Testbericht: Alfa Romeo Giulia Veloce

Mit der Giulia Veloce bietet Alfa Romeo eine stärkere Dieselvariante an. Wir verraten im folgenden Test, was für die sportliche Limousine spricht.

Das Comeback von Alfa Romeo kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, die neue Giulia erfreut sich großer Beliebtheit und ist in immer mehr Varianten erhältlich. Eines der Highlights der Modellpalette ist sicher die Giulia Veloce, die es nur mit 280 PS starkem Benzinmotor oder 210 PS starkem Diesel gibt, beide sind mit Allradantrieb kombiniert und nur als Veloce-Modelle zu haben.

Neben der Motorisierung gibt es noch weitere sportliche Details, mit denen sich die Giulia Veloce von den anderen Modellen abhebt. So zählen 18"-Alufelgen, Bi-Xenonscheinwerfer, schwarze Bremssättel und Sportledersitze zur Veloce-Ausstattung. Exklusiv für dieses Modell gibt es auch optional die "Blue Misano"-Metallic-Lackierung, die unser Testfahrzeug zu einem Eyecatcher gemacht hat. Im Listenpreis von 50.390 Euro sind neben den bereits erwähnten Goodies noch ein Front-Kollisionswarner mit Notbrems-Funktion, ein Spurhalte Assistent, ein Tempomat, ein Audiosystem, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und vieles mehr an Bord.

Dem Premium-Anspruch von Alfa Romeo entsprechend gibt es aber noch viele Möglichkeiten zur Individualisierung und Verfeinerung des Fahrzeugs. Unser Testfahrzeug verwöhnte noch mit dem Alfa Connect 3D Nav-System mit 8,8"-Display, DAB, dem Harman Kardon Soundsystem, adaptivem Tempomat, gelben Bremssätteln, 19"-Alufelgen, der Blue Misano-Metallic-Lackierung, einem Glasschiebedach, abgedunkelten Scheiben hinten, dem Performance Paket, dem Lichtpaket, dem Klima Paket Plus, dem Komfort Paket Plus und dem Fahrassistenz Paket Plus. Der Gesamtpreis summiert sich damit auf 66.259,70 Euro, lässt aber auch keine Wünsche mehr unerfüllt.

Ein Highlight der Giulia Veloce ist sicher auch die Innenraumgestaltung. Der Mix aus komplett neuem Design, Retro-Stilelementen, die an alte Alfa-Modelle erinnern, und feinsten Materialien steht der Sportlimousine sehr gut. Im ersten Moment ungewohnt, in der Praxis aber genial ist der Startknopf im sehr griffigen Sportlederlenkrad. Etwas Gewöhnung bedarf hingegen die Bedienung des Infotainmentsystems, das nur via Dreh/Drückrad zwischen Fahrer und Beifahrer bedient werden kann. Das in Breitbild gehaltene 8,8"-Display neigt auch zu spiegeln, was die Ablesbarkeit etwas trübt.

Sonst gibt es im Innenraum aber keinerlei Kritikpunkte, man fühlt sich sehr wohl, und auch die Sitze können mit einem hohen Maß an Komfort und viel Seitenhalt überzeugen. Passagieren mit einem nicht ganz so guten Body-Mass-Index könnten die Sitze jedoch zu eng sein. Das Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist sehr gut, im Fond und im Kofferraum, der über 480 Liter Stauraum verfügt, bietet der Alfa aber nur durchschnittliche Platzverhältnisse.

Wer sich eine so sportliche Limousine wie die Giulia kauft, legt vermutlich ohnedies mehr Wert auf den Fahrspaß. Und genau hier übertrumpft der Alfa seine Konkurrenz deutlich. Der 2,2 Liter-4-Zylinder-Turbodiesel ist am Papier mit seinen 210 PS (154 kW) Leistung nicht gerade der stärkste Vertreter seiner Klasse. In der Praxis fühlt sich der Motor aber deutlich agiler an, und man hat das Gefühl, mit mindestens 240 PS unterwegs zu sein. Schon bei 1.750 U/Min liefert der Motor ein maximales Drehmoment von 470 Nm, wobei man auch darunter schon viel Schubkraft verspürt.

