Südtirol-Classic 2012 in Schenna - Wir waren dabei

Die 27. Rallye für historische Automobile rollte vom 12. bis 15. Juli 2012 wieder vom traditionellen Startort Schenna durch die südtiroler Bergwelt.

Bereits zum 27. Mal insgesamt und seit 15 Jahren vom Startort Schenna , einem wunderbar gelegenen Bergdorf bei Meran, wird die Südtirol Classic , eine Rallye für historische Automobile, organisiert und durchgeführt.

Gemeinsam mit seinen unzähligen Helfern und mit Unterstützung regionaler Sponsoren schafft es Franz Innerhofer immer wieder, eine Veranstaltung auf höchstem Niveau auf die Beine zu stellen. Die Rallye zieht Jahr für Jahr dutzende Teilnehmer mit ihren, oftmals schon sehr betagten, Automobilen aus halb Europa nach Südtirol. Einige Teilnehmer treten bereits zum 25. Mal mit ihren Fahrzeugen bei der "Rallye der Sympathie", wie die Veranstaltung in ihrem Untertitel heißt, an. Nach jeder Veranstaltung erhöht sich die Anzahl jener Teilnehmer, welche bereits gleich für die nächste Rallye ihre Bewerbung abgeben.

Die Veranstaltung selbst begann bereits am 8. Juli mit nicht zur Wertung zählenden gemeinsamen Ausfahrten und kulturellem Programm für die Teilnehmer. Die eigentlichen Wertungsfahrten wurden dann, nach technischer Abnahme der gemeldeten Fahrzeuge, vom 12. bis 14. Juli 2012 durchgeführt.

Dem Reglement der Rallye entsprechend sind nur ordnungsgemäß zum Straßenverkehr zugelassene Automobile bis Baujahr 1965 bei der Veranstaltung startberechtigt. Die gemeldeten Fahrzeuge werden in sieben verschiedene Gruppen, je nach Baujahr, eingeteilt. Der Veranstalter genehmigt aber auch die Teilnahme sogenannter Youngtimer, jedoch ohne Wertung, in einer Gästeklasse. Es werden auch nur zwei baugleiche Fahrzeuge jeder Marke zugelassen, um nicht größere Zahlen gleicher Fahrzeuge im Bewerb zu haben.

Die Wertung erfolgt in den einzelnen Baujahrklassen, einer Mannschaftswertung (mindestens 3 Teams) und einer Gesamtwertung. Den Teilnehmern werden in einem Roadbook die Streckenführung, die Durchschnitts- geschwindigkeit des Abschnittes, die Standorte der Zeitprüfungen sowie die Durchfahrtskontrollen vorgegeben. Verstöße gegen diese Vorgaben, oder Zeitunter- bzw. -überschreitungen sowie Behinderungen anderer Teilnehmer werden vom Veranstalter mit Strafpunkten geahndet.

Die Zeitnahmen der Prüfungen werden in 100stel Sekunden abgerechnet. Die Veranstaltung wird im öffentlichen Verkehrsaufkommen ohne jegliche Bevorzugung durchgeführt, und es gelten die italienischen Verkehrsgesetze. Die Südtirol Classic Schenna ist eine Art Gleichmäßigkeitsrennen, wobei mit insgesamt 10 Zeitkontrollen und Durchfahrtskontrollen die besondere Geschicklichkeit der Rennteilnehmer geprüft wird.

Es ist kein Rennen auf Zeit und Geschwindigkeit, die maximale Durchschnittsgeschwindigkeit wird mit 35 km/h vom Veranstalter vorgegeben. Die Zeitnehmung wurde erstmals im heurigen Jahr auf 100stel Sekunden vorgenommen. Das diesjährige Programm wurde mit einem Prolog über knapp 40 Kilometer am Donnerstag eröffnet. Freitag stand eine schwere Bergprüfung, eine Rundfahrt durch die Südtiroler Dolomiten mit einer Gesamtlänge von 260 Kilometern, auf dem Programm. Bei dieser Fahrt wurden insgesamt 7 bekannte Dolomitenpässe befahren und dabei etwa 12.000 Höhenmeter überwunden. Schließlich führte am Samstag die Wertungsprüfung über 160 Kilometer über 4 Pässe, alle unterhalb von 1.800 Meter Höhe, durch die Weinbaugebiete der Region Bozen.

Alle 119 genannten Teilnehmerteams nahmen mit ihren Fahrzeugen, davon 19 Fahrzeuge der Baujahre 1929 bis 1939, 36 Fahrzeuge der Baujahre 1948 bis 1959, 29 Fahrzeuge der Baujahre 1960 bis 1965 und 20 Fahrzeuge in der Gästeklasse 1966 bis 1978, die Strecke unter die Räder. Hauptattraktion waren naturgemäß die "Vorkriegsautos" und hier besonders das älteste Fahrzeug, ein Ford A "Doktorwagen" des Baujahres 1929. Als jüngstes Fahrzeug wurde ein Rolls-Royce Corniche Cabrio, Baujahr 1978, in der Gästeklasse an den Start gebracht.

Am Donnerstag den 12.07.2012, pünktlich um 18:00 Uhr erfolgte der Start der Veranstaltung. Der Prolog durch das Meraner Land zählte auch gleich zur Wertung. Die Strecke führte über Sinich, Burgstall, Lana, Tscherms, Marling, Alsgund, Meran und Dorf Tirol zurück nach Schenna. Es wurden beim Start und in Marling Zeitkontrollen sowie eine Durchfahrtskontrolle im Dorf Tirol in die Wertung aufgenommen.

