im Scheinwerferlicht auftauchendes Wild hervorgerufen wird. Dass sie allen Grund dazu haben, zeigt eine Kennzahl aus Skandinavien: Alleine in Schweden werden jährlich mehr als 40.000 Wild-Unfälle registriert. "Je größer das Tier, desto höher ist auch das Unfallrisiko für die Insassen eines Fahrzeugs. Bei uns in Schweden gilt der Elch diesbezüglich als größte Gefahrenquelle, da bei einer Kollision oftmals auch Motorhaube und Windschutzscheibe stark in Mitleidenschaft gezogen werden", erklärt Andreas Eidehall, bei Volvo Experte für aktive Sicherheitssysteme.

Noch ist es allerdings zu früh, um genauere Spezifikationen des neuen Systems und deren Funktionsweise benennen und erklären zu können. Zwar arbeiten die Volvo-Entwickler seit etwas mehr als einem Jahr an der neuen Technik, dennoch gilt es, neben einer verlässlichen Tiererkennung vor allem den bestmöglichen Einsatzzeitpunkt und den zweckmäßigsten Auslösemechanismus für das Sicherheitssystem zu finden.

auto-reporter.net/hhg

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