Alfa Romeo Caimano: Oldtimer-Einzelstück aus 1971

Der von Giugiaro auf Basis des Alfasud konstruierte "Keil auf Rädern" ist ein Musterbeispiel für extreme Designströmungen der frühen 1970er Jahre.

Die Sonderschau "Die 70er: Einfach Keil!" war ein Highlight der Bremen Classic Motorshow von 5. bis 7. Februar 2016, mit der die Oldtimer-Saison eröffnet wurde. In der Sonderschau zu sehen waren Vertreter einer extremen Strömung im Automobildesign der 1970er Jahre - der Keilform. Neben Lancia Stratos, Maserati Khamsin und Lamborghini Countach einer der Stars war der Caimano, ein von Italdesign 1971 im Auftrag von Alfa Romeo konstruiertes Showcar. Das heute im Alfa Romeo Werksmuseum "La macchina del tempo" im Mailänder Vorort Arese stehende Einzelstück basiert auf dem Alfasud und wurde auf dem Turiner Automobilsalon 1971 einem staunenden Publikum präsentiert.

Italdesign unter der Leitung von Giorgetto Giugiaro hatte zuvor bereits das Design des Serienmodells Alfasud verantwortet, das sich als Urvater der so genannten Hatchback-Karosserie schließlich mehr als eine Million Mal verkaufte. Der Auftrag für den Caimano war begleitet von der Forderung, ein Traumauto fernab jeglichen praktischen Nutzwertes zu schaffen. Dem von unerschütterlichem Fortschrittsglauben geprägten Zeitgeist entsprechend, entwarf Giugiaro einen "Keil auf Rädern", der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte.

Auf das um 20 Zentimeter verkürzte Chassis des Alfasud setzte Italdesign eine Karosserie, die direkt aus einem Science-Fiction-Roman zu stammen scheint. Das zweisitzige Cockpit wird von einer raumschiffartigen Glaskuppel umschlossen, die als Ganzes nach vorne aufgeklappt wird. Die A-Säule entfällt dadurch ganz, B- und C-Säule formen hinter dem Cockpit einen Überrollbügel. Den hinteren Abschluss des Dachs bildet ein Spoiler, der vom Cockpit aus in vier Schritten bis zu einem Winkel von 32 Grad angestellt werden kann.
Fahrer und Beifahrer nehmen unter der Glaskuppel in Schalensitzen mit integrierten Kopfstützen praktisch liegend Platz. Zu öffnende Fenster sind nicht vorgesehen. Kontakt zur Außenwelt - und Frischluftzufuhr - ist nur über zwei winzige Schiebeöffnungen in den seitlichen Rahmen der Kuppel möglich. Im ausladenden Armaturenbrett arbeiten zwei große Instrumente mit unkonventionellen Anzeigen. Die Zeiger sind fixiert, stattdessen drehen sich die zylinderförmigen Skalen.

Der Knick in der Motorhaube ist dem darunter platzierten 1,2-Liter-Triebwerk des Alfasud geschuldet. Der baut als Boxermotor zwar sehr flach. Giugiaro hatte allerdings eine extrem tiefe Front mit nur einem schlitzförmigen Kühlergrill im Sinn - der Motor ließ eine plane Haube schlicht nicht zu. Für die 1970er Jahre gewissermaßen obligatorisch sind die Klappscheinwerfer.        
Angesichts des futuristischen Designs muten die 68 serienmäßigen PS des Alfasud Boxermotors geradezu bescheiden an. Aber der Caimano war ohnehin nicht für die tägliche Wirklichkeit gedacht. Ein wahres Traumauto eben.

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