Der Tag 2 der Veranstaltung begann für die Startnummer 1 um 08:30 Uhr; am Plan stand eine Dolomitenrunde. Leider verschlechterte sich das Wetter zusehends, und bereits nach etwa 30 Minuten setzte starker Regen ein, der sich bis gegen 14:00 Uhr und über mehrere Dolomitenpässe hielt. Trotz des sehr schlechten Wetters fuhren die meisten Teilnehmer mit ihren Cabrios "offen" und mussten mehrfach infolge des Regens ihre Kleidung wechseln.

Die Wertungsstrecke führte von Schenna nach Bozen, weiter durch das Tiersertal, über den Nigerpass und Karrerpass in das Fassatal. Hier wartete die erste richtige Herausforderung des Tages auf die Teilnehmer. Bei starkem Regen wurden die steilen Kehren des Pordoijochs bis auf 2.239 Meter in Angriff genommen. Starr vor Kälte und durchnässt vom Regen (es hatte am Pordoi ca. +4,0 Grad!) schafften nicht nur die Cabriofahrer sondern auch alle weiteren Teams diese Herausforderung. Es war dies aber erst der dritte Pass des Tages, und viele Höhenmeter warteten noch.

Weiter ging die Fahrt über die Kehren des mit 2.105 Meter nicht minder steilen Falzaregopass und gleich weiter auf die 2.197 Meter des Valparolapasses. Nach der Abfahrt in das Badiatal wurde in Sankt Kassian eine 90-minütige Zwangsrast eingelegt und die Teilnehmer mit einer Gondelumlaufbahn zur Bergstation des Piz Sorega zur Labung und teilweise "Trockenlegung" gebracht. Danach fuhren die Teilnehmer durch das Grödnertal auf das Grödnerjoch, mit 2.121 Meter der letzte Pass über 2.000 Meter.

Über Wolkenstein, Sankt Christina und Sankt Ulrich ging es durch das Grödnertal weiter und schließlich über den Panidersattel, 1.600 Meter, nach Kastelruth. Weiter führte die Route über Seis und Völs nach Bozen und dann Richtung Meran bzw. Schenna. Auf der Strecke wurden insgesamt 4 Zeitkontrollen und eine Durchfahrtskontrolle in die Wertung mit einbezogen.

Tag 3 führte die verbliebenen Teilnehmer (leider mussten 7 Fahrzeuge wegen technischer Probleme vorzeitig die Rallye beenden) auf eine sogenannte Panoramafahrt durch das Etschtal und die Hügel rund um Bozen. Mit Start um 09:00 Uhr ging die Fahrt von Schenna über Hafling, Vöran und Mölten nach Jenesien. Dabei wurde der Tschogglberg mit knapp 1.200 Meter überwunden. Durch den Nordrand von Bozen und Karneid führte die Strecke weiter in das Eggental nach Deutschnofen, weiter über Montan in das untere Etschtal in den Raum Tramin.

Hier wurde die letzte Zeitmessstrecke durchgeführt und sozusagen der sportliche Teil der Veranstaltung beendet. Vorher hatten die Teilnehmer noch 3 weitere Zeitkontrollen und eine Durchfahrtskontrolle passiert. Nach einem gemeinsamen Mittagessen fuhren die Fahrzeuge wieder über Kaltern, Eppan und Terlan nach Schenna zurück.

Die Veranstaltung verlief absolut unfallfrei, und alle Teilnehmer waren mit ihrer Leistung zufrieden. Alle hoben die Spitzenqualität der organisatorischen Umstände und die besondere Freundlichkeit aller beteiligten Helfer hervor. Zusagen zur Teilnahme an der Südtirol Classic Schenna 2013 wurden von einigen Teams bereits deponiert. Insgesamt konnten vom Veranstalter 85 der teilnehmenden 119 Fahrzeuge und deren Besatzungen gewertet werden.

Die Klassensieger sowie der Gesamtsieger der Südtirol Classic Schenna wurde schließlich am Sonntag den 15. Juli 2012 vom Veranstalter bekannt gegeben.

Die Klasse Vintage, Baujahre 1919-1930, gewann mit Startnummer 2 Hans Böck, Deutschland, mit einem Bentley 4,5 l open Tourer mit 183 Strafpunkten vor Startnummer 1 Horst Ochner, ebenfalls aus Deutschland, mit dem Ford A Doktorwagen, welcher auf 224 Strafpunkte kam.

Die Klasse Post-Vintage, Baujahre 1931-1945, gewann mit Startnummer 15 Manfred Feyer aus Deutschland mit einem Lagonda LM 45 Baujahr 1936 und 210 Strafpunkten vor Startnummer 8 Dr. Anton Felder, Deutschland, mit einem Riley Ulster Imp, Baujahr 1934 mit 221 Strafpunkten.

Gesamtsieger der Südtirol Classic Schenna 2012 wurde mit 124 Strafpunkten Horst Künzel, Deutschland, Startnummer 91 mit einem Mercedes 250 SE Cabrio Baujahr 1965 vor Walter "Fuzzy" Kofler, Italien, Startnummer 52, mit einem Porsche 356 A und 169 Strafpunkten. Platz 3 errang die Startnummer 2 Hans Böck mit seinem 83 Jahre alten Bentley 4,5 open Tourer.

Weitere Infos zu Schenna und zur Südtirol Classic finden Sie hier.

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