Story: Wie ein neues Feuerwehrauto entsteht - Teil 1

In einem zweiteiligen Extra zeigen wir, wie ein Feuerwehrauto entsteht, was es alles können muss und wie die Feuerwehrmannschaft das neue Mitglied in Empfang nimmt.

Egal, ob Menschenrettung nach einem Unfall oder ein Brandeinsatz, täglich sind in ganz Österreich tausende Feuerwehrmänner im Einsatz, um der Bevölkerung in schwierigen Situationen zu helfen.

Großteils sind die Männer und Frauen dabei Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren, d.h. sie übernehmen unentgeltlich diese harte Arbeit, opfern ihre Freizeit für das Wohl der Bevölkerung und setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Umso wichtiger ist es da natürlich, die richtigen Hilfsmittel zur Verfügung zu haben, allen voran die Einsatzfahrzeuge und deren Ausrüstung. So ist es für jede Feuerwehrstelle auch immer ein großer Moment, wenn ein neues Feuerwehrauto den Fuhrpark verstärkt.

Wir hatten die Gelegenheit, gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Ebreichsdorf die "Geburt" ihres neuen Tanklöschfahrzeugs miterleben zu dürfen. Nachdem das alte Fahrzeug wegen eines Rahmenbruchs ausgeschieden war, begann vorab der schwierigste Teil der Entstehung: Die Wahl des Fahrzeugs und die Bewilligung durch die Stadtgemeinde.

Hauptbrandinspektor Michael Ditzer erklärte uns, dass ein Feuerwehrfahrzug mindestens 20 Jahre im Einsatz steht, wodurch es natürlich sehr wichtig ist, dass das Fahrzeug gleich die neuesten Systeme mit an Bord hat, um auch in Zukunft den Herausforderungen der täglichen Einsätze professionell begegnen zu können.

Nach harten Verhandlungen und einer langwierigen Ausschreibung wurde der Feuerwehr ein MAN TGM 18.340 4x4 TLFA 4000-200 genehmigt. Die Entstehung des Feuerwehrautos erfolgt dabei in zwei Schritten: Zuerst wird das Chassis mit der Fahrerkabine gefertigt, erst dann kommt dieses zu einem Spezialbetrieb, der daraus ein fertiges Feuerwehrauto macht.

Hier fiel die Wahl auf die Spezialisten der Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH in Kainbach bei Graz. Dort hat man sich auf die Entwicklung und Produktion von Feuerwehrfahrzeugen spezialisiert. Die Bestellungen reichen von der Feuerwehr in Ebreichsdorf bis nach China.

Der Vorteil des rund 130 Mann starken Teams in Kainbach ist, dass jedes Fahrzeug individuell ausgerüstet werden kann und auf die Wünsche der Feuerwehren auch eingegangen wird, erklärt Michael Ditzer von der Freiwilligen Feuerwehr Ebreichsdorf.

Eine Alukonstruktion wird individuell für jedes Fahrzeug gefertigt und auf das Chassis gesetzt, dann beginnt der aufwändige Teil, die Bestückung des Fahrzeugs mit der ganzen Technik und der Ausrüstung.

Für die Feuerwehren ist es natürlich wichtig, dass jeder Handgriff sitzt und alle Geräte auch logisch angeordnet und leicht zugänglich sind. Über 1.000 Einzelteile beherbergt so ein Tanklöschfahrzeug, das auch für die Personenrettung bei Unfällen zum Einsatz kommt.

So kann man sich vorstellen, dass eine gute Planung beim Bau inkl. logischer und leicht zugänglicher Anordnung der Einzelteile, im späteren Betrieb eine große Erleichterung darstellt. An Bord sind zum Beispiel die komplette Atemschutztechnik für die Mannschaft, eine Rettungsbrücke, Bergescheren, Werkzeug, Äxte, ein Nasssauger, ein Kompressor und natürlich hunderte Meter Schläuche und Verbindungsstücke sowie Stromkabel, Scheinwerfer und Leitern.

Selbst unter dem Fahrzeug befinden sich noch Spritzdüsen zur Reinigung der Straße, und am Dach finden ebenfalls noch viele Utensilien sowie eine LED-Tafel zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer Platz.

Zusätzlich zum vielen Werkzeug muss natürlich auch der Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 4.000 Litern Platz finden, der das Herzstück des Fahrzeugs ist.

Mittels der Magirus Pumpen-Bedieneinheit "HMI" (Human Machine Interface) werden Verteilung und Druck des Wasser elektronisch so gesteuert, so wie sie von der Mannschaft gebraucht werden. Die Bedienung ist einfach und logisch ausgeführt, und die Tasten können auch mit Handschuhen gedrückt werden.

Die Spezialisten der Iveco Magirus Brandschutztechnik sind hier ganz genau auf die Wünsche der Feuerwehrleute eingegangen, um ihre Systeme im Laufe der Jahre immer weiter zu verbessern.

Bis das Feuerwehrauto fertig ist, kommen die Kunden regelmäßig nach Kainbach, um den Fortschritt zu besprechen und zu testen, ob die Anordnung aller Geräte und Werkzeuge auch passt. Die Feuerwehrleute sind dabei mit viel Herz bei der Sache und versuchen, die bestmögliche Konfiguration zu finden und opfern hier noch mehr ihrer Freizeit, um im Ernstfall noch schneller und effizienter arbeiten zu können.

Bis das Fahrzeug fertig ist, vergehen rund zwei Monate. Im zweiten Teil der Story berichten wir von der Übergabe des neuen Feuerwehrautos in Ebreichsdorf und stellen das Fahrzeug noch näher vor.

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