Autorestauration werkzeug(Bildquelle: Pixabay.com / bernswaelz)

Autorestauration total – diese Werkzeuge braucht man dafür wirklich

Was Sie als restaurierungswilliger künftiger Oldtimerbesitzer in der Werkstatt haben sollten.

Wer Autos mag, findet oft früher oder später zum Oldtimer. Stellt man dann noch fest, dass solche Fahrzeuge mit Mängeln schon teilweise für dreistellige Summen zu haben sind, schlägt das Herz hoch. Allerdings muss klar sein, dass das Gesamtpaket mehr kostet. Teuer wird es, wenn man gutes Werkzeug kauft und selbst loslegt. Noch viel, viel teurer sind jedoch Werkstattrechnungen. Was Sie haben sollten und was es (grob) kosten wird, haben wir hier zusammengestellt. Wichtig: Natürlich gibt es all dies auch günstiger. Für einen Oldtimer sollten jedoch Qualität, Maßhaltigkeit und Langlebigkeit zentral sein. Sonst kauft man Werkzeuge mehrmals und gibt viel mehr aus.

1. Steckschlüsselsatz 1/4 und 1/2 Zoll

Egal ob man es Steckschlüssel, Knarre oder Ratsche nennt, es ist das vielleicht zentralste Werkzeug für alle Schrauben zwischen Frontstoßstange und Auspuff-Endtopf. Wegen der Tatsache, dass man seine Steckschlüsselsätze sehr häufig brauchen wird, sollte man niemals zu "Baumarktware" greifen. Wichtig ist also gutes und langlebiges Werkzeug zu kaufen. Im Internet findet man bei diversen Onlinehändlern wirklich gutes und häufig auch günstigeres Werkzeug als Offline. Einer dieser Händler ist zum Beispiel engelbert strauss, der mit seiner jahrelangen Erfahrung eine vertrauenswürdige Anlaufstelle für gutes Werkzeug aller Art ist. Dort findet man nicht nur hochwertige Steckschlüssel, sondern auch viele weitere professionelle Werkzeuge , die einem die Restauration erleichtern.
Kosten: ca. 60 Euro (1/4 Zoll) bzw. 150 Euro (1/2 Zoll)

2. Anständige(!) Schraubendreher

Der große Vorteil alter Autos ist, dass dort praktisch alles mit Innen- und Außensechskant- sowie Schlitz- und Kreuzschrauben befestigt ist. Bei den letzten beiden sollte man allerdings beachten, dass man auch hier mit billigem Werkzeug viel Unheil anrichten kann. Man benötigt nicht viele Schraubendreher. Je vier Kreuz- und Schlitz- reichen aus. Die sollten aber ebenfalls beste Markenware sein.
Kosten: ca. 50 Euro (Satz)

3. Ring-, Maul- und gekröpfte Ringschlüssel

Man wird mit dem Steckschlüsselsatz viele Schrauben bezwingen. Oftmals wird einem jedoch schlicht der Platz fehlen, um ihn einzusetzen. Dann braucht es normale Schraubenschlüssel - und zwar alle drei Bauarten, da es auch hiermit Situationen geben wird, bei denen man nur mit einer arbeiten kann. Tipp: Clevere besorgen sich auch Ratschen-Ringschlüssel. Sie sind flach wie Ringschlüssel, arbeiten aber wie Steckschlüssel.
Kosten: ca. 50 Euro (je Satz)

4. Engländer

Nein, keine helfende Hand mit Cockney-Akzent, sondern neben "Franzose" der andere Begriff für einen verstellbaren Rollgabelschlüssel. Man wird ihn bei Vorhandensein der genannten Schlüssel zwar selten benötigen. Wenn, wird man aber enorm dankbar sein.
Kosten: ca. 20 Euro

5. Drehmomentschlüssel 1/2-Zoll

Gerade im Motorbereich wird man nicht umhinkommen, Schrauben und Muttern mit einem vorgeschriebenen Drehmoment festzuziehen. Das übernimmt der Drehmomentschlüssel, der technisch ähnlich wie ein Steckschlüssel aufgebaut ist. Der Einstellbereich sollte zwischen 20 und 200 Newtonmetern liegen, die Drehrichtung sich umstellen lassen. Spielereien wie Digitaldisplays sind überflüssig.
Kosten: ca. 80 Euro

6. Motorbrücke

Egal ob man verrottete Motorlager tauschen, die Kupplungsscheibe wechseln oder sich eine komfortablere Arbeitsposition verschaffen will: oft ist es notwendig, den Motor anzuheben, abzulassen, in einen anderen Winkel zu bringen oder zu sichern. Dazu braucht es eine Motorbrücke (mindestens 500 kg) - sie liegt auf den Kotflügeln auf und hält das Triebwerk verstellbar an Ort und Stelle fest.
Kosten: ca. 40 Euro

7. Unterstellböcke

Den Luxus einer Hebebühne haben die wenigsten Hobby-Autorestaurateure. Dennoch sollte man niemals unter ein nur per Wagenheber gesichertes Auto kriechen! Nur Unterstellböcke, von denen man vier besitzen sollte, haben ausreichende Sicherheit, um den Wagen notfalls monatelang ohne Räder zu halten.
Kosten: ca. 20 Euro (Stück)

