Ford Transit : Seit 45 Jahren an der Front

Nennt ihn nicht "Transe"! Das Arbeitstier von Ford feiert heuer gleich zwei Jubiläen: 45 Jahre im Programm, 6 Millionen Stück verkauft.

Das erste Exemplar des Ford Transit rollte am 9. August 1965 im britischen Langley vom Fließband: Der "interkulturelle" Transit ersetzte zwei Modellreihen. In unserer Gegend verschwand der deutsch-designte Frontlenker FK 1000 (oder auch Taunus Transit) von der Bildfläche, auf den britischen Inseln musste der Ford Thames dran glauben.

In typischer Kastenwagen-Statur mit kurzer "Schnauze" prägte der Transit alsbald das europäische Straßenbild und wurde zur großen Antithese zum VW-Bus. Kaufentscheidend war neben der Marken-Solidarität vor allem das größere Fassungsvolumen des Transit. In dieser Liga waren in unseren Breiten auch Hanomag bzw. Mercedes noch im Bild, Konkurrenten wie der Opel/Bedford Blitz oder französische Angebote (Peugeot J7, Renault Estafette, Citroen H) blieben die Exoten. Von Beginn an wurden zwei Radstände und diverse Aufbauten (Kastenwagen, Kleinbus, Pritschenwagen, etc.) angeboten, dazu diverse Motoren. Die V4-Benziner kannte man z.B. auch aus den "Deutsch-Ford"-Pkw jener Jahre wie dem 12M oder 17M. Die Basisversion mit 1.200 ccm und satten 45 PS war für Eiltransporte nur sehr bedingt geeignet. Dafür musste man zum Zweiliter-V4 greifen, der 75 Pferde mobilisierte.

Das war offenbar flott genug: Scherzhaft ernannte die britische Polizei den Transit in diesen Jahren zum meistgesuchten Lieferwagen, denn bei der Mehrzahl der Banküberfälle im United Kingdom vertrauten die Übeltäter offenbar auf Transits als Fluchtautos. Nebenbei wurde der Van zum Lieblingsauto tourender Unterhaltungsmusiker und durfte beispielsweise auch den Rennboliden GT40 zum Einsatz nach Le Mans schleppen. Die Technik des GT40 - samt mittschiffs montiertem V8-Motor - arbeitete auch im Supervan, einem Showmobil par excellence.

Anderes Ende der PS-Skala: Für den ab 1972 von Perkins zugekauften 2,4 Liter-Dieselmotor mit 62 PS war im Bug des Fahrzeuges ohne Umbauten kein Platz mehr, deshalb zeichneten sich die Selbstzünder durch einen charakteristischen Erker in der Vorderansicht aus. Dieses Naserl verschwand bei der zweiten Generation ab 1978, und FreundInnen des gepflegten Cruisens hatten im 3-Liter-V6 eine neue Topmotorisierung zur Auswahl. Zielgruppe hiefür war aber primär die Exekutive, die vermutlich mit den Flucht-Transits endlich mithalten wollte. Basisbenziner wurde der Pinto-Motor in Zweiliter-Version.

Optisch war die zweite Generation vor allem am neuen "plastifizierten" Antlitz aus grauem Kunststoff zu erkennen. Das Interieur wurde verbessert und mit grauem Kubismus dem damaligen Ford-Styling angeglichen. Ein zweiter Supervan entstand auf Basis des Gruppe-C-Prototypen Ford C100. 1986 gab es dann einen stilistischen Quantensprung, das erstaunte Publikum hatte eine Art Großraum-Sierra vor sich. Motorhaube und Windschutzscheibe waren im gleichen Winkel geneigt. Mittlerweile war die Konkurrenz auch wesentlich aktiver, Iveco machte mit dem Daily ebenso von sich reden wie das Joint Venture von Fiat/PSA mit den Modellen Citroen C25, Peugeot J5 und Fiat Ducato. Dazu kamen vermehrt japanische Herausforderer. Der neue Benzinmotor mit 114 PS hatte erstmals keinen Zahnriemen mehr, sondern eine Steuerkette. Mit zwei Facelifts im Jahr 1991 und 1995 (hier gab es eine neue Armaturenlandschaft) schaffte es dieses Modell bis an die Schwelle des neuen Jahrtausends.

Ab 2000 gab es den Transit wahlweise mit Vorder- oder Hinterradantrieb. Der Kastenaufbau war in vier Längen und drei Höhen erhältlich. Der Duratorq-Turbodiesel erweitert die Motorenpalette. Dieselantrieb war mittlerweile de rigeur, die Duratorq-Palette umfasste Leistungen von 75 bis 145 PS.

2006 begann die Epoche der aktuellen Generation des Transit. Er muss sich klassenübergreifend mit Konkurrenten wie den Brüdern Mercedes Sprinter und VW Crafter oder dem Iveco Daily ebenso herumschlagen wie etwa mit der Dreifaltigkeit Jumper/Boxer/Ducato. Flexibilität ist immer noch sein Markenzeichen: So ist der Transit in über 300 Varianten erhältlich, die sich aus 9 Modellausführungen, 3 Radständen, 3 Dachhöhen, 4 Aufbaulängen oder 8 Ladeflächenformaten zusammensetzen lassen. Mittlerweile wird auch Allradantrieb offeriert. Was es nicht mehr gibt, ist ein Supervan - den hat der kleinere Transit Connect "geerbt". Seit dem Baubeginn der ersten Reihe 1965 haben mittlerweile sechs Millionen Kunden ihre Unterschrift unter einen Kaufvertrag gesetzt. Gebaut wird der Transit mittlerweile im britischen Southampton, dem türkischen Werk in Kocaeli, in Nanchang in China und mit der Produktionsstätte in Hai Dong auch in Vietnam. Damit ist er gut aufgestellt für die nächsten viereinhalb Jahrzehnte.

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