35 Jahre Mercedes Baureihe W124

Vom beliebten Youngtimer zum attraktiven, jungen Oldtimer: Die Mercedes-Benz Baureihe 124 begeistert heute fast so sehr wie bei ihrer Premiere vor 35 Jahren.

Die 1984 vorgestellte Baureihe ist die erste Fahrzeugfamilie von Mercedes-Benz, die vom Jahr 1993 an den Namen E-Klasse getragen hat. Konsequenter Leichtbau und optimierte Aerodynamik reduzieren den Verbrauch und ermöglichen bessere Fahrleistungen. Für herausragende Fahrsicherheit sorgt die innovative Raumlenkerhinterachse. Eine Pionierrolle übernimmt Mercedes auch bei der Schadstoffreduktion: Alle mit Benzinmotor ausgerüsteten Modelle sind ab Herbst 1986 serienmäßig mit der Abgasreinigung per geregeltem Dreiwegekatalysator ausgestattet.

Als die Geschichte der Baureihe 124 bei Mercedes-Benz beginnt, werden noch die "Strich-Acht"-Limousinen der Baureihen W 114/115 gebaut: Es ist Ende 1975, als im Unternehmen die Entscheidung für den Nachfolger der im Jänner 1976 auf den Markt gebrachten oberen Mittelklasse der Baureihe 123 fällt. Begleitet wird der Entwicklungsprozess auch von einem Generationenwechsel in leitenden Positionen der damaligen Daimler-Benz AG. Dazu kommen deutlich schärfere Vorschriften für Verbrauch und Emissionen, beispielsweise in Nordamerika. So entwickelt Mercedes für die Baureihe 124 neue Sechszylindermotoren und eine ganze Palette von Dieselmotoren mit vier, fünf und sechs Zylindern ohne und mit Aufladung.

Parallel dazu wird an der Gestaltung der neuen Limousinen gearbeitet. Das Ziel ist ein im Vergleich zu den Vorgängern leichteres und deutlich aerodynamisch optimiertes Fahrzeug bei weiter stark verbesserter Sicherheit. Parallelen bei Technik und Design gibt es zwischen der künftigen Baureihe 124 und der neuen Kompaktklasse W 201, die parallel entwickelt und bereits zwei Jahre vor der oberen Mittelklasse auf den Markt kommen wird. 1977 entstehen erste Projektbeschreibungen und zehn Plastilin-Modelle des W 124 im Maßstab 1:5, im Lastenheft wird ein Luftwiderstandsbeiwert von cW = 0,32 angestrebt. Der Vorstand entscheidet 1981 anhand von sieben Tonmodellen in Originalgröße das endgültige Design.

Um die neue Fahrzeuggeneration umfassend zu erproben, startet Mercedes-Benz 1982 eine Serie von Unfallversuchen und unternimmt ausgiebige Fahrerprobungen mit rund 60 Fahrzeugen in ganz unterschiedlichen Klimazonen. Unter anderem wird der W 124 in der Hitze Afrikas, auf dem Hochgeschwindigkeitskurs Nardo in Italien, auf der spanischen Höhenstraße Sol y Nieve 3.392 Meter über dem Meer, in Kanada und Skandinavien (Arjeplog) sowie in den Alpen getestet.

Vom 26. November bis 8. Dezember 1984 präsentiert die Stuttgarter Marke schließlich die neuen Limousinen in der Nähe von Sevilla internationalen Journalisten. Für Testfahrten stehen Fahrzeuge vom 200 D (53 kW / 72 PS) bis zum 300 E (140 kW / 190 PS) zur Verfügung. Das Fahrzeugkonzept mit der stabilsten Fahrgastzelle seiner Klasse, höherer Effizienz und beeindruckenden cW-Werten von 0,29 bis 0,30 je nach Motorisierung und Ausstattung, kommt bei den Fachleuten sehr gut an. Bei den Typen mit Ottomotor stoßen insbesondere 260 E und 300 E mit den neuen Sechszylindermotoren M 103 auf großes Interesse.

Im Juni 1993 bekommt die Baureihe 124 dann im Zuge der Nomenklaturumstellung den Namen E-Klasse. Gleichzeitig verändert sich das System der Typbezeichnung. Aus dem 500 E beispielsweise wird der E 500, aus dem 200 D der E 200 Diesel. 1995 endet die Produktion der Limousinen im Werk Sindelfingen, 1996 läuft auch die Herstellung von Teilesätzen aus (ckd = completely knocked down). In elf Jahren werden 2.213.167 Limousinen gebaut, insgesamt sind es 2.737.860 Fahrzeuge der Baureihe 124 - das macht sie zur erfolgreichsten E-Klasse von Mercedes-Benz.