8. Rangierwagenheber

Hoch muss der Wagen, schon wenn man die Bremsbeläge wechseln will, sowieso. Besser ist es, man macht das gleich mit einem ebenfalls mit Rädern bestückten Rangierwagenheber (sollte mindestens 1,5 Tonnen heben) und hat dann die Option, das Auto auch in Grenzen hin und her zu bewegen.
Kosten: ca. 150 Euro

9. Winkelschleifer 125 mm

Die gute alte Flex ist aus der Autorestauration nicht wegzudenken. Je nach aufgesetzter Scheibe entfernt sie hauchdünnen Rost oder schneidet notfalls ganze Rostfraß-Inseln aus der Außenhaut. Absolut unverzichtbar.
Kosten: ca. 50 Euro (ohne Scheiben)

10. Kompressor + Schlauch

Zwar gibt es jedes motorisierte Werkzeug, welches man benötigt, auch in elektrischer Form. Ein Druckluftkompressor jedoch ist ein grundständigerer Helfer. Seine Luft kann man schlicht zum Ausblasen und Reinigen nutzen, wie als Treibmittel zum Lackieren oder zum Antrieb von Werkzeug. Zudem ist er eines der wenigen Werkzeuge, das man bedenkenlos in Baumarktqualität kaufen kann.
Kosten: ca. 120 Euro

11. Schlagschrauber 1/2-Zoll

Mit den bisher genannten Werkzeugen kann man zwar nach der alten Mechaniker-Regel "Unglaublich ist des Schraubers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft" verfahren. Deutlich weniger körperlich ist allerdings der Schlagschrauber, schon wenn man seit Jahrzehnten festsitzende Radschrauben lösen will.
Kosten: ca. 100 Euro

12. Fülldraht-Schweißgerät

Echte Karosserieprofis verwenden zwar ausschließlich MIG/MAG-Schutzgasschweißgeräte. Allerdings sind die wirklich teuer (>1000 Euro). Für den gelegentlichen Gebrauch beim Einschweißen neuer Bleche reicht ein elektrisches Fülldraht-Schweißgerät. Es genügt wegen der dünnen Autobleche die 220-Volt-Version. Es lässt sich wesentlich einfacher erlernen als herkömmliche Apparate mit Schweißelektroden, hat aber nicht die hohen Anschaffungs- und Betriebskosten (Gas, 380V) eines Schutzgasschweißgeräts.
Kosten: ca. 150 Euro

13. Exzenterschleifer 125- oder 150 mm

Der Winkelschleifer macht Blech zwar blank und lässt auch Schweißnähte verschwinden. Will man jedoch spachteln , verzinnen und anschließend lackieren, braucht es wesentlich mehr Feinheit. Beim Exzenterschleifer gibt’s die plus Flexibilität durch unterschiedlichste Schleifkörnungen. Ob 125- oder 150 Millimeter ist letztlich Geschmacksfrage. Wer viel schleifen muss, sollte auf ein teureres, aber ungleich leichteres Druckluftgerät setzen.
Kosten: ca. 50 Euro (Elektro) bzw. 100 Euro

14. Kunststoffkeile diverse Größen

Manche Oldtimer, etwa Mercedes, mögen eine überragend gute Ersatzteilvorsorge haben. Jedoch gilt unabhängig davon, wenn an den Innenraumteilen etwas kaputtgeht, wird es sehr teuer und aufwendig. Dichtungen, Zierleisten und dergleichen sind je nach Marke und Modell nicht mal mehr für gutes Geld zu bekommen. Dagegen sollte man beim Demontieren geradezu chirurgische Vorsicht walten lassen und nur mit Kunststoffkeilen arbeiten, weil diese keine Kratzer verursachen.
Kosten: ca. 30 Euro (Satz)

15. Rostlöse-Hilfsmittel

Was vor 30, 40 oder noch mehr Jahren letztmalig angeschraubt wurde und seitdem vielleicht Jahrzehnte Straße und falsche Lagerung erlebt hat, ist enorm häufig so fest, dass selbst Hebel und Schlagschrauber nur dazu führen würden, dass man die Schraube/Mutter abreißt - der Super-GAU. Bevor man etwas abschraubt, sollte es großzügig(!) mit Kriechöl eingesprüht werden. In den meisten Fällen reicht das, wenn man der Sache Einwirkzeit lässt. Und was, wenn es dann immer noch festsitzt? Dann hilft nur noch rohe Physik - die Ausdehnung von Teilen unter Hitze. Dazu braucht man eine Handlötlampe, mit der man dem unwilligen Teil buchstäblich Feuer macht.
Kosten: ca. 5 Euro (Rostlöser) bzw. 25 Euro (Gaskartuschen-Lötlampe)

Wer jetzt mitgerechnet hat, stellt fest, dass wir auf Summen von ungefähr 1.300 Euro kommen. Das mag auf einen Blick viel erscheinen. Allerdings sollte man bedenken, dass man dieses Werkzeug über viele Jahre nutzen wird. Dieser Betrag ermöglicht es einem, ein ganzes Auto allein in Neuzustand zurückzuversetzen - wo es für den gleichen Gegenwert in einer Werkstatt bestenfalls einen Steuerkettentausch am Motor gäbe.