Keine Chance für EA 48

Mit dem Entwicklungsauftrag 48 fing Mitte der 50er-Jahre eigentlich alles an. Dieser Vorfahre des up! sollte eine kleinere VW-Baureihe unter dem Käfer ergeben.

Mit sensationellen technischen Lösungen: 2-Zylinder- Boxermotor, vorn eingebaut mit Frontantrieb. McPherson Federbeine. Sensationelle Raumaufteilung. Platz für vier Personen und Gepäck, das durch die Heckklappe bequem erreichbar war. Aber die Wolfsburger verließ der Mut. Entwicklungsauftrag 48 wurde nicht gebaut und wanderte ins Museum. Aber die Idee macht Schule: 1959 kommt in England der Mini auf den Markt, im Sommer 61 lernen die Franzosen ihren R4 lieben. Erst im Sommer 1974 kommt der Entwicklunsauftrag EA 337 in Wolfsburg vom Band. Die Geburtsstunde des Golf, des bis heute meistverkauften VW-Modells. Anfangs war auch er ein ganzes Stück kleiner als seine heutigen Nachfahren. Aber dafür gibt es ja heute den kleinen up!

Und der Kleine legt eine Erfolgsfahrt hin, dass den Autobauern die Luft wegbleibt. Bei der "auto motor und sport"-Leserwahl hat der Kleine im ersten Anlauf den Dauersieger MINI mit deutlichem Abstand vom ersten Platz vertrieben. Von Euro NCAP bekam der up! fünf Sterne plus Award für sein Sicherheitskonzept und den Titel "Car of the Year" von den Engländern verliehen.

Der von Entwicklungsingenieur Heinrich Seibt vor sechzig Jahren vorgegebene Masterplan für den EA 48 liest sich noch heute, als wäre er für den up! erstellt: kompakte Abmessungen bei höchstmöglichem Nutzwert, vier Sitze, Frontantrieb. Zudem sollte der kleine Volkswagen wie sein größerer Bruder hohe Qualität bieten und sich damit vom Start weg von der angepeilten Konkurrenz abheben.

Ebenfalls zukunftsweisend: schon damals die selbsttragende Pontonkarosserie und die kleinen 13-Zoll-Räder, die bei Continental speziell für den Prototyp angefertigt wurden. So entstand - damals wie heute - ein kleines Raumwunder, dessen Innenmaße die der Wettbewerber deutlich übertraf.

Seine Leistung wurde in den Testprotokollen als absolut ausreichend bezeichnet - der relativ leichtgewichtige EA 48 verfügte über ein ausgezeichnetes Leistungsgewicht. Die Fahreigenschaften des kompakten Meilensteins beurteilten die Piloten bei den internen Testfahrten als sportlich, das Handling erhielt herausragende Noten.

Produktionskapazitäten mussten damals ausschließlich für den auch im Export immer erfolgreicheren Käfer genutzt werden. Keine Chance für EA 48 - ein Meilenstein der Volkswagen Produkthistorie und Vorläufer aller späteren frontgetriebenen VW-Kompaktwagen. Was wäre wohl geworden, wenn der EA 48 seine Chance bekommen hätte?

auto-reporter.net/um

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