Auch wenn man im Normal-Modus des Alfa-DNA-Programms unterwegs ist, macht die Limousine viel Spaß. Zu verdanken ist das nicht nur der fein schaltenden 8-Gang-Automatik, die mit schnellen und sanften Schaltvorgängen verwöhnt, sondern auch dem Performance Paket. Dieses beinhaltet die Alfa Active Suspension, das Limited Slip Differential und Schaltwippen am Lenkrad, die leider etwas groß und nicht sehr gut positioniert sind und oft die Fingerknöchel ramponieren.

Die Lenkung selbst ist ein Traum. Wir haben noch keine Limousine in dieser Klasse erlebt, bei der die Lenkung so direkt ist wie im Alfa. Man kann die 464,3 cm lange Limousine so agil um Kurven scheuchen, dass man das Gefühl hat, in einem Sportwagen unterwegs zu sein. Vor allem, wenn man den Sport-Modus gewählt hat, wo der Motor nochmals ungeahntes Leistungspotenzial liefert. Jeder kleine Tipp aufs Gaspedal wird 1:1 in Leistung umgewandelt, und man sprintet in nur 6,8 Sekunden aus dem Stand heraus auf Tempo 100 km/h. Aber auch beim Zwischensprint zeigt sich der Alfa von seiner sportlichen Seite, und Überholmanöver werden zum Kinderspiel. Die Höchstgeschwindigkeit erreicht der rassige Italiener bei 235 km/h.

Trotz aller Sportlichkeit bietet die Giulia auch viel Komfort und federt sehr angenehm. Die Straßenlage ist dennoch genial, und dank dem Allradantrieb wird die Kraft perfekt auf die Straße gebracht. Ein weiterer Vorteil des Allradantriebs ist, dass man bei jeder Witterung gut voran kommt und auch im Winter das ideale Reisefahrzeug hat.

Die größte Überraschung hat der Alfa aber an der Tankstelle geliefert. O.K., die vom Werk versprochenen 4,7 Liter haben wir nicht erreicht, mit einem Verbrauch von 6,9 Litern ist der Alfa aber in Bezug auf Leistung und Fahrspaß noch immer überaus sparsam unterwegs. Trotz mehr Leistung und Allradantrieb ist er um 0,2 Liter sparsamer gewesen als die 180 PS-Version mit Heckantrieb, die wir vor ein paar Monaten im Fuhrpark hatten. Abgerundet wird das Ganze noch durch ein tolles Sicherheitspaket inklusive adaptivem Tempomat, Notbrems-Assistent und vielem mehr.

Die neue Giulia Veloce hat in unserem Test bewiesen, dass man Langstreckentauglichkeit, Fahrkomfort und Fahrspaß perfekt kombinieren kann. Wir hatten in dieser (Leistungs-)Klasse noch kein anderes Fahrzeug, das so viel Fahrspaß geboten hat wie die Giulia. Auch wenn der Alfa nicht in jedem Detail perfekt ist, so kann er es in der Summe der Eigenschaften locker mit der deutschen Premium-Konkurrenz aufnehmen. Neben dem Fahrspaß und dem guten Verbrauch bietet er auch viel Charme und einen sehr eigenständigen Charakter.

Was uns gefällt:

das Design, die Ausstattung, die Leistungsentfaltung des Motors, der Fahrspaß, die 8-Gang-Automatik, die vielen netten kleinen Details im Innenraum

Was uns nicht gefällt:

das Platzangebot im Fond, die zu großen und ungünstig positionierten Schaltwippen

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 3
Ablagen: 3
Übersichtlichkeit: 2

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