Testbericht zum neuen Alfa Romeo Stelvio

Der Stelvio ist Alfas erster SUV. Wir haben den Top-Diesel in Kombination mit Automatik und Allradantrieb zum Test begrüßt.

Viele Jahre war Alfa Romeo wie ein Wachkoma-Patient, seit der neuen Giulia geht es aber Schlag auf Schlag, und die altehrwürdige Marke ist zu neuem Leben erwacht. Eines der absoluten Highlights im Programm ist sicher der neue Stelvio, Alfa Romeos erster SUV. Nachdem Jeep zum FCA-Konzern gehört, hat man bei Alfa das für einen SUV notwendige Know How parat gehabt. Die Italiener haben dazu noch gekonnt die Sportlichkeit, die man von Alfa Romeo seit vielen Jahrzehnten gewohnt ist, dazu gemixt und so einen wirklich gelungenen SUV auf die Räder gestellt.

Das Design bringt die dynamische Linienführung der Giulia ins SUV-Segment. Der Stelvio wirkt im Prinzip optisch wie die SUV-Version der Giulia, was sich auch im Innenraum sehr deutlich zeigt. Die Proportionen sind sehr gelungen, vor allem das Heck zeigt sich aus unserer Sicht dynamisch und bullig zugleich. Für den Test haben wir den Stelvio mit dem 210 PS starken Dieselmotor, Automatik und Allradantrieb kombiniert. Hinzu gesellt sich die "Super"-Ausstattung, die schon eine Menge feiner Features bietet.

Zum durchaus fairen Preis von 53.200 Euro bekommt man schon ein Kollisionswarnsystem, einen Spurhalteassistent, eine 2-Zonen-Klimaautomatik, das Alfa Connect Infotainmentsystem mit 6,5"-Farbdisplay, 18"-Leichtmetallfelgen, Techno Leder-/Stoffsitze und noch einiges mehr. Für noch mehr Luxus haben in unserem Testwagen eine Reihe von Extras gesorgt. So wurden wir mit einem Glasschiebedach, 19"-Alufelgen, dem Lusso Paket Eichenholz, dem Komfort-Paket, dem Alfa Connect 3D Navi mit 8,8"-Bildschirm, DAB Audio, dem Fahrassistenz Paket Plus, der Grigio Vesuvio-Lackierung und schwarzen Bremssätteln verwöhnt. Der Gesamtpreis summiert sich damit auf 64.738 Euro.

Der Stelvio präsentiert sich um diesen Preis sehr luxuriös, und man vermisst nur noch wenige Dinge, wie etwa einen adaptiven Tempomat oder eine Sitzklimatisierung. Im Innenraum bietet der SUV einen schönen Mix aus hochwertigen Materialien und moderner Technik. Die Armaturenlandschaft kennt man aus der Giulia, wobei dies kein Nachteil ist. Man findet sich schnell zurecht und fühlt sich auch sehr wohl. Nicht ganz optimal gelöst ist jedoch auch beim Stelvio die Bedienung des Infotainmentsystems. Statt eines Touchscreen gibt es zwischen Fahrer und Beifahrer ein Dreh/Drück-Rad, mit dem alle Menüs und Funktionen angesteuert werden, was nicht sehr praktisch ist.

Sonst gibt es im Innenraum aber wirklich nichts zu meckern, viele Ablagen und auch viel Platz für Passagiere und Gepäck können begeistern. Auf den sehr bequemen Sitzen können auch weite Strecken bequem absolviert werden, und mit einem Ladevolumen von 525 Litern ist auch das Gepäckabteil großzügig dimensioniert.

Um der sportlichen Optik entsprechend unterwegs zu sein, haben wir für unseren Test den Top-Diesel mit 210 PS (154 kW) gewählt. Auf den ersten Blick ist das 2,2 Liter-Aggregat zwar schwächer als manche Motoren vom Mitbewerb, in der Praxis haben wir aber festgestellt, dass der Motor deutlich agiler ist, als man glauben sollte. Bei 1.750 U/Min liefert er sein maximales Drehmoment von 470 Nm, wobei der Motor wirklich aus jedem Drehzahlbereich viel Kraft liefert. Schon im Normal-Modus fährt sich der Stelvio sehr sportlich und kann mit überaus ansprechenden Fahrleistungen aufwarten. Wer den DNA-Drehschalter in die "Dynamik"-Position dreht, verwandelt seinen 468,7 cm langen Stelvio zu einer Sportskanone.

Ändert man während der Fahrt in den Dynamik-Modus, spürt man sofort, wie bei gleicher Gaspedalstellung deutlich mehr Schubkraft mobilisiert wird. Auch Lenkung, Fahrwerk und die Schaltvorgänge der wunderbar fein schaltenden 8-Gang-Automatik werden noch sportlicher abgestimmt. Man hat hier wirklich das Gefühl, mit einem deutlich kompakteren Fahrzeug unterwegs zu sein, so viel Fahrspaß bietet der Alfa-SUV. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h vergehen nur 6,6 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 215 km/h.

Der Alfa liefert auch beim Zwischensprint viel Kraft, und man fühlt sich wirklich auf allen Strecken sehr wohl. Trotz aller Sportlichkeit bleibt nämlich auch die Federung noch sehr komfortabel. Dank dem Allradantrieb wird die Kraft immer perfekt auf alle vier Räder geleitet, und der Stelvio vermittelt so auch immer perfekten Kontakt zur Straße und eine top Straßenlage.

Etwas zu optimistisch ist lediglich die Verbrauchsangabe vom Werk. Wer den Stelvio mit 4,8 Litern auf 100 Kilometer bewegt, fährt vermutlich nur bergab und im Windschatten von Lkws. Dennoch ist der Stelvio auch in der Praxis für ein Auto dieser Fahrzeug- und Leistungsklasse recht sparsam zu bewegen. Wir sind ausschließlich im Normal- und Sport-Modus unterwegs gewesen und auf einen Verbrauch von 7,2 Litern pro 100 Kilometer gekommen. Wer auf die sportlichen Attribute des Stelvio zumindest ab und zu verzichtet, wird sicher einen Verbrauch von 6 bis 7 Liter pro 100 Kilometer realisieren können.

Beim Thema Sicherheit bietet der Stelvio eine gute Grundausstattung inklusive Notbremsassistent und Spurhalteassistent. Dass bei dem Preis noch kein adaptiver Tempomat an Bord ist, enttäuscht aber etwas und passt nicht ganz zum sonst so hochwertigen und modernen Eindruck des Stelvio.

In der Summe der Eigenschaften kann uns der neue Alfa Romeo Stelvio bei unserem Test begeistern. Er hebt sich optisch deutlich von den Mitbewerbern ab und zeigt sich als sportlicher, aber auch komfortabler Begleiter. Das Highlight ist sicher der Antrieb, der Dieselmotor mit 210 PS fühlt sich deutlich stärker an und liefert sehr gute Fahrleistungen, bei noch recht sparsamem Verbrauch.

Was uns gefällt:

das Design, die Ausstattung, die Leistungsentfaltung des Motors, der Fahrspaß, die 8-Gang-Automatik, der Start/Stopp-Knopf im Lenkrad

Was uns nicht gefällt:

dass kein adaptiver Tempomat an Bord war, die Bedienung des Infotainmentsystems, für kleine Personen zu eingeschränkte Verstellmöglichkeiten des Innenspiegels

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 2
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 2
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 2

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